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Übernahmeangebot an Eichborn-Verlag: Die Fliege summt wieder

Noch vor wenigen Wochen sah es düster aus um die Zukunft des Frankfurter Eichborn-Verlags. Doch jetzt hat überraschend der Kölner Verleger Stefan Lübbe auf seiner Shopping-Tour durch die bundesdeutsche Buchlandschaft das insolvente Sorgenkind für seinen Warenkorb entdeckt.

Gerade einmal ein halbes Jahr hat Insolvenzverwalter Holger Lessing dem angeschlagenen Eichborn-Verlag noch gegeben. Maximal. Spätestens im Sommer würden aber in dem Unternehmen endgültig die Lichter ausgehen - falls sich nicht ein Investor findet, der noch Interesse an Deutschlands einzigem börsennotierten Publikumsverlag zeigt. Aufbau-Verleger Matthias Koch hatte zwar bereits ein Angebot abgegeben. Doch das wäre einer Verschleuderung gleichgekommen, meinte der Gläubigerausschuss und lehnte dankend ab.

Damit schlug die Stunde von Stefan Lübbe. Der Chef des Kölner Verlags Bastei Lübbe ist gerade auf Einkaufstour in der deutschen Printlandschaft und will sein Unternehmen vergrößern. Ein Branchen-Riese, der in Zukunft viele Sparten des heiß umkämpften Marktes bespielen will: Digitale Medien, Kalender, Merchandising, Rätselhefte.

Dazu hat Bastei Lübbe jüngst Unternehmensanleihen ausgegeben und erst vor wenigen Tagen 30 Millionen Euro eingestrichen. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren versprach der größte inhabergeführte Verlag Deutschlands dabei seinen Anlegern satte 6,75 Prozent. Das frische Geld werde zur "Finanzierung der Wachstumsstrategie" eingesetzt, hieß es ganz offen. Gemeint sind Übernahmen.

"Die andere Bibliothek" und "Motomania" ausgenommen

Bereits 2009 hatte der Verlag Baumhaus geschluckt, im Jahr darauf den Boje Verlag, und damit seinen Kinder- und Jugendbuchbereich aufgebaut. Jetzt deutet also vieles auf einen bevorstehenden Kauf des Eichborn-Verlags hin. Denn Lübbe habe dem Gläubigerausschuss ein konkretes Übernahme-Angebot unterbreitet. Das Angebot sei noch nicht unterschriftsreif, aber akzeptabel und beinhalte alle wesentlichen Eckdaten, meint Insolvenzverwalter Holger Lessing am Mittwoch in Frankfurt. "Wir sind auf dem Weg der Rettung - Eichborn ist nicht verloren", sagt er.

Ausgenommen von der geplanten Übernahme sind die Eichborn-Sparten "Die andere Bibliothek" und "Motomania", die gesondert abgewickelt werden. Wobei für "Die andere Bibliothek" ebenfalls ein konkretes Kaufangebot vorliegen soll. Von wem, ist unklar. Auch sollen bereits in den kommenden Tagen in Frankfurt Gespräche mit den verbliebenen rund 20 Eichborn-Mitarbeitern aufgenommen werden.

Der Eichborn-Verlag, der mitten im Frankfurter Rotlichtviertel über einem Porno-Kino seinen Sitz hat, hatte Mitte Juni wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Seit seiner Gründung im Jahr 1980 zählte das Unternehmen mit seinem bunt-frechen Programm zu den schillerndsten Verlagen in der Republik.

Branchen-Riese schluckt Fliege

Unterdessen versucht Bastei Lübbe den Eindruck zu verhindern, das Angebot für Eichborn stehe in einem direkten Zusammenhang mit den 30 Millionen. "Auch wenn die beiden Ereignisse zeitlich nah beieinanderliegen, hat der jetzige Erwerb von Eichborn nichts mit der Anleihe zu tun hat, sondern findet außerhalb der geplanten Akquisitionen statt", heißt es in einer Mitteilung des Verlags.

Im Gegenteil: "Ich bin sicher, dass Bastei Lübbe und Eichborn gut zusammenpassen werden, wir haben ähnliche Verlagsphilosophien, wir sind kreativ, wir lieben das Unkonventionelle, mitunter Freche - und wir legen großen Wert auf Autorenpflege", begründet Stefan Lübbe sein Angebot.

Christian Rupp, DPA / DPA