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VERWICKLUNGEN: US-Regierung überprüft Verträge mit Enron

Auch Wirtschaftsprüfer Andersen gerät ins Visier der Ermittlungen. Hinweise mehren sich, dass Ex-Enron-Vize Baxter, der Freitag Selbstmord beging, vor den finanziellen Praktiken gewarnt hatte.

Nach der größten Firmenpleite in der US-Geschichte überprüft nun die Regierung in Washington ihre Beziehungen zum Energiekonzern Enron. Auch die Geschäftskontakte zur Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen kommen nach einer Entscheidung des Weißen Hauses vom Freitag auf den Prüfstand. Unterdessen gibt es Hinweise, dass der frühere stellvertretende Enron-Chef Cliff Baxter, der am Freitag Selbstmord beging, offenbar schon vor Monaten eindringlich vor fragwürdigen finanziellen Praktiken gewarnt hatte.

Frühe Warnung

Baxter beschwerte sich nachdrücklich über unrechtmäßige Transaktionen, erklärte Enron-Vorstandskollegin Sherron Watkins im August in einem Brief an die Konzernführung, wie jetzt bekannt wurde. Sollte das Unternehmen seine Praktiken nicht ändern, »werden wir in einer Welle von Buchhaltungsskandalen untergehen«, warnte Watkins in dem Schreiben.

Selbstmord-These bestätigt

Nach einer Obduktion bestätigten die Behörden am Samstag den Selbstmord Baxters. Der 43-Jährige gehörte zu 29 Managern und Exmanagern, gegen die wegen zweifelhafter Aktienverkäufe zwischen Oktober 1998 und November 2001 ermittelt wird. Er war im Mai, mehrere Monate vor dem Zusammenbruch von Enron, aus dem Unternehmen ausgeschieden.

Vertragssumem von 70 Millionen Dollar

Mit der vom Weißen Haus am Freitag angeordneten umfassenden Untersuchung soll festgestellt werden, ob Enron und das Wirtschaftsprüfungsunternehmen ihre Verträge mit den Behörden eingehalten und einwandfreie Geschäftspraktiken verfolgt haben. Die Geschäftsbeziehungen beider Unternehmen mit der Regierung erreichten den Angaben zufolge ein Volumen von 70 Millionen Dollar (80,8 Millionen Euro).

Was kommt noch raus?

Der US-Kongress, die Bundespolizei FBI sowie Justiz- und Arbeitsministerium haben ebenfalls Ermittlungen eingeleitet. Beide Firmen sollen nach der Aufnahme staatlicher Ermittlungen gegen Enron tausende Dokumente und Akten vernichtet haben. Mitte November hatte Enron eingeräumt, den Gewinn in den vergangenen vier Jahren um rund 20 Prozent zu hoch angegeben und einen Großteil der Schulden von 15 Milliarden Dollar nicht in den Bilanzen ausgewiesen zu haben. Nach gescheiterten Übernahmeverhandlungen mit Dynegy hatte Enron am 2. Dezember dann Konkurs angemeldet. Das Unternehmen hat 2000 den Wahlkampf von US-Präsident George W. Bush unterstützt.