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Handy-Vertrag verweigert: Wie man trotz tadellosen Verhaltens zum Schufa-Opfer werden kann

Man könnte meinen, wenn bei der Schufa nichts gegen einen vorliegt, hat man keine Probleme, bei Vodafone einen Handyvertrag abzuschließen. Doch weit gefehlt. Eine Geschichte über die Wirrungen der Schufa.

Die Schufa-Auskunft enthält manchmal unliebsame Überraschungen

Die Schufa-Auskunft enthält manchmal unliebsame Überraschungen

Wer ständig verschuldet ist und seine Miete nicht bezahlt, den bestraft die Schufa. Denn solch unseriöses Verbraucherverhalten speichert die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung gnadenlos in der persönlichen Schufa-Akte ab. Als Warnung für Unternehmen, dass man mit dieser Person vielleicht besser keine Geschäfte macht. Soweit bekannt und nachvollziehbar.

Weniger bekannt ist dagegen, dass man selbst dann massive Schufa-Probleme bekommen kann, wenn bei der Auskunftei gar nichts gegen einen vorliegt. Wie das passieren kann, hat Martin Wiens in einem Blogbeitrag aufgeschrieben. Der 24-jährige Student aus Hannover wollte nach Jahren des Prepaid-Telefonierens vor dreieinhalb Monaten einen Handyvertrag inklusive iPhone 6 bei Vodafone abschließen. Doch das funktionierte nicht. Viermal brach der Online-Bestellvorgang ab.

Der Grund: eine negative Schufa-Auskunft. „Ich war natürlich einigermaßen panisch, weil ich mich nicht daran erinnern konnte, irgendwann mal eine Rechnung nicht beglichen zu haben. Ausschließen konnte ich es aber nicht“, schreibt Wiens in seinem Erfahrungsbericht. Er forderte eine kostenlose Schufa-Auskunft an, wie das jeder Verbraucher einmal im Jahr tun kann.

Ein "sehr kritisches Risiko"

Das Ergebnis überraschte ihn: Obwohl keinerlei negativen Einträge vorhanden waren, hatte die Schufa Vodafone auf deren Anfrage mitgeteilt, Wiens stelle ein „sehr kritisches Risiko“ dar. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Student seine Vodafone-Rechnungen bezahlen werde, hatte die Auskunftei mit exakt 49,22 Prozent eingeschätzt. Wie konnte das sein?

Der Grund ist für Laien verblüffend. Es waren nämlich nicht nur keinerlei negativen Einträge vorhanden, sondern überhaupt keine. Also auch keine positiven. Die Schufa wusste über Martin Wiens noch nicht einmal, dass es ihn überhaupt gibt. Und mit jemandem, von dem man noch nie zuvor gehört hat, sollte man nicht unbedingt Geschäfte machen, so die Schlussfolgerung der Schufa. Wiens hatte zwar ein gut gedecktes Konto bei einer Bank. Das Geldinstitut gehöre aber zu den wenigen, die nicht mit der Schufa zusammenarbeiten, also keine Daten übermitteln, wie ein Schufa-Sprecher auf Nachfrage des stern erklärte.

 Der Gemeinheiten des Geoscorings

Aber wieso kann die Schufa in solchen Fällen überhaupt einen Score berechnen? Dafür sorgt das sogenannte Geoscoring. Wenn es über eine Person überhaupt keine Informationen gibt, zieht die Schufa - wie andere Auskunfteien auch - eben Informationen über das Umfeld heran. Wohnen in der Nachbarschaft viele Menschen, die ihre Rechnungen nicht regelmäßig zahlen, dann geht der Algorithmus davon aus, dass dies auch auf die unbekannte Person zutreffen könnte. Den Geoscore rechnet die Schufa Unternehmen auf Anfrage aus. Ein Sprecher betont aber, dass nur bei 0,3 Prozent aller Anfragen die Notwendigkeit bestehe, den Geoscore zu kalkulieren, weil keine sonstigen Informationen vorliegen.

Martin Wiens hat übrigens allein dadurch, dass er seine Schufa-Auskunft angefordert hat, seinen Score dramatisch verbessert. Der Schufa-Score für Telekommunikationsunternehmen stieg von 49,22 Prozent auf 81,14 Prozent Erfüllungswahrscheinlichkeit. Denn nun weiß die Schufa ja, dass es Wiens wirklich gibt.

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