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WÄHRUNG: Ecuador und der Dollar

Zunächst erschien es wie ein Geniestreich, als Ecuador vor gut zwei Jahren den Dollar zur einzigen Währung des Landes erklärte. Doch nun wirkt er eher wie ein Kleinwagen mit Rennreifen.

Mit einem Schlag war das Land die chronisch schwindsüchtige Währung Sucre los und gegen ungedeckte Geldemissionen, deren inflationäre Folgen sowie Angriffe von Spekulanten »gepanzert«, wie die Befürworter argumentierten.

Skepsis wächst

Inzwischen wächst jedoch die Skepsis, ob der Verzicht auf eine nationale Währung tatsächlich den erhofften Ausweg aus der schwersten Wirtschaftskrise in der Geschichte des Landes bringt. Ecuador stehe so stabil da wie ein Kleinwagen auf Formel 1-Reifen, nur fahren könne man so nicht, drückt es ein Busfahrer ganz bildlich aus.

Durchwachsene Bilanz

Die Bilanz der ersten zwei Jahre ist denn auch durchwachsen. Zwar wuchs das Bruttoinlandsprodukt vergangenes Jahr um 7,3 Prozent und glich damit den Absturz des Vorjahres aus. Der Spitzenwert in Lateinamerika hatte jedoch mit dem hohen Ölpreis und dem Bau einer neuen öl-Pipeline zu tun. Die Inflation betrug im ersten Jahr allerdings 92 Prozent und 2001 immer noch 22 Prozent. Es habe sich um den Ausgleich von Verzerrungen durch Inflation kurz vor dem Abschied vom Sucre gehandelt, sagt der Wirtschaftsexperte Benjamín Ortiz.

Inflation bleibt bei 10 %

Aber auch in diesem Jahr wird noch mit einer Inflation von fast zehn Prozent gerechnet. »Und jeder Prozentpunkt bedeutet Verlust von Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten«, warnt der Gegner der Dollarisierung, der Wirtschaftswissenschaftler Eduardo Valencia von der Katholischen Universität Ecuadors. Die Probleme Ecuadors erinnern an den Zusammenbruch von Unternehmen in der früheren DDR, deren Produkte nach der Einführung der D-Mark nur noch mühsam zu verkaufen waren.

Dollar ist auch eine Last

Vor allem die Textilindustrie, die Landwirtschaft und der Tourismus leiden unter der Last des Dollar. Ausfuhren gerade in die Länder Lateinamerikas sind rückläufig. Hunderttausende Arbeitsplätze sind verloren gegangen. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) leben mittlerweile fast 80 Prozent der Ecuadorianer in Armut.

Öleinnahmen überdominant

Zugleich wird die Abhängigkeit vom Erdöl immer größer. Schon jetzt stammt fast die Hälfte des Staatshaushalts aus den Öleinnahmen. Und die Fertigstellung einer zweiten Öl-Pipeline im kommenden Jahr soll die Ausfuhren verdoppeln. »Das ist, als ob die finanzielle Stabilität eines Staates von einem Lottogewinn abhängen würde«, warnt Valencia.

Auswanderungswelle

Die Handelsbilanz des traditionellen Exportlandes ist mittlerweile mit 1,5 Milliarden Euro in den roten Bereich gerutscht. Sogar typische Souvenirs der Andenregion für Touristen werden aus den billigeren Nachbarländern eingeführt. Dass die Zahlungsbilanz noch ausgeglichen ist, liegt am hohen Ölpreis und an einem ganz anderen »Export«. In den vergangenen Jahren wanderten hunderttausende Ecuadorianer in die USA und nach Europa aus. Sie überweisen nun pro Jahr bis zu zwei Milliarden Euro in die Heimat.

Kein Weg zurück

Auch der frühere Zentralbankchef Velardo Pachano steht der Dollarisierung kritisch gegenüber. Einen Weg zurück sieht er jedoch nicht. »Der einzige Ausweg aus der Dollarisierung ist, sie zu einem Erfolg zu machen«, sagt er. Erst wenn sich der Staat durch eine verantwortliche Haushaltspolitik das Vertrauen der Bürger zurück verdient habe, könne wieder an eine eigene Währung gedacht werden.

Auch hier: Sparen

Sowohl der Favorit für die Stichwahl um das Präsidentenamt am 24. November, der links-nationalistische Putschoberst Lucio Gutiérrez, als auch sein Rivale, der millionenschwere Bananenbaron Alvaro Noboa, wollen am Dollar festhalten. Und beide werden im Falle ihres Wahlsieges nach Pachanos Einschätzung sofort drastisch sparen müssen.

Argentinien als Abschreckung

Das anschaulichste Beispiel für einen ungeordneten Rückzug aus der Dollarisierung sei die Katastrophe Argentiniens, fügt Pachano hinzu. Für alle anderen Länder der Region sind jedoch Argentinien wie Ecuador gleichermaßen abschreckende Beispiele.

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