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Warren Buffett: Der reiche Opa aus Amerika

Der reichste Mann der Welt befindet sich auf "Shopping Tour" durch Europa. Auch Deutschland stattete Warren Buffett, das "Orakel aus Omaha", einen Besuch ab. Wofür er sich interessiert? Für mittelständische, deutsche Firmen. Denn die seien "ganz nach seinem Geschmack".

Von Frank Donovitz

Frankfurt am Main. Um genau 14.33 Uhr betritt er den Raum im Frankfurter Flughafenhotel. Ein 77 Jahre alter Mann, weißes Haar, hohe Stirn, Hornbrille. Es ist der reichste Mann der Welt, der US-Milliardär Warren Buffett, umringt von vier, fünf Leibwächtern. Verschmitzt lächelt er ins Blitzlichtgewitter. "Auf Shopping-Tour" sei er in Europa, auch in Deutschland, bestätigt Buffett bloß das, was seit Bekanntwerden seiner Reisepläne als sicher galt.

Unter Börsianern, zumal in den USA, gilt Warren Buffett als Papst. Schier ewig mit Erfolg gesegnet und zumindest in Fachfragen, sprich beim Beteiligen an Firmen, unfehlbar. Seine Firma nennt sich Berkshire Hathaway. Sie hat 19 Angestellte, hält Beteiligungen im Gegenwert von mehr als 140 Milliarden US-Dollar – rund einem Drittel des deutschen Bundeshaushaltes. Zu Buffetts Imperium gehören unter anderem 13 Prozent von American Express und mehr als acht Prozent von Coca Cola.

Neben Wasser und Kaffee gibt es im Saal ausschließlich Coca Cola – in drei Sorten, von Buffett mindestens dreimal in die TV-Kameras gehalten. Seit 1965 beteiligt sich der Mann aus Omaha im US-Bundesstaat Nebraska an Unternehmen. Der Wert seiner Holding wuchs dabei um durchschnittlich 21 Prozent – pro Jahr, und nach Steuern. Aktien hat er angeblich noch nie verkauft, immer nur gekauft, jährlich von etwa drei Firmen, wie er sagt.

Otto? Oetker? Aldi? Haribo? Warren Buffett hält Ausschau

Buffetts Methode ist extrem exzentrisch. Nicht er sucht nach Firmen, sondern er fordert sie auf, ihn aufzusuchen. Gern per Presse und Hörfunk, nun erstmals auch in Frankfurt. Welche er denn gern hätte? Aus welchen Branchen? Kein Kommentar. Um drei Ecken lässt das "Orakel aus Omaha" (Buffetts Spitzname) dann doch erahnen, warum gerade Deutschland und warum gerade jetzt. "Ich interessiere mich für Familienunternehmen, Mittelständler, die 50 Millionen Euro vor Steuern pro Jahr verdienen." Otto? Oetker? Aldi? Haribo? Keinen Kommentar. Nur so viel: "Am besten kenne ich mich mit Konsumgütern aus. Coca Cola verstehe ich, Wrigley's Kaugummis und so weiter." Und Buffett kauft nur, wenn er das Geschäft versteht, jedenfalls kein "Hula-Hoop-Business".

Nachdem er den angereisten Journalisten aus Spanien, Holland, Dänemark und der Schweiz bestätigt hat, das auch sie schöne Länder haben und tolle Firmen, sagt er: "Deutschland ist ein großes Land, viele Firmen nach meinem Geschmack." Gute Geschäfte, gute Manager, solide Investments. Bekannt machen wolle er sich bei den Deutschen, für den Fall, dass einer seinen Laden mal verkaufen möchte. Sei es, weil sich kein Erbe findet oder "weil man weder an die Börse will noch an einen Konkurrenten oder Finanzinvestor verkaufen will, von dem man nicht weiß, was er kurze Zeit später mit der Firma macht". Unerwähnt lässt Buffett, dass angloamerikanische Finanzinvestoren seit einigen Monaten ziemlich (kredit-)klamm sind. Das Geschäft dominieren derzeit Russen, Araber und Asiaten. Wie gut, so könnte sich Buffett auch verstanden wissen wollen, dass es zu diesen Investoren eine Alternative aus Omaha gibt, die in nächster Zeit mehr als sechs Milliarden US-Dollar loswerden will. "Wenn wir kaufen, dann für immer", lockt der reiche Mann aus Amerika. Irgendwelche Konjunkturdaten oder Währungsturbulenzen seien dabei zweitrangig bis egal. Gute Firma, guter Preis = guter Kauf.

"Ich dränge niemanden zum Verkauf, ich möchte nur der Erste sein"

Nicht unerwähnt lässt der alte Herr die seiner Ansicht nach weiterhin eher maue Aussicht für US-Wirtschaft und US-Dollar in Folge der Kreditkrise. "Aber", besänftigt er, "wir haben in den letzten 100 Jahren einiges durch, ein paar Weltkriege, Börsen-Crashs und so weiter." Ob er sich vorstellen könne, dass Berkshire Hathaway jemals mehr als die Hälfte des Kapitals außerhalb der USA investiere? "In 30, 40 Jahren vielleicht." Das meint er ernst.

Nach genau 57 Minuten inklusive Bekenntnis zu "Barack", wie Buffett den demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber Obama fast liebevoll nennt, ist die Audienz beendet. "Ich dränge niemanden zum Verkauf, ich möchte nur der Erste auf seinem Radar sein. Ich habe Telefon. Und E-Mail." Da lacht der 77-Jährige.