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Hilfe von Ex-Mossad-Agenten Warum Lidl sich eine israelische Geheimdiensttruppe kauft

Lidl setzt nach Cyberangriffen auf andere Handelsketten auf mehr Sicherheit
Lidl setzt nach Cyberangriffen auf andere Handelsketten auf mehr Sicherheit
© Beata Zawrzel / Picture Alliance
Lidl und Kaufland rüsten im Kampf gegen Hacker auf. Die Schwarz-Gruppe kauft für Hunderte Millionen Euro die IT-Sicherheitsfirma eines ehemaligen Mossad-Chefs. Zuletzt hat es einige spektakuläre Cyberangriffe auf Handelsketten gegeben.

Hackerangriffe sind für Unternehmen ein zunehmendes Problem. Nicht nur, dass die Zahl der Cyberattacken hierzulande zuletzt deutlich gestiegen ist. Die Angreifer verlangen auch immer häufiger hohe Lösegelder, wie eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen kürzlich zeigte.

Die Lebensmittelhändler Lidl und Kaufland rüsten im Kampf gegen diese Bedrohung nun mächtig auf. Die Schwarz-Gruppe, zu der die beiden Handelsketten gehören, übernimmt für viel Geld das israelische IT-Sicherheitsunternehmen XM Cyber. Der Kaufpreis soll laut Handelsblatt bei 700 Millionen Dollar (620 Millionen Euro) liegen. Die Lebensmittelzeitung spricht von einem etwas geringeren Preis, da Schwarz nicht alle Anteile der Israelis übernimmt, sondern sich lediglich die Mehrheit sichert. Schwarz selbst nannte keine Zahlen. 

Israelischer Geheimdiensthintergrund

Die Sicherheitsfirma XM Cyber ist gerade mal fünf Jahre alt, wird aber von prominenten Köpfen geleitet. Die Chefs sind vormals hochrangige Mitglieder des israelischen Auslandgeheimdienstes Mossad. Mitgründer Tamir Pardo führte den Geheimdienst zwischen 2010 und 2015 gar als Direktor. Nun sollen die Ex-Mossad-Agenten also Lidl und Kaufland beschützen.

"Das XM Cyber-Team mit tiefem technischem Verständnis und Innovationsstärke ergänzt unser Portfolio für IT-Sicherheit optimal", sagt Christian Müller, Vorstandsvorsitzender der Schwarz IT in einer Mitteilung. "Der Ansatz, aus Angreifer-Sicht Wege ins Unternehmen zu finden und zu schließen, ist ein zukunftsweisender, zusätzlicher Baustein, mit dem wir unsere Kunden, Partner und uns als Unternehmen schützen." Das Unternehmen aus Neckarsulm verweist in diesem Zusammenhang auch auf die wachsende Bedeutung seiner digitalen Geschäftsmodelle wie Online-Shopping und Treueprogramme. 

Die israelische Neuerwerbung ist darauf spezialisiert, nach Lücken in IT-Systemen zu suchen und simuliert zu diesem Zweck permanent selber Cyberangriffe. XM Cyber werde seine Dienste auch weiterhin unabhängig anderen Kunden weltweit zur Verfügung stellen, betonte die Schwarz-Gruppe in einer Pressemeldung.

Schwere Hackerangriffe häufen sich

Große Handelsketten sind zuletzt wiederholt Opfer von Hackerattacken geworden. Anfang November hatte etwa der Elektronikhändler Media Markt-Saturn mit einem beispiellosen Cyberangriff zu kämpfen. Die Angreifer kaperten die IT-Systeme, froren massenweise Daten ein und verlangten 50 Millionen Dollar Lösegeld. Einige Kundenservices waren tagelang lahmgelegt.

Die Supermarktkette Coop musste im Juli gar zeitweise alle 800 Läden in Schweden schließen, weil Hacker die Kassensysteme blockierten. Und auch die Supermarktkette Tegut war im Frühjahr von einem Cyberangriff betroffen. Erst musste Tegut seine IT-Netzwerke abschalten, weshalb einige Waren in den Läden vorübergehend nicht verfügbar waren. Dann veröffentlichten die Angreifer auch noch sensible Daten im Darknet, um ein Lösegeld zu erpressen.

Quellen: Schwarz-Gruppe / XM Cyber / Handelsblatt / Lebensmittelzeitung / Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen


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