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Zwischen 5,5 und 19 Prozent: Ein Tannenbaum, vier Steuersätze: So verrückt ist das deutsche Steuersystem

Ein Weihnachtsbaum ist ein Weihnachtsbaum, könnte man meinen. Nicht so aus Sicht des Finanzamts. Denn das kennt höchst unterschiedliche Arten, den Baum zu besteuern - je nachdem wie der Gute gelebt hat und wer ihn verkauft.

Wer denkt beim Weihnachtsbaum-Kauf schon an die Mehrwertsteuer?

Wer denkt beim Weihnachtsbaum-Kauf schon an die Mehrwertsteuer?

Aus Sicht des Verbrauchers ist der Weihnachtsbaum ein einfaches Produkt. Er besteht aus einem Stamm und ziemlich vielen Nadeln. Vor dem Kauf muss man keine Vergleichstests lesen und keine Amazon-Rezensionen durchstöbern. Man muss nur wissen, wie hoch die eigene Zimmerdecke ist und ob man seine Geschenke lieber unter eine Tanne oder eine Fichte legen will.

Aus Sicht des Finanzamts ist der Weihnachtsbaum dagegen ein ziemlich komplexes Produkt. An jedem verkauften Baum verdient der Fiskus über die Mehrwertsteuer mit, wie das in Deutschland eben so üblich ist. Doch während die meisten Produkte einen bestimmten Steuersatz haben, gibt es für Weihnachtsbäume gleich vier verschiedene. Denn: Wieviel das Finanzamt an Mehrwertsteuer abzwackt, hängt unter anderem davon ab, wer den Baum verkauft und wie er aufgewachsen ist, wie diese Grafik von Steuerberater Jochen Höfliger anschaulich zeigt. 

Künstlich, wild gewachsen oder gezüchtet?

Fangen wir mit dem einfachsten Fall an: Sie stehen nicht so auf Harz und Nadeln und entscheiden sich für einen künstlichen Baum aus Plastik. Für so wenig Romantik berechnet der Fiskus verdientermaßen den vollen Umsatzsteuersatz - 19 Prozent.

Geringere Steuersätze gelten für den artgerecht aufgewachsenen Baum. Wer die Naturtanne bei einem Gewerbetreibenden kauft, zum Beispiel beim Baumarkt, zahlt nur 7 Prozent Umsatzsteuer, den allgemein für Pflanzen gültigen ermäßigten Steuersatz. Nochmal anders sieht es aus, wenn man den Baum direkt von einem Landwirt kauft. Denn Landwirte haben wiederum die Möglichkeit, für ihre Geschäfte einen pauschalen Steuersatz abzurechnen. Aus Gründen der Vereinfachung.

Und einfach geht im deutschen Steuerrecht so: Hat der Landwirt den Baum irgendwie im Wald geschlagen, wo er wild und frei aufgewachsen ist, zahlt der den pauschalen Satz von 5,5 Prozent. Hat er den Baum dagegen in einer Großkultur gezüchtet, beträgt der Steuersatz 10,7 Prozent.

Ratgeber: So finden Sie den richtigen Weihnachtsbaum


Sonderregeln für Nato-Soldaten

Der Landwirt kann unter Umständen auch auf die Pauschalisierung verzichten, dann zahlt er die normalen 7 Prozent. Und wenn er weniger als 140 Bäume im Jahr verkauft oder einen Umsatz von weniger als 17.500 Euro erzielt, kann er sich von der Mehrwertsteuer sogar komplett befreien lassen.

Wem das immer noch zu einfach ist, der kann sich noch die Sonderregelungen für gebrauchte Weihnachtsbäume, für Weihnachtsbaumverkäufe ins Ausland oder für Nato-Soldaten (zahlen keine Mehrwertsteuer) ansehen. Oder man kauft einfach einen schönen Weihnachtsbaum um die Ecke, zahlt bar - und überlässt den Händler seinem persönlichen Kampf mit der Steuererklärung.

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