WELTGIPFEL Ein gewaltiger Plan für die Weltwirtschaft


Das Ziel ist gewaltig: Die größte UN-Konferenz der Geschichte will der Menschheit helfen, grundlegenden Probleme zu lösen und die Erde besser zu bewirtschaften.

Die Vereinbarungen auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg (26. August bis 4. September) sollen Armut und Wassermangel bekämpfen, den Welthandel fairer gestalten und die Natur schützen. Dazu müssen allerdings die Reichen ihre Konsumgewohnheiten ändern.

Schnelles Umdenken

Weltweit haben rund 1,2 Milliarden Menschen weniger als einen Dollar pro Tag zum Leben, rund 5 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an verseuchtem Wasser oder verschmutzter Luft. Ein Viertel aller Fischfanggebiete ist überfischt und seit dem Erdgipfel in Rio 1992 ist eine Waldfläche vernichtet worden, die so groß ist wie Deustchland, Frankreich und die Schweiz zusammen. Dramatische Zahlen, die zeigen, wie nötig Lösungen sind, die die Belange von Mensch, Umwelt und Wirtschaft zugleich berücksichtigen.

Forderungen prallen aufeinander

In Johannesburg prallen die unterschiedlichsten Forderungen aufeinander: Die EU möchte vor allem konkrete Ziele zur Förderung alternativer Energien durchsetzen und weltweit mehr Menschen zu sauberem Trinkwasser verhelfen. Die ärmeren Länder verlangen einen gerechteren Welthandel, damit sich ihre Wirtschaft besser entfalten kann. Und eine Ländergruppe um die USA will sich auf keinerlei konkrete Verpflichtungen festlegen lassen.

»Unüberlegte Entwicklungsmodelle«

Angesichts der dramatischen Situation der Erde und der Menschheit mahnte der Generalsekretär des Weltgipfels, Nitin Desai: »Wenn wir nichts unternehmen, um unsere momentanen, unüberlegten Entwicklungsmodelle zu ändern, setzen wir die langfristige Sicherheit der Erde und ihrer Bewohner aufs Spiel.«

Erfolgsdruck für die EU

Der Erfolgsdruck für die EU ist durch die aktuelle Flutkatastrophe noch gewachsen. Von ihrem Einsatz für alternative Energien könnte zudem vor allem die Wirtschaft profitieren. Europäische Unternehmen belegen unter den Solarzellenherstellern Spitzenplätze. Die Produzenten von deutschen Windkraftanlagen haben das Meer als Standort im Blick und den Export vor allem in Industrieländer. Dieser könnte durch starke Vereinbarungen für erneuerbare Energien Aufwind bekommen.

Weiterer Schuldenerlass

Teure Windräder können sich die Entwicklungsländer nicht leisten. Sie möchten überhaupt erst mal den Lebensstandard von zwei Milliarden Menschen weltweit erhöhen, die bislang keine sichere Energieversorgung haben und oft gezwungen sind, Feuerholz zu schlagen. Die in der Gruppe G77 zusammengeschlossenen Staaten fordern vor allem einen weiteren Schuldenerlass sowie den Abbau von Schutzzöllen und Agrarsubventionen in den reichen Ländern. So muss Baumwolle aus Entwicklungsländern auf dem Weltmarkt mit dem subventionierten Produkt aus den USA, Griechenland oder Spanien konkurrieren.

Übel: westliche Agrarsubventionen

Mit 350 Milliarden Dollar (350 Mrd. Euro) pro Jahr unterstützen die reichen Länder laut Weltbank derzeit ihre Bauern und Agrarfabriken. Das ist rund sieben mal so viel wie sie für Entwicklungshilfe ausgeben. Die EU und die USA haben auf der Entwicklungskonferenz im März im mexikanischen Monterrey zugesagt, ihre Entwicklungshilfe bis 2006 um zusammen jährlich 12 Milliarden Dollar deutlich zu erhöhen. Das wären weltweit gesehen rund 20 Prozent mehr als die armen Staaten bislang bekommen.

Verdoppelung der Entwicklungshilfe

Nach den Worten von UN-Generalsekretär Kofi Annan ist jedoch fast eine Verdopplung der Entwicklungshilfe nötig, wenn man die von den Staats- und Regierungschefs in der Millenniums-Erklärungen versprochenen Ziele einhalten möchte: Sie hatten im Jahr 2000 unter anderem vereinbart, die Zahl der 800.000 Hungernden bis 2015 zu halbieren, ebenso die Zahl derer ohne gesicherten Zugang zu sauberem Wasser.

USA scheuen konkrete Verhandlungen

Während sich EU und Entwicklungsländer im Vorfeld der Konferenz in ihren Verhandlungspositionen schon näher gekommen sind, möchten sich die USA, Japan, Kanada und Australien auf keine konkreten Verpflichtungen festlegen lassen. Schon auf dem Erdgipfel von Rio 1992 wurde die harte Haltung der USA kritisiert, damals noch unter der Regierung von Georg Bush, dem Vater des derzeitigen US- Präsidenten. Während der Amtszeit von Bill Clinton scheiterte die Klimakonferenz in Den Haag, vor allem, weil ein Staatenbündnis um die USA den Ausstoß ihrer Treibhausgase nicht reduzieren wollte.

Scheitern nicht vorgesehen

Nach Ansicht von Klaus Töpfer, dem Chef des UN-Umweltprogramms (UNEP), geht es jetzt darum, die Beschlüsse vorangegangener Weltkonferenzen umzusetzen und so den Erfolg des Gipfels zu sichern. »Wir haben die Pflicht und Schuldigkeit, die Konferenz in Johannesburg nicht scheitern zu lassen.« Daran werden sich die mehr als 100 Staats- und Regierungschefs, die nach Johannesburg kommen wollen, messen lassen müssen.


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