Sorge vor Annexion Europa unterstützt Grönland gegen Drohungen von Donald Trump

Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen bei einer Rede im europäischen Parlament in Straßburg
Grönlands Ministerpräsident Jens Frederik Nielsen bei einer Rede im europäischen Parlament in Straßburg
© Pascal Bastien / AP / DPA
Donald Trump meint, Grönland müsse aus Sicherheitsgründen den USA angehören. Die Grönländer weisen das vehement zurück und werden dafür von den europäischen Partnern unterstützt.

Es ist fast ein Jahr her, dass US-Präsident Donald Trump wirtschaftliches und politisches Interesse an dem rohstoffreichen Grönland bekundet hat. Nach der US-Militäroperation in Venezuela, bei dem Präsident Nicolás Maduro festgenommen wurde, legt der Republikaner wieder los.

"Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, und Dänemark wird nicht dazu in der Lage sein", sagte Trump am Sonntag an Bord seiner Präsidentenmaschine Air Force One. "Wir werden uns in rund zwei Monaten um Grönland kümmern", erklärte er weiter und fügte hinzu: "Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen."

Auf die Frage des Magazins "The Atlantic", inwiefern welche Folgen der US-Angriff auf Venezuela für Grönland haben konnte, reagierte Trump zurückhaltend. "Das werden Sie sich selbst ansehen müssen. Ich weiß es wirklich nicht", sagte Trump und fügte hinzu: "Aber wir brauchen Grönland, unbedingt. Wir brauchen es zur Verteidigung."

Grönland und Dänemark kritisieren Trump scharf

Grönland gehört zum Königreich Dänemark, ist aber weitgehend autonom. Regierungschef Jens Frederik Nielsen wies Trumps Aussage umgehend zurück. "Das reicht jetzt", erklärte Nielsen in der Nacht zum Montag im Onlinedienst Facebook. "Kein weiterer Druck. Keine weiteren Andeutungen. Keine weiteren Annexions-Fantasien. Wir sind offen für Dialog. Wir sind offen für Diskussionen", schrieb der grönländische Regierungschef. Dies müsse aber "über die angemessenen Kanäle und unter Achtung des Völkerrechts geschehen", betonte er.

Auch die Europäer reagieren kritisch auf Trumps Äußerungen. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen kritisierte dessen Drohungen und forderte den US-Präsidenten auf, diese zu unterlassen. Sie verwies darauf, dass Dänemark, "und damit auch Grönland", ein Nato-Mitglied sei und somit durch Sicherheitsgarantien des Bündnisses geschützt.

Für Empörung sorgte auch die Frau eines der wichtigsten Berater Trumps, die ein Bild der Insel in den Farben der US-Flagge auf der Plattform X postete. Katie Miller, Ehefrau von Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller, postete am Samstag auf ihrem Konto im Onlinedienst X ein Bild, das eine Karte von Grönland in den Farben der US-Flagge zeigt. Darüber stand in Großbuchstaben "Bald".

Grönland in US-Farben: Dieses Bild verbreitete Katie Miller, Frau von Trump-Berater Stephen Miller, auf X
Grönland in US-Farben: Dieses Bild verbreitete Katie Miller, Frau von Trump-Berater Stephen Miller, auf X

Europäer positionieren sich gegen die USA

Auch die europäischen Partner stellen sich gegen Donald Trump. Die EU betont nach dessen Aussagen die "Grundsätze der nationalen Souveränität, der territorialen Integrität". "Wir erwarten von all unseren Partnern, die Souveränität und territoriale Integrität zu respektieren", sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Montag in Brüssel. Die EU werde diese "universellen" Grundsätze verteidigen, "umso mehr, wenn die territoriale Integrität eines Mitgliedstaats der Europäischen Union infrage gestellt wird", fügte sie hinzu.

Die britische Regierung steht nach der erneuten Drohung von US-Präsident Donald Trump zu einer Annektierung Grönlands zum europäischen Verbündeten Dänemark. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen habe damit recht, Trump jeglichen Anspruch auf das Gebiet zu verweigern, sagte Premierminister Keir Starmer der Nachrichtenagentur PA zufolge. Über die Zukunft Grönlands würden Grönland und Dänemark entscheiden, "und nur Grönland und Dänemark", sagte Starmer.

Ähnlich äußert sich die Bundesregierung: "Grenzen dürfen nicht mit Gewalt verschoben werden" und "Gebiete dürfen nicht zwangsweise annektiert werden", sagte Vizeregierungssprecher Sebastian Hille am Montag in Berlin. "Es gilt das Völkerrecht", stellte er klar. Weiter sagte Hille, die Bundesregierung sei in diesen Fragen in engem Gespräch mit Dänemark und den anderen europäischen Partnern, "die unsere Sicht teilen". Der Regierungssprecher fügte hinzu: "Wir sind in unserer Kommunikation mit den USA in dieser Hinsicht klar."

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) schloss einen Besuch in Grönland nicht aus: "Das ist durchaus möglich, dass ich demnächst mal in Grönland bin", antwortete er in einem Interview mit dem Deutschlandfunk auf eine entsprechende Frage. "Unsere Position ist völlig klar, die Färöer, Grönland gehören zum Königreich Dänemark", sagte Wadephul weiter. "Das ist unbestritten", fügte er ungeachtet der US-Ansprüche hinzu.

Wadephul sagte allerdings auch, Trump habe mit Blick auf Grönland "richtigerweise darauf hingewiesen", dass es ein verstärktes chinesisches und russisches Interesse an der Region gebe. "Das berührt unsere Sicherheitsinteressen", hob er hervor, und es ergebe Sinn, "die Sicherheitslage in der Arktis gemeinsam mit den USA zu besprechen". Dazu sei auch Dänemark sicherlich bereit. "Aber das lässt Fragen der territorialen Integrität Grönlands völlig unberührt", betonte Wadephul.

DPA · AFP
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