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Weltwirtschaftsforum: Wo's in Davos schön ist

Beim jetzt beginnenden Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos werden die großen Themen der Gegenwart diskutiert. Aber was ist egentlich abseits des Gipfels los? Hier ein paar Tipps für alle, die zwischendurch mal nicht die Welt, sondern nur sich selbst retten wollen.

Von Uta Harnischfeger

Gemeinsam sind wir stark - diesen Geist wollen die Veranstalter des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos versprühen. Sechs Tage lang herrscht im gut bewachten Schweizer Nobel-Skiort Davos der Ausnahmezustand. Den manchmal etwas spröden Gipfelthemen im Tagungszentrum geben praktische Übungen draußen etwas Würze.

Jeden Tag gibt es etwas zu tun: Wie man zum Thema "wirtschaftliche Talfahrt" eigene Erfahrungen mit dem Schlitten gewinnen kann, gehört genauso dazu, wie tagsüber der Genuss regionaler Köstlichkeiten, bevor am Abend zum Thema "Food, Culture and Civilisation" diskutiert wird. Auch geistige Nahrung kommt nicht zu kurz. Für die Teilnehmer des Forums steht "The wisdom of storytelling" auf dem Kulturprogramm. Paulo Coelho wird dazu vortragen. Coelho und Davos? Zu einer gelungenen Vorbereitung gehört da wohl eher Thomas Manns "Der Zauberberg".

So geht es munter durch die Gipfeltage. Wie schön, dass das offizielle Programm des letzten Tages bereits mittags beendet sein wird. So locken die verschneiten Pisten zur letzten Genuss-Skifahrt. Beim entspannten Schwingen kann man das Weltwirtschaftsforum wunderbar Revue passieren lassen. Hals und Beinbruch!

Dienstag: Eine "Stange" mit den Skilehrern

Gehen Sie bloß nicht zur offiziellen Begrüßung für Neuankömmlinge beim World Economic Forum (WEF)! Sie würden sich nur als WEF-Frischling outen. Demonstrieren Sie lieber Ortskundigkeit, und gehen Sie in der Montana Bar mit den Skilehrern einen trinken. Vielleicht haben Sie ja Glück und kennen einen Skilehrer mit Vornamen. Dann macht sich die Privatstunde vom verganenen Jahr bezahlt, denn so etwas beeindruckt Chef und Kollegen gleichermaßen. Die historische Jugendstilbar, die renoviert wurde, ist seit einigen Jahren wieder angesagt. Begrüßen Sie den Barkeeper auf kumpelhafte Schweizer Art mit "Hoi", und bestellen Sie bitte kein "Bier" - das heißt hier "Stange". Wer danach noch tanzen will, geht in den Club Cava Davos.

Mittwoch: Thomas-Mann-Lektüre

Hüllen Sie sich 300 Meter oberhalb von Davos in eine Decke. Lesen Sie auf der Sonnenterrasse des historischen Jugendstilhotels Schatzalp Thomas Manns Roman "Der Zauberberg". 1912 besuchte der Autor hier mehrmals seine Frau im Lungensanatorium. Leider fehlt seinem Stück Weltliteratur die "Executive Summary", sprich die Zusammenfassung. Thomas Mann dachte in den 20er Jahren noch nicht an viel beschäftigte Manager. Für die Eiligen empfehlen wir deshalb das Kapitel "Schnee", das als Höhepunkt des Romans gilt. Passend dazu geht es am Abend beim WEF weiter mit "The Wisdom of Storytelling", wo etwa Paulo Coelho vorträgt. Bei der anschließenden Fragerunde könnten Sie dann sogar den berühmten Autor mit einem Zitat aus Manns Meisterwerk beeindrucken.

Donnerstag: Laufen und laben

Um Ihre Work-Life-Balance ausgeglichen zu halten, leihen Sie ein Paar Langlaufskier aus, und machen Sie sich damit auf den Weg Richtung Frauenkirch, immer entlang dem hübschen Bächlein Langwasser. Nach sieben Kilometern finden Sie ein altes Walserhaus aus dem 17. Jahrhundert. Hier können Sie sich in der holzgetäfelten Gaststube an lokalen Spezialitäten laben: Bündner Gerstensuppe, Krautwickel namens Capuns oder einfach klassische "Röschti". Wenn Sie Glück haben, laufen Sie einem guten Kunden über den Weg – und beeindrucken ihn mit Ihrem sportlichen Schnee-Outfit. Abends können Sie dann mitreden, wenn es beim WEF um das Thema "Food, Culture and Civilization" geht. Aber bitte vergessen Sie nicht, vorher den Skianzug gegen die Abendgarderobe zu tauschen.

Freitag: Eine Talfahrt bei Vollmond

Beginnen Sie den Tag mit dem Workshop "Should We Fear Slowdowns?". Es geht um die Selbstkorrektur des Marktes und die Frage, wann echte Entscheider bei einem lang anhaltenden Aktienverfall eigentlich eingreifen sollen. Nach der theoretischen Pflicht wartet am Abend die praktische Kür: Auf dem Schlitten können Sie eine Talfahrt - wenn auch keine wirtschaftliche - am eigenen Leib erleben. Fahren Sie dazu mit der Madrisa-Bergbahn hoch auf die Saaseralp. Hier können Sie sich bei einem Käsefondue und Glühwein stärken und anschließend mit einem Schlitten hochgradig romantisch auf der beleuchteten Strecke hinunter ins Dorf rauschen.

Samstag: Kultur und Karaoke

Heute stehen Kunst und Kultur auf dem Programm. Im Kirchner Museum Davos bekommen Sie einen Eindruck vom Schaffen des deutschen Expressionisten, der nach einem Sanatoriumsbesuch 1917 bis zu seinem Tode 1938 in Davos lebte. Danach steht beim WEF "Virtual Worlds - Fiction or Reality?" auf dem Programm, wo am Beispiel von "Second Life" über virtuelle Welten und ihren Einfluss auf die Realität diskutiert wird. Real statt virtuell geht es auch beim abendlichen Kontrastprogramm in der Pianobar des Hotels Europa weiter. Seit Jahren ist dies der heimliche (und peinliche) Treffpunkt der WEF-Größen. Hier geht die politische und wirtschaftliche Prominenz spontan auf die Bühne, um Popschnulzen beim Karaokesingen zum Besten zu geben.

Sonntag: Bars und Alpen

Nach der Abschlussveranstaltung mit der gesamten Wirtschaftselite am Vormittag, spätestens aber nach einem Abstecher zum letzten offiziellen Get-together auf der Schatzalp am Mittag, lassen Sie am besten die vergangenen Tage noch mal auf der Piste Revue passieren. Davos bietet gleich fünf Skigebiete. Schneebars gibt es zum Glück auch viele. Wir empfehlen die Nülli Schneebar auf dem Rinerhorn oder die Totalp im Skigebiet Parsenn. Bei gegrilltem Cervelat, der bedrohten Schweizer Nationalwurst (ein neues Gesetz will den Import von Rinderdärmen verbieten) oder heißer "Schoggi" kann man die Blicke und Gedanken schweifen lassen. Vielleicht haben ja Henry Kissinger, Tony Blair oder Pepsi-Chefin Indra Nooyi dieselbe Idee.

FTD