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Wer hat's erfunden?: Das Heftpflaster

Knie aufgeschrammt, in den Finger geschnitten oder bei der Gartenarbeit gestochen? Dann einfach desinfizieren, ein Pflaster drauf, fertig! Was kaum jemand weiß: Die Wiege dieser Erfindung steht in Hamburg - und der Hersteller feiert 125. Geburtstag.

Die Wiege des Heftpflasters steht an der Elbe - doch genauso gut, hätte es auch Brandenburg sein können. Hätte. Denn im Jahr 1880 ließ sich der brandenburgische Apotheker Paul C. Beiersdorf in Hamburg nieder. Nach langwierigen Tüfteleien entwickelte er einen mit Salbe bestrichenen Wundverband - die erste Möglichkeit, Wirkstoffe dauerhaft auf die Haut zu bringen. Am 8. November 1882 beantragte der findige Apotheker das Patent zur "Herstellung von gestrichenen Pflastern". Am 28. März 1882 wurde schließlich die Patenturkunde für dieses medizinische Pflaster ausgestellt. Gleichzeitig gilt dieser Termin als Gründungstag der Beiersdorf AG, die heute mit Marken wie tesa, Hansaplast, Labello, Eucerin und vor allem Nivea weltweit erfolgreich ist.

Beiersdorf übernahm eine Apotheke in der Mühlenstraße und bot den Hamburger Ärzten zusätzlich Labordienste an. Gemeinsam mit dem Dermatologen Paul Gerson Unna entwickelte Beiersdorf in kurzer Zeit ein Verfahren zur Herstellung von medizinischen Pflastern und meldete es vor 125 Jahren zum Patent an. Damit Begann der Siegeszug des Heftpalsters: Durch den ersten Wundschnellverband der Welt konnten Patienten fortan kleine Hautverletzungen selbst behandeln – ohne ärztliche Hilfe. Und noch immer trägt die Beiersdorf AG den Namen des Apothekers aus Hamburg. Ein Versuch aus den siebziger Jahren, den Namen durch das Kürzel BDF zu ersetzen, verlief im Sande.

Wie ein roter Faden zieht sich seitdem das Zusammentreffen von passionierten Tüftlern mit findigen Geschäftsmännern durch die Geschichte. "Beiersdorf selber hatte kein Händchen fürs Geschäft", erzählt Unternehmenshistoriker Thorsten Finke. Die Erfolgsgeschichte begann erst 1890, als der Apotheker und Geschäftsmann Oscar Troplowitz das Unternehmen übernahm. Er setzte früh auf Werbung und internationalen Absatz: Bereits 1893 wurden Handelsbeziehungen nach New York aufgebaut, um 1914 gab es Vertreter in China.

Mit Nivea und Labello zum Erfolg

Zu den Produkten der ersten Stunde zählt das 1900 zum Patent angemeldete und aus dem Wollfett von Schafen gewonnene Eucerit. "Das schöne Wachs" ist die Grundlage von Eucerin und Nivea-Creme. 1909 gelang Beiersdorf der Durchbruch in der Lippenpflege. Der erste Stift in der Schiebehülse kam unter dem Namen Labello auf den Markt, abgeleitet von den lateinischen Wörtern für Lippe und schön - labeo und bello.

Das derzeit beliebteste Hautpflegeprodukt der Europäer wurde 1911 geboren: Nivea. Auch die erste stabile Hautcreme auf Basis einer Wasser-in-Öl-Emulsion erhielt ihren Namen aus dem Lateinischen - abgeleitet von dem Wort für Schnee "nix, nivis". Nach einigen Jahren in einer gelb-grünen Dose mit Jugendstilornamenten bekam Nivea bereits Mitte der 20er-Jahre das bis heute charakteristische blau-weiße Design.

Kein Haushalt ohne Pflaster

Seit 1922 produzierte Beiersdorf etwa 16 Milliarden Meter Hansaplast-Pflaster. Damit ließe sich die Weltkugel rund 400 Mal umspannen. Doch Hansaplast bietet mehr als nur Pflaster: Das Sortiment umfasst heute auch Produkte zur Narbentherapie, zur Vorbeugung und Behandlung von Insektenstichen sowie Ohrenstöpsel gegen Lärm und Gelenkbandagen. Der Bekanntheitsgrad von Hansaplast liegt hierzulande bei mehr als 90 Prozent.

Mittlerweile gehört es in jeden Sanitätskasten und fehlt in keinem Haushalt - durchschnittlich 50 Zentimeter davon verbraucht jeder Bundesbürger pro Jahr. Der nützliche Helfer für die kleinen Verletzungen im Alltag ist längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Dem Apotheker Paul Beiersdorf sei Dank.

Karin Spitra mit AP
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