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Whitacre bleibt GM-Chef: "Big Ed" kann's nicht lassen

Die Interims-Lösung wird zum Dauerzustand: General-Motors-Chef Ed Whitacre bleibt an der Spitze des US-Autobauers. Der 68-Jährige war zunächst nur eine Übergangslösung. Doch jetzt hat der Manager, der nach eigenen Worten von Autos "keine Ahnung" hat, offenbar Blut geleckt.

Ed Whitacre hat gerne die Fäden in der Hand. Vor eineinhalb Monaten riss der Chefkontrolleur des krisengeschüttelten US-Autobauers General Motors den Posten des Konzernchefs an sich. Eigentlich nur für eine Übergangszeit, wie es damals hieß. "Bis ein endgültiger Kandidat gefunden ist." Der endgültige Kandidat ist nun niemand anders als Whitacre selbst. "Die Suche nach einem Konzernchef endet vorerst", verkündete er am Montag in Detroit. "Ich mache es für eine Weile."

"Big Ed", wie der fast zwei Meter große Manager genannt wird, kann sich einfach nicht damit begnügen, die Arbeit der anderen nur zu beaufsichtigen. Er will selbst ran. Erste Erfolge geben ihm Recht: Unter seiner Ägide stabilisierte sich der eingebrochene Autoverkauf, für die Problemtöchter Opel und Saab zeichnen sich Lösungen ab und auch die rasche Rückkehr von GM in die schwarzen Zahlen scheint möglich.

Dabei hat der 68-Jährige mit Autos eigentlich gar nichts am Hut, wie er bei seinem Einstieg bei GM offen gestand: "Von Autos habe ich keine Ahnung." Whitacre kommt aus der Telekombranche. Er baute den relativ kleinen Anbieter SBC durch eine Kette von Übernahmen zu einem Branchenriesen aus. Als Krönung kaufte er vor fünf Jahren den einst zerschlagenen Telefonmonopolisten AT&T auf und übernahm den traditionsreichen Namen kurzerhand für sein Unternehmen.

2007 zog sich Whitacre bei AT&T zurück. Mitte vergangenen Jahres ereilte ihn dann der Ruf aus dem Weißen Haus: Er sollte den insolventen GM-Konzern bei dem Neustart überwachen. Whitacre, der Machtmensch, griff zu und wurde Chef des Verwaltungsrats. 50 Milliarden Dollar Staatshilfe im Kreuz, päppelten er und das GM-Management den maroden Autobauer wieder auf.

Die Rolle als stiller Kontrolleur war ihm zu wenig

Doch Whitacre wollte sich mit der Rolle als stiller Kontrolleur nicht zufriedengeben, er wollte selbst bestimmen. Am Ende überwarfen sich Konzernchef Fritz Henderson und Whitacre im Streit um die Zukunft von Opel: Henderson wollte die deutsche Tochter verkaufen, Whitacre sie behalten. "Big Ed" siegte, Henderson musste gehen.

Whitacres harte Hand, die er beim Schlangentöten auf seiner texanischen Ranch trainiert, bekamen noch andere zu spüren. Der Hüne krempelte rigoros das Management um. Zu seinen Opfern zählt der deutsche Opel-Chef Hans Demant. Ihn löste Whitacre durch den Briten Nick Reilly ab. Als Konzernchef kommt für Whitacre im Moment jedoch nur einer in Frage: Er selbst. "Dies ist ein außerordentliches Unternehmen mit einer hervorragenden Zukunftsperspektive - und ich möchte ein Teil davon sein."

DPA / DPA