HOME

WINZER: Frankreich fürchtet Barbaren vor den Toren

Weine aus Übersee machen den Europäern erfolgreich Konkurrenz. Während die Produktion der französischen Winzer stagniert, legten ihre Kollegen in den USA rund ein Drittel zu.

Den erfolgsverwöhnten Winzern in Frankreich macht die Konkurrenz aus Übersee zu schaffen. »Die Barbaren stehen vor unseren Toren«, schlägt eine Studie für das Pariser Landwirtschaftsministerium Alarm. Weine aus Australien, Neuseeland, Südamerika, USA und Südafrika haben binnen zwei Jahrzehnten fast aus dem Nichts einen Weltmarktanteil von 20 Prozent erobert.

Weinflut aus der Neuen Welt

»Wird die Flut der Weine aus der Neuen Welt die Weinindustrie des alten Kontinents versenken?«, fragt der Autor der Untersuchung, Jacques Berthomeau, besorgt. Denis Verdier, Präsident der französischen Weingenossenschaften, verweist auf die unterschiedlichen Produktionskulturen. Während in Frankreich Familienbetriebe dominierten, bei denen das Wissen von Vater zum Sohn weitergeben werde, gebe es in der Neuen Welt häufig industriell geführte Großbetriebe.

Noch halten Frankreich, Italien und Spanien 60 Prozent des Weltmarkts. Doch ein deutliches Warnsignal kommt aus Großbritannien, wo die australischen Weine inzwischen beliebter sind als die französischen Tropfen. Auch in Deutschland sank deren Marktanteil von 1998 bis 2000 von 27 auf 24 Prozent. Besonders die preiswerten Tafelweine aus dem Süden Frankreichs haben unter der Konkurrenz zu leiden.

Europäer lernen das Fürchten

Während die Produktion der französischen Winzer stagniert, legten ihre Kollegen in den USA in den 90er Jahren um rund ein Drittel zu. Die Produktion in Australien stieg allein zwischen 1995 und 1999 um 70 Prozent. Mit cleverem Marketing, Qualitätsverbessserungen und niedrigen Preisen lehrten die Newcomer die Europäer das Fürchten.

»Vielleicht haben wir in der Vergangenheit nicht genug auf den Markt geachtet«, übt sich Francois Malaterre, Chef des französischen Handels- und Vertriebsverbands FCD, in Selbstkritik. Jetzt ist Marketing das neue Zauberwort. »Ein starker Markenname wie Gallo wäre sicher hilfreich«, sagt Marc Brugaliere vom französischen Außenhandelszentrum in Düsseldorf. Frankreich sei für seine Anbaugebiete wie Bordeaux oder Burgund bekannt, aber nicht für Weinmarken.

Wenn man an Frankreich denkt...

Winzerpräsident Verdier gibt sich kämpferisch. Natürlich werde man als Marktführer von der Konkurrenz attackiert. »Aber ich bin zuversichtlich, dass wir rasch wieder auf die Beine kommen.« Für Patrick Crepien, Kunde in einer Filiale der Weinhandelskette Nicolas in Paris, ist das ohnehin keine Frage. »Wir sind beim Wein unantastbar. Denn was fällt den Leuten sonst noch ein, wenn sie an Frankreich denken, außer Wein, Käse, Eiffel-Turm und Baskenmütze?«

Jamey Keaten