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WIRTSCHAFTSFLAUTE: Heidelberger Druck streicht 2200 Stellen

Der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck zollt der Konjunkturflaute Tribut und will weltweit 2200 seiner gut 24.500 Arbeitsplätze abbauen, davon 1800 in Deutschland. Allein in Kiel sind 770 Mitarbeiter betroffen.

Der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck zollt der Konjunkturflaute Tribut und will weltweit 2200 seiner gut 24.500 Arbeitsplätze abbauen, davon 1800 in Deutschland. Allein in Kiel sind 770 Mitarbeiter betroffen. Die Produktion soll von dort in die USA verlagert werden.

Vorstandschef Bernhard Schreier begründete die Maßnahmen in Heidelberg mit unterausgelasteten Kapazitäten und der unerwartet schleppenden Entwicklung des Marktes für Digital-Druckmaschinen. »Das wird nicht ohne betriebsbedingte Kündigungen gehen«, sagte der Vorstandschef. Von den Plänen sind fast alle deutschen Standorte betroffen. Die Produktion in Kiel wird komplett aufgegeben. Der Personalabbau ist der größte Teil eines Sparprogramms über 200 Millionen Euro, mit dem der Konzern seine Umsatzrendite langfristig deutlich steigern will. Die im MDax notierte Heidelberg-Aktie zog am Mittwochmorgen um rund drei Prozent auf 28,85 Euro an.

Größter Stellenabbau seit zehn Jahren

Heidelberger Druck reagiert mit dem größten Stellenabbau seit der Konjunkturkrise 1992 auf die Erwartung, dass der Umsatz 2002/03 um zehn Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro zurückgehen wird. Die Mitarbeiter an den Standorten sollten am Mittwoch in Betriebsversammlungen über die Pläne informiert werden. Bis Ende März sollen die Pläne umgesetzt sein. Der Gesamtbetriebsratschef Josef Pitz sagte, er erwarte keine langwierigen Verhandlungen. Die Arbeitnehmervertretung werde versuchen, die Entlassungen in Grenzen zu halten. Seit Anfang des Jahres hatte Heidelberg die Mitarbeiterzahl schon um 1000 abschmelzen lassen.

Wirksam sollen die Streichungen und damit der Spar-Effekt erst im Geschäftsjahr 2003/2004 (zum 31. März) werden. Vorher würden Rückstellungen in nicht bezifferter Höhe fällig, sagte Schreier. Sie fielen 2002/03 noch höher aus als die positiven Effekte auf den Ertrag. »Wir gehen trotzdem davon aus, dass wir 2002/03 ein positives Ergebnis erreichen werden«, bekräftigte Schreier. 2001/02 hatte der Konzern noch ein Ergebnis von 201 Millionen Euro ausgewiesen. Langfristig solle Heidelberg durch das Programm wieder Umsatzrenditen bis zu 12 Prozent erreichen.

Vorstandschef Schreier warnte vor vorschnellen Hoffnungen auf eine Erholung der Konjunktur. Der bis August um 20 Prozent gesunkene Auftragseingang sei auch im September auf niedrigem Niveau geblieben. Die Aufträge auf der weltgrößten Druckmesse »Graph Expo« in den USA hätten mit 130 Millionen Euro im Rahmen der niedrigen Erwartung gelegen. »Das war kein Signal für eine Erholung. Wir werden 2003 nur langsam in Tritt kommen«, sagte er. Die Druckbranche hänge am Tropf der Werbeindustrie.

Entwicklung falsch eingeschätzt

Heidelberger Druck habe sich aber auch in der Entwicklung des Digitaldrucks verschätzt, räumte Schreier ein. Die breite Einführung von Druckmaschinen, die eine individuelle, flexible Ansprache der Kunden erlaubten, werde sich um mindestens zwei Jahre verzögern. »Der Markt ist dafür noch nicht reif«, sagte Schreier. Zudem drängten japanische Billiganbieter wie Ricohund Canon auf den Markt. Dennoch hält der Konzern den Bereich grundsätzlich weiter für ein zukunftträchtiges Geschäft und will an seiner Strategie festhalten.

Die Produktion von Farbdigital-Druckern soll von Kiel nach Rochester im US-Bundesstaat New York verlagert werden, wo der Konzern derzeit Schwarz-weiß-Digitaldruck-Maschinen herstellt. Die Montage von Druckplatten-Belichtern geht nach Wiesloch bei Heidelberg, wo das Bogenoffset-Stammwerk nur noch zu 80 Prozent ausgelastet ist. Den Produktionsstandort Kiel gibt Heidelberg damit auf, von den 1430 Stellen dort bleiben nur 660.

In Heidelberg und in Wiesloch sollen überwiegend in der Verwaltung knapp 900 von fast 10.000 Arbeitsplätzen wegfallen. Auf die Bogenoffsetdruck-Sparte entfallen allein 110 Millionen Euro an Einsparungen. Die Standorte in Ludwigsburg und in Mühlhausen (Schwäbische Alb) sollen in einem neuen Werk im Raum Stuttgart zusammengelegt werden. Dabei gehen in Mühlhausen 140 Stellen verloren.