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Reportage der Woche

Gefahr für Nutztiere: Wie ein Schäfer in der Lüneburger Heide gegen Wölfe aufrüstet

Der Schäfer Hanz Stolz hat schon einige seiner Tiere an Wölfe verloren. Nun rüstet er in der Lüneburger Heide auf: Mit moderner Technik versucht er, seine Tiere vor dem Wolf zu schützen.

Von Silke Gronwald

Wolf in Lüneburger Heide: Warum ein Schäfer jetzt aufrüstet

Das ganze Jahr verbringt Stolz mit seiner Heidschnuckenherde und seinen Hunden im Freien in der Lüneburger Heide. Nach Angaben des aktuellen Wolfsmonitors leben 73 Wolfsrudel, 30 Paare und drei Einzeltiere in Deutschland – Stand April 2018. Ihr Bestand wächst um etwa 30 Prozent pro Jahr.

Nordostwind fegt über die Heide, drängt die Nebelschwaden gegen den Wald. Hans Stolz stemmt sich gegen die Böen, rammt den Hirtenknüppel in den Sandboden und stapft langsam vorwärts. Hinter ihm trotten gut 650 Heidschnucken. Sie knabbern an dürren Gräsern und Sträuchern. Ohne diese Herden wäre eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands längst überwuchert.

Schäfer Stolz lebte Jahrzehnte ohne Wölfe, dann sah er gelegentlich einen vorüberziehen, doch seit einiger Zeit kommen sie immer häufiger. Manchmal, sagt er, hat er das Gefühl, dass sie ihn verfolgen. Einmal, als er gerade an einem Graben entlangging, sprangen ihm fünf seiner Tiere aufgeregt entgegen: "Ich wusste sofort, da stimmt was nicht." In ein paar Hundert Metern Entfernung tauchte etwas Graues im Gras auf. Er rennt auf den Punkt zu, erkennt einen Wolf, der an einem Mutterschaf zerrt. Schreiend und gestikulierend läuft Stolz auf den Räuber zu. Der lässt von seiner Beute ab und verschwindet. Doch das Schaf liegt leblos da, Exitus durch Kehlbiss.

"Rotkäppchen lügt"

21 Wolfsrudel leben in Niedersachsen, dazu zwei Paare und ein Einzeltier, das ergab das letzte Wolfsmonitoring der Bundesregierung vom Mai 2018. Vor gut 20 Jahren wurde zum ersten Mal wieder ein Wolf in Deutschland gesichtet – nachdem er mehr als 100 Jahre lang als ausgestorben gegolten hatte. Seither steigt die Population Jahr für Jahr um knapp ein Drittel. In ganz Deutschland, so die Schätzungen, leben mittlerweile mindestens 1000 Wölfe in den Wäldern.

Die Willkommenskultur Wolf funktionierte anfangs prächtig – aber je mehr sich das Tier ausbreitet, desto schwieriger wird das Zusammenleben. Von der kleinen Schwester der Migrationspolitik spricht Grünen-Chef Robert Habeck im Zusammenhang mit der Wolfsdebatte. Während sich die einen mehr Toleranz wünschen, fordern andere das Verschwinden der Einwanderer und ihrer Nachkommen.

Die Weidetierhalter haben die Interessengemeinschaft "WNON – Wölfe fressen kein Gras!" gegründet. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung schloss mit den Waldbesitzern und anderen Verbänden ein Aktionsbündnis gegen die Ausbreitung des Wolfes. Eltern in ländlichen Regionen zäunen ihre Gärten mit Elektrodraht ein und statten ihre Kinder mit aus Kanada importierten Tröten zur Wolfsabschreckung aus. Dagegen kämpft der Naturschutzbund Nabu und wirbt in Kitas unter dem plakativen Motto "Rotkäppchen lügt" für das Pelztier.

Wenn der Wolf Beute macht, unterscheidet er nicht zwischen Nutz- und Wildtier

Wenn der Wolf Beute macht, unterscheidet er nicht zwischen Nutz- und Wildtier

Die Ethnologin Michaela Fenske untersucht in dem Forschungsprojekt "Die Rückkehr der Wölfe", was hier nicht funktioniert. Die ersten Erkenntnisse: "Die Debatte läuft so erbittert, weil Themen am Wolf verhandelt werden, die durch sein Auf tauchen ins Blickfeld geraten, die er aber nur zu geringem Teil verursacht." Beispielsweise das Gefühl in der ländlichen Bevölkerung, alleingelassen zu werden, aus dem Scheinwerferlicht gesellschaftlicher Aufmerksamkeit herausgefallen zu sein. "Die Menschen haben den Eindruck, von den Entscheidungsträgern in Politik und Gesellschaft nicht mehr wahrgenommen zu werden, und melden sich jetzt zu Wort." Und das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf steckt nun mal tief in unserem kulturellen Gedächtnis.

Der Elektrozaun hilft nicht immer Schäfer Stolz, der mit seinem grauen Bart, dem wettergegerbten Gesicht und dem Lederhut selbst einem Grimm'schen Märchen entsprungen sein könnte, hat schon 46 Muttertiere und Lämmer verloren. Und das, obwohl er seine Nachtpferche mit Elektronetzen schützt, durch die 3000 bis 9000 Volt schießen – so wie es die zuständige Landesbehörde empfiehlt. Doch der Wolf springt einfach über den Elektrodraht. Zu verlockend ist der Anblick des fein eingezäunten Futters – so viel einfacher zu jagen als ein flinkes Reh.

Gemetzel

Also rüstete Hans Stolz auf. Er erhöhte die Zäune und spannte zusätzlich in eineinhalb Meter Höhe ein rot-weißes Flatterband – auch dies empfohlen in der Richtlinie Wolf des Landes Niedersachsen. Trotzdem bekam Stolz an einem Morgen im vorvergangenen Sommer ein Schlachtfeld zu sehen. 20 Tiere mit zerbissenen Kehlen und aufgerissenen Bäuchen, aus denen die Gedärme herausquollen, lagen über das Gras verstreut. 13 Tiere waren bereits tot, sieben weitere so schwer verletzt, dass der Tierarzt sie nur noch einschläfern konnte. Stolz gibt seinen Tieren keine Namen, sie tragen einen gelben Knopf mit Nummer im Ohr. Der Schäfer weiß, dass sie alle irgendwann zum Schlachter müssen, aber der Anblick dieses Gemetzels machte selbst ihm zu schaffen. "Ich hatte Tränen in den Augen und konnte drei Tage nicht schlafen", erinnert er sich.

Der Schäfer bekommt zwar für jedes gerissene Tier einen finanziellen Ausgleich von der Landesregierung. Aber bevor das Geld fließt, steht ihm ein bürokratischer Kraftakt bevor. Bei jedem Verdacht auf einen Wolfsriss werden die getöteten Schafe von Experten begutachtet. War tatsächlich ein Wolf am Werk oder vielleicht nur ein wildernder Hund? Um diese Frage möglichst zweifelsfrei zu klären, nehmen die Fachleute DNA-Analysen. Mit Tupfern suchen sie wie Kriminaltechniker nach Speichelresten des Raubtiers.

Ein Schaf erledigt der Wolf mit einem schnellen Biss in die Kehle

Ein Schaf erledigt der Wolf mit einem schnellen Biss in die Kehle

Bei Carsten Nowak, Leiter des Fachgebiets Naturschutzgenetik des Senckenberg-Instituts in Gelnhausen, landen sämtliche Speichel-, Kot-, Haar- und Urinproben aus Deutschland auf dem Tisch. Allein im vergangenen Jahr bekam er rund 3000 Mal Post. "2010 waren es erst einige wenige", erzählt er.

Bei Stolz' Tieren konnte der Nachweis eindeutig erbracht werden. Seitdem setzt der Schäfer auf zwei Elektrozäune hintereinander, in ausgeklügeltem Abstand aufgestellt, sodass der Wolf weder in einem Satz darüberspringen noch zwischen landen kann. Das hilft – zumindest nachts.

Dafür hat Stolz jetzt tagsüber ein Problem. Wenn er mit seinen Tieren über die Heide zieht, lauert der Wolf im tiefen Gras und wartet, bis ihm ein Schaf zu nahe kommt. Für diesen Fall rät die Behörde zum Einsatz von sogenannten Herdenschutzhunden. Das sind riesige Tiere, die es im Zweifel auch allein mit einem Wolfsrudel aufnehmen – kein Vergleich zu den verspielten Border Collies, die Stolz an seiner Seite hat. Als förderungswürdige Rassen gelten der Pyrenäenberghund oder der Maremmano-Abruzzese, sie kosten mehrere Tausend Euro das Stück. Das Land würde zwar 80 Prozent der Anschaffungskosten übernehmen, aber die Folgekosten wie Futter und Versicherung müsste Stolz tragen.

Hunde gegen gierigen Wolf

Vor allem aber fragt sich der Schäfer, wie er die wegen ihrer Aggressivität gegenüber Fremden bekannten Hunde in der von Touristen besuchten Heide einsetzen soll. "So ein Herdenschutzhund schnappt sich auch schon mal den Dackel eines Spaziergängers, wenn der ihm zu nahe kommt, oder greift den Hundebesitzer selbst an."

Als Alternative testete das Land Niedersachsen Esel als eine Art Bio-Alarmanlage. Claus und Klaus heißen die beiden Pilot-Vierbeiner, die versuchsweise in eine Schafherde integriert wurden. Ihre Schreie sollen den Hirten warnen und die Räuber einschüchtern. Zur Not könnten sie die Wölfe sogar angreifen, nach ihnen treten und beißen. Es ist ein Hoffnungswert – mehr nicht.

Anne Friesenborg aus dem 400-Einwohner-Dorf Bannetze im Landkreis Celle führt inzwischen nur noch bewaffnet mit Pfefferspray und einem Messer ihre Golden-Retriever-Hündin aus. Im Ort tauchten schon mehrfach Wölfe auf, erzählt sie. Friesenborg hat die "Bürgerinitiative für wolfsfreie Dörfer" mit ins Leben gerufen, nach deren Vorbild sich im gesamten Bundesgebiet weitere Initiativen gründen. Sie hofft, dass die in Berlin endlich zuhören.

Tatsächlich hat es das Wildtier bis in den Koalitionsvertrag geschafft: Gemeinsam mit den Ländern will die Bundesregierung Kriterien zur "letalen Entnahme von Wölfen" entwickeln und die "notwendige Bestandsreduktion" herbeiführen. Wie dies allerdings passieren soll, ist höchst umstritten. Während die Parteien um eine Haltung ringen, greifen die Betroffenen zur Selbstjustiz. Hinter vorgehaltener Hand kursieren als pragmatische Lösung die drei großen "S": Schießen, Schaufeln, Schweigen.

Aktives Wolfsmanagement

Zwar gilt das absolute Jagdverbot für den Wolf als seltene Tierart. Auf den Abschuss stehen je nach Bundesland Strafen von bis zu 65.000 Euro – und bis zu fünf Jahre Gefängnis. Trotzdem landen immer wieder illegal erlegte Wölfe auf dem Obduktionstisch der Veterinär-Pathologin Claudia Szentiks. Im Leibniz-Institut in Berlin-Friedrichsfelde ermitteln Szentiks und ihre Kollegen die Todesursache. 317 wilde Wölfe hat sie in den vergangenen Jahren obduziert. Sie dokumentiert Schmauchspuren und Verletzungen, sichert Munitionspartikel, vermisst Einschusskanäle und Austrittswunden – Beweismittel, die sie an die Landeskriminalämter weiterleitet, wo sie anschließend nach den Wilderern fahnden. 42 illegal erlegte Wölfe hat Szentiks bereits identifiziert.

Die Dunkelziffer dürfte sehr viel höher liegen. "Wir brauchen dringend ein aktives Wolfsmanagement", sagt Friedrich Noltenius, Wolfsexperte und Wildtierbeauftragter in Sachsen. "Wenn wir diese Entwicklung so laufen lassen, dann besteht die Gefahr, dass der Wolf in ein paar Jahren wieder ausgerottet wird."

Sachsen-Anhalt: Wolf reißt Schafe – Jäger filmt Raubtier mit Wärmebildkamera


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Ich brauche dringend Hilfe bei der EM rente
Guten Tag mein Name ist Carsten Langer ich bin 46 Jahre alt und Versuche seit März 2015 die EM Rente zu beckommen meine Ärzte sagen ich kann nicht mehr Gutachten der Kranken Kasse sieht das auch so nur die Gutachter der Rentenkasse Sehens anders war schon vor sozial Gericht 1 Instanz Richterin sagt ich kann nicht am Gutachten vorbei entscheiden ihre Empfehlung ich sollte in die 2 Instanz weil sie meint das ich auch nicht mehr Arbeits fähig bin die 2 Instanz sagt laut Gutachten könnte ich noch arbeiten aber ihre Meinung nach könnte ich auch nicht mehr arbeiten ich sollte doch auf ein Urteil verzichten und ich sollte neu Rente beantragen und der zwischen Zeit wurde ich zur Berufs Findung geschickt die nach sechs Wochen von der Rentenkasse abgebrochen wurde habe auch erfahren das die Rentenkasse mir keine Umschulung mehr zutraut auf den Rat ich sollte noch Mal EM Rente beantragen bin ich in Reha gegangen damit ich auch neue Arzt berichte habe die Reha hat den Aufenthalt von 4 auf drei Wochen verkürzt und mich entlassen als nicht arbeitsfähig für den allgemeinen Arbeits Markt und ich kann keine 3 Stunden arbeiten das hat der Rentenkasse wieder nicht gereicht hatich wieder zum gutachter geschickt der mir 45 Minuten fragen gestellt hat und jetzt heißt es ich kann wieder voll arbeiten auf den allgemeinen Arbeits Markt Meine Erkrankungen sind Ateose in beiden knieen und mehreren Finger Gelenken Verschleiß in beiden Fuß, Hüft, Schulter und elebogen Gelenken dazu Gicht im linken Daumen satel Anhaltende Schmerzstörungen Wiederkehrende Depressionen Übergewicht Hormonstörungen Wirbelsäulenleiden Bandscheibenschädigung Schlaf Atem Störung Schlafstörungen eine ausgeprägte lese und rechtschreib Schwäche Panick Attacken ( Zukunftsangst) Suizidale Gedanken 1 Suite Versuch Laut aus Zügen einiger Befunde Bin ich nicht mehr Stress resistent Darf keinen akort machen keine Schicht Arbeit keine gehobene Verantwortung überaschinem oder Personen tragen usw Aber al das reicht nicht für die EM Rente Mittlerweile bin ich von der Kranken Kasse ausgesteuert das Arbeitsamt hat mich nach 9 Monaten abgemeldet und seit April wäre die Renten Kasse nicht mehr für mich zuständig aber da ein laufendes verfahren ist hmm keine Ahnung Da ich Mal gut verdient habe habe ich eine bu abgeschlossen aber da die über 900 euro mir zählt und das schon fast 3 Jahre habe ich kein Anspruch auf Harz 4 Grundsicherung Wohngeld oder sie Tafel für essen nein ich darf dafon mich noch mit 260€ freiwillig Kranken versichern Deswegen konnte ich meine Wohnung mir nicht mehr leisten und bin auf einen Campingplatz gezogenitlerweil habe ich eine Freundin und wir teilen uns die Wohnung Bitte ich brauche dringend Hilfe mir wird das alles zuviel werde mich parallel zu ihnen auch an den svdk wenden aber vielleicht können sie unterstützend helfen ich weiß echt nicht weiter und meine schlechten Gedanken werden wider sehr stark Mfg