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Änderungen bei Wohngebäudeversicherungen: Hochwasseropfer sollen mehr bezahlen

Allianz und Ergo wollen Hausbesitzer in schlechtere Verträge drücken. Wer die neuen Konditionen nicht akzeptiert, wird gekündigt. Das kann üble Konsequenzen haben. Was Betroffene tun sollten.

Von Jonas Tauber

Rund 15.000 Gebäudeversicherungskunden der Allianz erhalten in diesen Tagen unangenehme Post: Der Versicherer macht darin den Fortlauf bestimmter Policen von höheren Beiträgen und Selbstbehalten zwischen 1500 und 3000 Euro abhängig. Kunden, die das ablehnen, werden gekündigt. Betroffen sind Hausbesitzer, die in hochwassergefährdeten Gebieten wohnen, aber noch günstige Verträge aus DDR-Zeiten besitzen. Der Versicherer Ergo hatte im Mai ähnliche Briefe an 120.000 Kunden verschickt.

Betroffene sollten sich am besten erst einmal einen Marktüberblick verschaffen, um die vorgeschlagenen Vertragsänderungen einschätzen zu können, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Möglicherweise ist das Angebot trotz einer Beitragserhöhung und einer Selbstbeteiligung immer noch gut. "Versicherte sollten nicht vorschnell wechseln, sondern sich unabhängig beraten lassen – von Verbraucherschützern oder Maklern", sagt sie.

Kündigung durch den Versicherer vermeiden

Entscheiden sich Versicherte für einen Wechsel, beauftragen sie am besten einen unabhängigen Makler. Der kann mehrere Anfragen auf einmal stellen und vergrößert so die Chancen auf einen Vertragsabschluss. Natürlich ist eine Kündigung durch den Versicherer ein Minus, sagt Boss. "Grundsätzlich schafft eine Kündigung für mich eine schlechte Situation." Der Grund: Der Folgeversicherer sieht in einem Kunden, dem gekündigt wurde, ein erhöhtes Risiko.

Angeben müssen Betroffene einen gekündigten Vertrag aber auf jeden Fall, wenn der Versicherer sie danach fragt, sagt der Düsseldorfer Versicherungsmakler Johannes Brück. "Wichtig ist, mit offenen Karten zu spielen", sagt er. "Wer fälschlicherweise angibt, selber gekündigt zu haben, verstößt gegen die vorvertragliche Anzeigepflicht." Die Konsequenz: Der Versicherer muss im Schadenfall nicht leisten.

Auch wenn eine Kündigung ein Malus ist: Einem guten Makler gelingt die Vermittlung an einen Wohngebäudeversicherer in jedem Fall, sagt Brück. Anders sei das beim Elementarschutz, der Zusatzdeckung gegen Überschwemmung, Erdbeben oder Schneedruck. "Wer in einem Hochrisikogebiet wie der Kölner Altstadt wohnt und alle zwei Jahre einen Schaden hat, hat schlechte Karten." Das ist übrigens eine Besonderheit der jetzt bei der Allianz zur Disposition stehenden Verträge: Da sie noch aus Zeiten der DDR stammen, enthalten sie meist automatisch Elementarschutz.

Nicht alle alten Policen sind gut

Andere ältere Verträge sollten dagegen schleunigst angepasst werden, sagt Brück. "Altverträge von vor 2000 haben einige Deckungslücken und Kunden können viele Bedingungsverbesserungen durch neue Policen erzielen." Als Beispiel nennt er die Absicherung von Behörden-Vorgaben wie etwa die Energieeinsparverordnung. Brennt das 60 Jahre alte Haus ab, sind die erheblichen Mehrkosten für von der Wärmeschutzverordnung vorgesehene Maßnahmen wie der Einbau von Isolierung oder doppelverglasten Fenstern nicht abgesichert, wenn die Klausel fehlt.

Versicherte stärken ihre Verhandlungsposition, wenn sie einer Kündigung zuvorkommen indem sie selbst kündigen oder von sich aus einen höheren Beitrag oder eine Selbstbeteiligung anbieten. Gut vernetzte Makler erfahren von Versicherern, wenn die mit Verträgen nicht zufrieden sind, sagt Bianca Boss. "Aktives Bestandskundenmanagement gehört zu den Hauptaufgaben von Maklern."

Ist die Kündigung durch den Versicherer erfolgt, sei es für eine eigene Kündigung dagegen zu spät. "Selbst wenn sich die Gesellschaft dazu überreden lässt, die Kündigung einvernehmlich aufzuheben: Gegeben hat es sie ja doch einmal, deshalb muss man sie im Antrag beim Folgeversicherer auch angeben", so Boss.