HOME

Automarkt-Liberalisierung: Alles blieb beim Alten

Die Bundesbürger profitieren bisher nur wenig von der durch die EU angestoßenen Liberalisierung des europäischen Automarktes. Den schwarzen Peter bekamen bei einer bundesweiten Befragung von Autohändlern die Hersteller zugeschoben.

Das Europäische Verbraucherzentrum in Düsseldorf berichtete am Montag, viele Autohändler fühlten sich von den Herstellern gehindert, verbraucherfreundliche Vorgaben der Europäischen Union umzusetzen. Dies gelte etwa für den Verkauf mehrerer Automarken unter einem Dach. Nur knapp die Hälfte der Werkstätten baue auf Verlangen auch die preisgünstigeren Ersatzteile unabhängiger Hersteller anstelle von Originalteilen ein.

Liberalisierung ohne Folgen

Die Düsseldorfer Konsumentenschützer befragten für ihre Untersuchung bundesweit 101 Autohändler, darunter Vertreter aller bekannten Marken nach den Fortschritten durch die EU-Liberalisierungsbemühungen der vergangenen Jahre. Das ernüchternde Ergebnis fasste der Koordinator des Europäischen Verbraucherzentrums Theo Wolsing in den Worten zusammen: "Im Grunde muss man sagen, dass alles beim Alten geblieben ist. Zwei Drittel der befragten Händler bieten weiterhin nur eine Marke an. Da, wo Händler mehrere Marken anbieten, hat das weniger mit der Gruppenfreistellungsverordnung zu tun als eher mit der Fusion auf dem Automarkt. Das heißt, bei Mercedes kann ich auch Chrysler-Modelle kaufen, bei Renault kann ich Nissan-Modelle kaufen." Jeder vierte Betrieb beklagte sich über Behinderungen seitens der Kfz-Hersteller, weitere Firmen zu präsentieren, berichteten die Verbraucherschützer.

Was Brüssel ebenfalls missfallen dürfte: Rund 15 Prozent der befragten Verkäufer gaben bei der Befragung zu, Neuwagen nicht zu den gleichen Bedingungen an EU-Ausländer wie an Inländer verkaufen zu dürfen. Und das obwohl bereits zu Beginn des Jahrzehnts mehrere Unternehmen von der Europäischen Kommission zu hohen Geldbußen verurteilt worden waren, weil sie den Verkauf an ausländische Kunden erschwert hatten.

Beharrlichkeit zahlt sich aus

Positiv hingegen: Fast alle Händler beteuerten, Neuwagen aus dem EU-Ausland innerhalb der Garantiezeit kostenlos zu reparieren. Hiervon profitieren vor allem Deutsche, die ihre Wagen im Ausland oft billiger kaufen können. "Da gibt's keine Probleme mehr", sagte Wolsing. Einige Servicebetreiber erklärten jedoch, dass sie eigene Kunden bevorzugt bedienen würden.

Knapp die Hälfte (47 Prozent) der vom Europäischen Verbraucherzentrum befragten Werkstätten greift auf Ersatzteile unabhängiger Hersteller zurück - wenn auch zumeist nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden. Eine solche Beharrlichkeit zahle sich in der Regel aus, verrieten die Verbraucherschützer. Denn die meisten Händler bestätigen, dass die die Reparatur ohne Originalteile fünf bis 15 Prozent billiger ausfällt. Der Verzicht auf das teuere Originalteil gefährde nicht die Garantie, betonten die Verbraucherschützer.

AP / AP
Themen in diesem Artikel