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Finanzierung: Der beste Autokredit

Viele Hersteller bieten attraktive Zinsen und Leasingkonditionen. Doch wer bar zahlt, macht oft das bessere Geschäft.

Von Hans-Robert Richarz

Bar zahlen oder finanzieren? Für viele Verbraucher, die sich ein neues Auto kaufen wollen, ist die Antwort schnell gegeben. Da klafft zwischen Kontostand und Preis eine schmerzliche Lücke, die sich nur mit einem Kredit schließen lässt. Aber mit welchem? Und von wem? Längst ist der Dschungel unterschiedlicher Darlehenskonditionen so undurchsichtig wie der bei Handytarifen. Zum Beispiel bei konzerneigenen Banken der Autofirmen selbst, die zum Teil mit Zinssätzen locken, die gegen null tendieren. Alles Schnäppchen? Nicht unbedingt. Nachrechnen lohnt sich allemal.

Die Volkswagen Bank zum Beispiel hat ein "Sauber + Sorglos"-Paket für einen Polo Trendline TDI (70 PS, Dieselpartikelfilter, Neupreis 14.850 Euro) im Programm, für das bei einer Anzahlung von 40 Prozent vier Jahre lang monatlich 99 Euro und als Schlussrate 6689,55 Euro fällig werden. Effektiver Jahreszins: 0,9 Prozent. Wer Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung über VW abschließt, erhält Wartung und Inspektion während der Laufzeit und eine Garantieverlängerung von zwei Jahren.

Zum Vergleich: Bei einer klassischen Finanzierung - gleiche Anzahlung und Dauer - entfiele zwar die hohe Schlussrate, dafür aber wäre die monatliche Belastung mehr als doppelt so hoch. Und für die Wartung müsste der Kunde selbst aufkommen. Für rund 70 Prozent aller neu zugelassenen Personenwagen in Deutschland unterschreiben die Besitzer einen Leasingoder Finanzierungsvertrag. Der Löwenanteil der Geldbeschaffung läuft über die Autobanken. Allein im ersten Halbjahr 2007 finanzierten oder verleasten diese Institute vier von zehn Neuwagen für insgesamt 8,8 Milliarden Euro. Sie bieten in der Regel zwei verschiedene Kreditvarianten an:

1.

das klassische Darlehen, wie es auch andere Banken offerieren - erst Anzahlung, dann für eine vereinbarte Zeit gleichbleibende Raten für Zinsen und Tilgung;

2.

die sogenannte Drei-Wege-Finanzierung. Auch hier sind zunächst eine Anzahlung und danach gleichbleibende Raten fällig. Die sind allerdings erheblich niedriger als bei der klassischen Variante. Das dicke Ende kommt zum Schluss. Dann steht ein hoher Restbetrag offen, den der Kunde auf dreierlei Weise begleichen kann: Entweder nimmt er dafür einen neuen Kredit auf, oder er gibt das Fahrzeug an den Händler zurück. Die dritte Variante ist die einfachste – er zahlt den Rest bar.

"Mobilitätspakete verringern die Rabattforderungen der Kunden erheblich"

Ein Problem wird bei dieser Art des Finanzierungskaufs jedoch gern verschwiegen: Ist der Wagen zum Zeitpunkt der vereinbarten Rückgabe weniger wert als die Schlussrate, gibt es Ärger - es sei denn, man entschließt sich, bei seinem Händler einen neuen Wagen zu bestellen. Dann lassen sich Differenzen meist per Verhandlung aus der Welt schaffen. Und was passiert, wenn das Auto während der Laufzeit geklaut oder nach einem Unfall zu Schrott wird? Für solche Fälle hält beispielsweise die Ford Bank eine sogenannte Gap-Versicherung (gap = englisch für Lücke) parat.

Kunden erhalten bei Abschluss eines Darlehensvertrags bei Ford über vier Jahre (2,99 Prozent Effektivzins inklusive Inspektionen, Garantieverlängerung und Mobilitätsgarantie) sowie einer zusätzlichen Vollkaskoversicherung kostenfrei den Kaufpreis für die ersten 24 Monate bei Totalschaden nach Unfall oder Diebstahl zurück. Für die zweiten 24 Monate der Laufzeit des Mobilitätspaketes deckt die Gap-Versicherung mögliche Finanzierungslücken.

Hierbei ersetzt der Versicherer bei Totalschaden und Verlust des Fahrzeugs die Differenz aus dem Abrechnungswert des Kundendarlehens und dem "Flatrate" heißt so etwas bei Ford, "Mobilitätspakete" nennt der Arbeitskreis der Banken und Leasinggesellschaften der Automobilwirtschaft (AKA) die Drei-Wege-Finanzierung samt Zusatzleistungen, mit denen die Automobilindustrie nicht nur das Geschäft ankurbeln, sondern zusätzlich die Rabattschlacht beim Händler eindämmen will. "Mobilitätspakete verringern die Rabattforderungen der Kunden erheblich", sagt AKA-Sprecher Heinz-Peter Renkel.

Wiederbeschaffungswert

Er beruft sich auf eine repräsentative Marktforscher-Umfrage, wonach über die Hälfte der Befragten ihre Rabattwünsche zurückschrauben würden, wenn das Finanzierungsangebot mit Zusatzleistungen ihren Vorstellungen entspräche. Tatsächlich bleibt den Kunden gar nichts anderes übrig. Die meisten Autounternehmen, Autobanken und Autohändler, die den Unterschied zwischen ihren und den am Kapitalmarkt üblichen Zinsen gemeinsam subventionieren, sind gegenüber Rabattwünschen zugeknöpft.

Dagegen hilft nur der Gang zur Hausbank, mit deren Kredit man gegenüber dem Händler selbstbewusst als Barzahler auftreten kann. Ob sich dieser Schritt angesichts der Niedrigzinspakete der Autobanken lohnt, lässt sich jedoch nicht pauschal beantworten. Ein Besuch im Internet, zum Beispiel auf den Seiten www.aspect-online. de oder www.fmh.de, verschafft Orientierung. Beide Finanzmakler halten auf ihren Webseiten einen Kreditrechner bereit, der die Konditionen der Autobanken mit denen herkömmlicher Geldinstitute vergleicht - und gegebenenfalls noch günstigere Autofinanzierungsangebote auflistet als der Händler oder die Hausbank.


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