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Krankenversicherung: Kein Urlaub ohne Reiseschutz

Bei einem Urlaub gehört unbedingt auch eine Auslandsreise-Krankenpolice ins Gepäck - ganz gleich, ob das Reiseziel ein exotisches Land ist oder innerhalb Europas liegt. Ohne diese Absicherung droht sonst schnell ein riesiger Kostenberg.

Bei den Urlaubsvorbereitungen wird die Auslandsreise-Krankenpolice gern vergessen. Dabei gehört sie unbedingt ins Gepäck eines jeden Urlaubers - ganz gleich, ob er sich aufmacht in exotische Länder oder innerhalb Europas verreist. Wer im Ausland akut erkrankt und kein Auffangnetz für solche Notfälle abgeschlossen hat, sitzt schnell auf einem immensen Kostenberg für medizinische Behandlung und notwendigen Krankenrücktransport.

Wichtig für gesetzlich und privat Versicherte

"Jeder sollte die Auslandspolice für Reisen haben, und zwar gesetzlich wie privat Krankenversicherte gleichermaßen", betont Bianca Höwe vom Bund der Versicherten (BdV). Laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft ging die Zahl der Verträge zwischen 2003 und 2005 von 26,6 auf 20,3 Millionen zurück. Was viele offenbar unterschätzen: Deutsche Patienten können sich zwar mit der Chip-Karte ihrer Krankenkasse innerhalb der Europäischen Union in Arztpraxen gezielt behandeln lassen. Bei plötzlich auftretenden Schmerzen, Erkrankungen und bei Unfällen biete die Kassenmitgliedschaft nicht einmal EU-weit ein Rundum-Sorglos-Paket, warnt Heidemarie Krause-Böhm von der Verbraucherzentrale Bayern.

Wer stationär ins Krankenhaus eingeliefert wird oder im Hotel den Arzt rufen muss, wird vor allem in Touristenhochburgen in der Regel nur gegen Vorkasse behandelt - also wie ein Privatpatient. Wieder zu Hause, erstattet die Kasse aber nur den Anteil der Rechnung, der sich an deutschen Sätzen orientiert. Und das ist meist der deutlich kleinere Teil. Auf dem großen Batzen bleib der gesetzlich Versicherte erfahrungsgemäß sitzen, gibt Höwe zu bedenken.

Auslandskrankenschein reicht meist nicht

Ein Auslandskrankenschein im Gepäck nutzt genauso wenig: Beim medizinischen Notfall hilft in den meisten Urlaubsregionen nur Bares weiter. Außerhalb Europas und in Ländern, mit denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen hat - wie die USA, Thailand oder Ägypten - übernimmt die gesetzliche Krankenkasse gar keine Kosten. Urlauber, die in der Ferne erkranken und keine private Auslandspolice haben, müssen dann alles aus der eigenen Tasche bezahlen.

Beispiel Amerika: Wer dort in die Klinik muss, kann rasch mit Kosten von 2000 Euro konfrontiert werden - und zwar täglich. Wichtig ist die Extra-Absicherung auch bei schweren Unfällen im Urlaub: Denn ein Rücktransport von Patienten wird von Kassen grundsätzlich nicht finanziert. "Wird man mit dem Hubschrauber heimgeflogen, kommen schnell Beträge von 30.000 Euro und mehr zusammen", weiß Höwe aus Erfahrung. Auch privat Krankenversicherte seien im Fall von Auslandsrücktransporten nicht immer gegen Folgekosten abgesichert. Ihr Tipp: "Privatversicherte sollten sich ebenfalls eine zusätzliche Auslandskrankenpolice zulegen, dann kann nichts schief gehen."

Ein Vertrag für die ganze Familie

Die Kosten für die Police sind günstig. Jüngere Einzelpersonen zahlen etwa zwischen sechs und zehn Euro pro Jahr, Reisende ab 65 Jahren müssen zwischen 17 und gut 24 Euro investieren. Für Familien reicht ein einziger Vertrag, sehr guten Schutz gibt es schon ab 15 Euro jährlich, wie "Finanztest" im Juni-Heft berichtet. Die meisten Jahresverträge verlängern sich, wenn sie nicht gekündigt werden. Die Kündigungsfrist beträgt meist drei Monate. Bei der Auswahl sollte man nicht allein auf den Preis achten, rät Höwe. Die Leistungen der Anbieter unterscheiden sich vor allem in folgendem Punkt: Zahlt der Versicherer einen Rücktransport nur, wenn er medizinisch notwendig ist oder auch schon dann, wenn der Heimtransport des Patienten sinnvoll und vertretbar ist. Auf solche Feinheiten sollte geachtet werden, rät Krause-Böhm.

Auch chronisch Kranke könnten im Ernstfall Probleme mit ihrer Police bekommen. Denn vor allem bei Vorerkrankungen verweigern Versicherer häufig genug die Zahlung. Die Krankheit sei nicht akut oder unerwartet im Urlaub aufgetreten seien, laute dann häufig die Argumentation. In solchen Fällen kann womöglich die Krankenkasse daheim weiterhelfen. Die komme oft sehr wohl für die Behandlung einer chronischen Krankheit im Ausland auf, betont Krause-Böhm. Auch in Ländern, die nicht zur EU gehören und mit denen kein Sozialversicherungsabkommen bestehe. Allerdings werden Kosten wiederum nur bis zu den daheim üblichen Beträgen erstattet.

Berrit Gräber/AP / AP