Lebensversicherung Sicher ist nur der Tod


Die Aktien-Krise hat auch die Lebensversicherer schwer getroffen: Die Renditen sinken, manche Anbieter müssen sogar aufgeben. Neuabschlüsse sollten gut überlegt sein.

Das Undenkbare ist Wirklichkeit: Deutsche Versicherungsunternehmen geraten in Finanznot. Der Vorstand der Hannoverschen wurde von der Aufsichtsbehörde bereits abgesetzt, die Familienfürsorge unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Die Mannheimer Versicherung kann keinen Cent mehr über dem Mindestzins zahlen; sie gibt ihr Geschäft mit kapitalbildenden Policen auf. Auch die Reserven anderer Anbieter wie BHW, Quelle, Neckura oder VPV reichen beim derzeitigen Börsenniveau gerade noch ein paar Monate.

»Bei einem

Dax-Stand um 3.200 Punkte wären unsere stillen Reserven für dieses Jahr verbraucht», hatte Gerhard Rupprecht, Vorstandschef der Allianz Lebensversicherung, schon im Sommer gewarnt. Einige Wochen später krachte der deutsche Aktienindex sogar deutlich unter 3000 Punkte. Zuletzt pendelte das Börsenbarometer nur wenig oberhalb der «Rupprecht-Marke». Die Folge: Hektik nicht nur auf den Konzernfluren, sondern auch in vielen Wohnzimmern.

Millionen Menschen

fragen sich, was ihre Versicherungen noch wert sind. Zwar will die Branche gemeinschaftlich die Mindestverzinsung von 3,25 Prozent für derzeit ungedeckte Policen aufbringen. Aber das ist nur ein schwacher Trost, denn versprochen war oft mehr als das Doppelte. Dieses Mehr an Rendite sollte die so genannte Überschussbeteiligung bringen. »Die werden wir im kommenden Jahr wegen der Kapitalmarktsituation etwas absenken müssen«, sagt Rupprecht heute. Dabei wird die Gesamtrendite beim Marktführer immer noch deutlich über dem Mindestzins liegen. »Immerhin noch über 5 Prozent«, war zu hören.

Andere Anbieter, die in den vergangenen Jahren hohe Überschüsse erzielten, stehen dagegen plötzlich ganz unten. Eine Folge ihres Erfolgs: Sie standen auf den Hitlisten in Wirtschafts- und Verbrauchermagazinen ganz oben. Entsprechend groß war der Zulauf. Die Versicherungen mussten die neuen Anlagegelder aber zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt investieren. Die Zinsen für Anleihen sanken damals kontinuierlich, und noch drastischer rutschten die Aktienkurse. Heute zeigt sich: Die vermeintlich renditestarken Versicherer sind zur falschen Zeit zu stark gewachsen.

»Hitlisten taugen

nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage für einen Lebensversicherer», warnt Manfred Poweleit, Chef des Branchendienstes «map-Report» in Göttingen. Eine hohe Gewinnbeteiligung erscheint zwar verlockend, diese Zahl ist aber nur das Ergebnis eines Geschäftsjahres. Versicherungsvertreter oder Makler, die suggerieren, dass sich solche momentanen Beispielrechnungen auf die gesamte Versicherungslaufzeit beziehen, handeln unseriös. Es gilt: Wer in Hitlisten ganz oben steht, hat im beobachteten Geschäftsjahr viel an seine Kunden ausgeschüttet. Nicht mehr, nicht weniger. Ob das auch in 30 Jahren der Fall sein wird, ist «so sicher wie der Wetterbericht über denselben Zeitraum», spöttelt Poweleit.

Einige Auswahlregeln

für langfristige Versicherungsverträge gibt es dennoch. Börsenzusammenbrüche und lange Durststrecken überstehen am wahrscheinlichsten Branchenriesen wie Allianz, der Ergo-Verbund (Victoria, Hamburg-Mannheimer) oder die AMB Generali-Gruppe (Aachener und Münchener, Volksfürsorge, Cosmos). Aber auch mittelgroße und kleinere Anbieter, die lange am Markt sind, können hohe Reserven aufgebaut haben - müssen es aber nicht. Versierte Berater sollten darüber genauso Auskunft geben können wie über die Auszahlpolitik und die tatsächlichen Leistungen der Firmen in der Vergangenheit.

Der Haken

für Verbraucher: Jeder, der in Versicherungsfragen berät, ist gleichzeitig auch Verkäufer auf Provisionsbasis. Ausnahme: gerichtlich zugelassene Versicherungsberater. Sie erhalten ihr Honorar vom Kunden, nicht von den Konzernen.

Drum prüfe, wer sich lange bindet

Wer sich für den Abschluss einer kapitalbildenden Lebensversicherung interessiert, sollte folgende Fragen klären:

* Wie hoch sind die Reserven des Versicherers?
Besprechen Sie aktuelle Werte, die regelmäßig in der Wirtschaftspresse (z. B. »Capital«, »FinanzTest«) erscheinen, mit Ihrem Berater oder Vertreter.

* Ist der Versicherer schon lange am Markt?
Erkundigen Sie sich nach den bisher erbrachten Ablaufrenditen.

* Wie gut ist der Vermittler?
Unabhängige Berater (auch: Makler, Mehrfachagenten) sollten eine Vermögenshaftpflichtversicherung haben. Informieren Sie sich auch bei Vertretern über deren berufliche Aus- und Weiterbildung sowie Praxiserfahrung. Und: Ein Besuch im Büro des Beraters verschafft oft einen vollständigeren Eindruck über dessen Arbeit als nur die Gespräche bei Ihnen zu Hause.

Joachim Reuter, Mitarbeit: Frank Donovitz

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