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Versicherung: Die Praxen bleiben zu

Am heutigen Mittwoch laufen die Ärzteproteste gegen die rot-grünen Reformpläne des Gesundheitswesens an. Der Hartmannbund hat im Bezirk Westfalen-Lippe zu ersten ganztägigen Praxisschließungen aufgerufen.

Die Ärzteproteste gegen die rot-grünen Reformpläne für das Gesundheitswesen laufen heute an. Der Hartmannbund hat im Bezirk Westfalen-Lippe zu ersten ganztägigen Praxisschließungen aufgerufen. Der Verband rechnet damit, dass bis zu 5.000 der 11.000 Kassenärzte dem Aufruf folgen. Auch in Brandenburg soll es in kleinerem Umfang zu ähnlichen Aktionen kommen.

Hochburg der Ärzteproteste dürfte allerdings Berlin werden. Dort sollen vom 29. Januar an jeweils 20 Prozent der Mediziner ihre Praxen tageweise schließen. Die medizinische Versorgung der Bürger soll aber gesichert bleiben.

Mit den Protesten wehren sich die Mediziner gegen die Reformpläne von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Sie fürchten als Folge das Aus für die niedergelassenen Fachärzte "um die Ecke". So wolle Schmidt deren Aufgaben an die Krankenhäuser verlagern.

Der Kanzler soll einschreiten

Der Sozialverband VdK forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf, gegen die Protestaktionen einzuschreiten. Er dürfe nicht zulassen, dass die Patienten über Wochen als Geiseln benutzt würden, um die Honorarforderungen der Ärzte durchzudrücken, verlangte VdK- Präsident Walter Hirrlinger in der Chemnitzer "Freien Presse". Auch das Gesundheitsministerium hatte am Dienstag scharfe Kritik an den Protestaktionen geübt und die Praxisschließungen als rechtswidrig bezeichnet. Die Kassen drohten den Ärzten mit Strafmaßnahmen bis hin zum Entzug der Kassenzulassung, wenn sie die Patientenversorgung vernachlässigen. Patienten wurden aufgefordert, streikende Ärzte zu melden.

Allerdings geht der Vorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Roland Sing, von einer geringen Beteiligung der Ärzte aus. "Das ist in erster Linie eine Aktion der Funktionäre. Die meisten Ärzte werden da nicht mitmachen", sagte er dem "Mannheimer Morgen". Vor allem die Hausärzte seien gegen Praxisschließungen. "Damit schaden sie sich nur selbst."

Private Versicherung für Risiko-Hobbys?

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) lässt unterdessen die Streichung von Unfällen durch Risiko-Hobbys aus dem Kassenkatalog prüfen. Konkret nannte sie Drachenfliegen, Ski- und Motorradfahren. Es sei eine "berechtigte Forderung", dass sich Menschen, die solche Hobbys pflegten, privat gegen Unfälle versichern müssten, sagte Schmidt dem Berliner "Tagesspiegel". Für Unfälle im Haushalt sollen dagegen weiter die Kassen aufkommen.

DPA