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Vorsorge: Nicht alt aussehen

Wer noch 2002 von privater oder betrieblicher Riester-Rente profitieren will, muss sich beeilen. Aber nicht jedes Angebot ist gut.

Schon "geriestert"? Noch nicht? Dann könnte es knapp werden. Wer noch in diesem Jahr vom staatlichen Zuschuss profitieren will, muss sich sputen. Schon melden die ersten Finanzkonzerne, dass sie Anträge für die neue pri- vate Altersvorsorge, bekannt als Riester-Rente, nur noch vor Weihnachten annehmen. Mit "hohem Verwaltungsaufwand und bestimmten Steuerfristen" begründet die Hamburger Versicherung Neue Leben ihren Annahmeschluss am 16. Dezember. Große Fondshäuser wie DWS und DIT nehmen bis zum 20. Dezember Riester-Fondssparpläne für dieses Jahr an. Ähnlich kurz ist in vielen Betrieben die Zeit, um noch 2002 am firmenorganisierten Vorsorge-Sparen teilzunehmen. Viele Verbraucher haben es denn auch eilig. Einen regelrechten Run meldet der Volksbanken-Fondsanbieter Union Investment, wo allein in der vergangenen Woche rund 5000 Riester-Verträge abgeschlossen wurden.

Nicht hetzen

Doch niemand sollte sich unter Druck setzen lassen. "Gute Beratung und eine ruhige Entscheidung sind allemal besser als der hastige Abschluss am Silvestertag", sagt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Letztlich bemisst sich die Höhe der Rente an den Jahren, in denen sich das eingezahlte Geld verzinsen kann. Wer also erst 2003 abschließt, verzichtet zwar auf ein Sparjahr, andererseits kann sich eine überhastete Unterschrift unter ein womöglich schlechtes Angebot später bitter rächen.

Vergleichen fällt schwer

Gerade die Produkte der Investmenthäuser sind kompliziert und untereinander schwer zu vergleichen - nicht die beste Basis für eine Entscheidung unter Zeitdruck. Verbraucherschützer Bieler empfiehlt Anlegern, die sich unbedingt ihre Förderung sichern wollen, zunächst einen Riester-fähigen Banksparvertrag abzuschließen. "Sie erhalten die Zulage und müssen keine Abschluss- und Verwaltungskosten zahlen. Im nächsten Jahr können sie in aller Ruhe das für sie passende Produkt wählen. Ein Wechsel ist kostengünstig."

Auch eine Nachfrage beim Arbeitgeber kann sich lohnen. Noch bietet nicht jede Firma eine Riester-Betriebsrente an, doch Bieler weiß: "Da wird sich in den nächsten Monaten viel tun." Die Idee der "riesterfähigen" Betriebsrente ist einfach: Der Arbeitnehmer schließt nur einen betrieblich organisierten Sparvertrag ab, der sowohl Steuervorteile als auch den Riester-Zuschuss bringt. Nur Mitsparen für Ehepartner funktioniert dabei nicht. Ansonsten ist die Lösung übersichtlich und kostengünstig (siehe Infografik).

Nicht immer gibt's den Zuschuss

Doch auch hier kommt es aufs Kleingedruckte an. Denn nicht bei jeder Betriebsrente, die riesterfähig ist, gibt es auch den staatlichen Zuschuss. Ob man mit der betrieblichen Direktversicherung, Pensionskasse oder dem Pensionsfonds Riester-Sparen kann, handeln Tarifparteien, Firmenchefs, Betriebsräte und Finanzdienstleister aus. Mit unterschiedlichen Resultaten: Betrieblich "riestern" kann man zum Beispiel bei den Versorgungswerken MetallRente und BauRente. Nicht möglich ist dies aber beim ZukunftsFonds der Medienindustrie und " zunächst nicht vorgesehen" beim Chemie-Pensionsfonds. Hinter vorgehaltener Hand heißt es dazu, manche Finanzkonzerne wollten ihr bislang schleppendes Geschäft mit privaten Riester-Verträgen nicht auch noch zugunsten einer für Verbraucher cleveren Betriebslösung beschneiden. Betroffenen Arbeitnehmern bleibt da nur eins: Nörgeln beim Chef oder Betriebsrat.

Frank Donovitz/ Joachim Reuter