HOME

Abgeltungssteuer: Fit für den Finanzberater

Falsche Versprechungen, versteckte Gebühren und eine Menge Ahnungslosigkeit: Wer in Zeiten von Finanzkrise und drohender Abgeltungssteuer zu seinem Bank- oder Finanzberater geht, sollte wissen, worauf er sich einlässt - sonst kann es teuer werden. Auf diese Punkte sollten Sie unbedingt achten.

Von Lenz Jacobsen

Wer sein Geld gewinnbringend und vernünftig anlegen will, braucht gerade in wirtschaftlich so stürmischen Zeiten gute Berater an seiner Seite. "Aber viele 'heiße Tipps' der Berater sind in Wahrheit eiskalt", weiß Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW.

Gerade die für viele Bankkunden verlustreiche Anlagestrategie in Lehman-Brothers-Index-Zertifikate hat gezeigt, dass sich Berater oft über die Wünsche ihrer Kunden hinwegsetzen. So wurden Indexzertifikate auch jenen Anlegern angedient, die eigentlich 100-prozentige Sicherheit für ihre Geldanlage wollten - entweder weil das Geld später einmal für die Ausbildung der Kinder gedacht war oder weil es als Basis für die spätere Altersvorsorge dienen sollte.

Außerdem lassen sich viele Kunden von einem sicheren Auftreten, einem seriösen Outfit mit Anzug und Krawatte sowie vielen Fachwörtern leicht blenden. Dabei gibt es einige Punkte, an denen Sie erkennen können, ob sich Ihr Berater wirlich um Sie und Ihr Geld kümmert - oder Sie einfach nur abzocken will. Wir sagen Ihnen, wie Sie sich am besten vorbereiten und worauf Sie achten sollten, damit Sie gut gerüstet ins Beratungsgespräch gehen. Ihr Geld wird es Ihnen danken.

Wer berät mich da überhaupt?

Hier fängt das Problem schon an. Denn Finanzberater nennen kann sich theoretisch jeder, die Berufsbezeichnung ist nicht gesetzlich geschützt. Deshalb ist es wichtig, sich darüber zu informieren, wem man da genau gegenüber sitzt. Der Idealfall ist der unabhängige Finanzberater, der auf Honorarbasis berät. Das heißt zwar, dass man auch dann zahlt, wenn man den Beratertipps gar nicht folgt - doch das kann sich trotzdem lohnen. Denn diese Berater empfehlen einem wirklich nur die Anlagen, die sie für die geeignetsten halten.

Was gut ist, kostet auch

Denn die erdrückende Mehrheit der Finanzberater, auch von großen Agenturen wie AWD, die sich selbst als unabhängig bezeichnen, arbeiten auf Provisionsbasis. Je mehr Produkte sie an den Mann oder die Frau bringen, desto mehr Geld fließt auch in ihre eigene Tasche. "Die müssen unbedingt verkaufen, damit sie leben können", sagt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale dazu. Dafür ist die Beratung an sich meist kostenlos.

Ein ähnliches Problem gibt es bei den Bankberatern. Zwar kostet auch hier die Beratung nichts, aber es werden bevorzugt die eigenen Produkte empfohlen. Meist kassiert der Berater auch noch Provisionen für bestimmte Anlageformen. Für Finanzexperte Bieler ist daher klar: "Berater, die wirklich was bringen, kosten auch was."

Tipp: Wenn Sie die kostenlose Beratung bei ihrer Hausbank in Anspruch nehmen, fragen Sie nach, ob und wofür Ihr Berater Provisionen bekommt.

Woher weiß der Berater, was ich brauche?

Beim Finanzberater ist es ein bisschen wie beim Arzt: Vor der Therapie kommt die Diagnose: Bevor Ihnen Wege zur Geldvermehrung empfohlen werden können, muss der Berater zuerst wissen, wie genau Sie anlegen wollen. "Ich kann nur dann gut beraten, wenn ich weiß, wen ich vor mir habe", sagt Finanzexperte Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale. Im Gespräch sollten folgende Fragen geklärt werden:
• Sind Sie risikobereit oder auf Sicherheit bedacht?
• Wie viel Geld wollen Sie überhaupt anlegen?
• Und für wie lange?
• Wie lagert Ihr Geld bisher?
• Wie ist Ihre berufliche und steuerliche Situation?
Tipp:Wer sich diese Fragen vor dem Beratungsgespräch selbst genau beantwortet, lässt sich sicher weniger leicht zu Dingen überreden, die eigentlich unvernünftig sind.

Auf die richtigen Fragen achten

Dass die Empfehlungen auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sein müssen, ist das A und O einer guten Finanzberatung. Was nützt mir ein Fonds mit 40 Prozent Rendite in zehn Jahren, wenn ich das angelegte Geld vielleicht schon in fünf Jahren für die Ausbildung meiner Kinder brauche?

Berater, die diese Standards nicht zu Beginn abfragen, die sich also nicht für ihre Kunden interessieren, taugen nichts. "Da kann man dann direkt auf dem Absatz wieder kehrt machen", urteilt auch Verbraucherzentralen-Experte Bieler.

Wer verdient wie mit?

Wegen der in Deutschland üblichen Praxis, dass Berater meist auf Provisionsbasis arbeiten, ist der Punkt Gebühren vielleicht der heikelste bei der Finanzberatung. Gute und faire Berater verraten von sich aus, was ihr Anteil bzw. der Anteil der Bank am Preis für das Produkt ist. Doch das ist bei Weitem nicht die Regel. Deshalb: Immer offen nachfragen. Denn allzu oft verstecken sich in den Kalkulationen noch Gebühren, die der Laie nicht als solche erkennen kann. "Wer weiß zum Beispiel schon, dass bei Fonds auch ein Teil der so genannten Verwaltungskosten als Provision an die Bank gehen?" mahnt Finanzexperte Bieler. "Da fließen auf für den Kunden versteckten Wegen zum Teil satte Provisionen." Und wenn man weiß, welche Produkte für den Berater selbst besonders lukrativ sind, relativeren sich auch manche heißen Empfehlungen wieder.

Tipp:

Generell gilt, dass an jeder Umschichtung der Geldanlage bzw des Depots Berater und Banken mitverdienen. "Hin und Her macht Taschen leer", heißt das in der Branche. Wägen Sie daher genau ab, ob eine Umschichtung in Ihrem Depot Ihnen wirklich Vorteile verschafft.

Lohnen sich Aktien wirklich wieder?

"Der Markt hat seinen Tiefpunkt erreicht, jetzt geht es wieder aufwärts." Mit solchen Sprüchen versuchen Finanzberater, ihren Kunden Aktien anzudrehen. Dabei sollte gerade die jüngste Finanzkrise und die Unbeholfenheit und Wehrlosigkeit, mit der riesige Banken und vermeintliche Experten auf sie reagierten haben, deutlich machen, wie unberechenbar die Börsen sind. "Keiner weiß, was morgen ist - und erst recht nicht, was nächste Woche passiert, sagt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale NRW. "Wer jetzt in Aktien investiert, der zockt".

Manches macht nur sehr langfristig Sinn

Sehr beliebt ist auch folgende These: "Selbst wenn die Aktienmärkte mal zwischenzeitlich einbrechen wie jetzt, auf lange Sicht gibt es da einfach die besten Renditen." Das mag zwar in der Theorie nicht ganz falsch sein, in der Praxis ist es riskant. Denn wer garantiert, dass die Aktienmärkte nicht gerade dann einbrechen, wenn ich an mein Geld will?

Tipp:

Eine Anlage in Aktien kommt nur für Personen in Frage, die langfristig auf das investierte Geld nicht angewiesen sind und so auch auftretende Kursschwankungen aussitzen können.

Muss ich mich wegen der Abgeltungssteuer beeilen?

Seit Monaten schlagen Berater und Banken wegen der ab 2009 geltenden Abgeltungssteuer Alarm. Sie hoffen darauf, dass Anleger deshalb massenweise in ihre Arme strömen. Dabei spielt diese heiß diskutierte Änderung für viele Bürger überhaupt keine Rolle. "Das ist eigentlich nur für die relevant, die jetzt gezielt auf Kursgewinne von Aktien setzen wollen, also aktive Wertpapieranleger", erklärt Experte Bieler. Für diese kann es Sinn machen, sich noch in diesem Jahr zu entscheiden. Allerdings sollte man sich auch dann immer wegen einer wirklich attraktiven Anlage und nicht wegen des vermeintlichen Zeitdrucks durch die Abgeltungssteuer entscheiden. "Denn jede Umschichtung kostet ja erstmal Geld, das durch Kursgewinne wieder reinkommen muss", mahnt Bieler - und rät deshalb, sich von den Beratern nicht hetzen zu lassen: "Der Zeitdruck wird oft künstlich aufgebaut, sich noch mal zwei Wochen zurücklehnen ist meist besser".

Zinssparer sollten warten

Für einen Teil der Anleger, die Zinssparer, kann es sich sogar lohnen zu warten. Denn bisher werden die Zinseinkünfte mit dem Einkommenssteuersatz des Anlegers besteuert. In Zukunft sind es 25 Prozent für alle. Gerade Vielverdiener müssen ab nächstem Jahr also weniger von ihren Gewinnen wieder abgeben.

Lohnen sich "Alles-aus-einer-Hand"-Angebote?

Die Idee ist verlockend: Eine Bank, ein Ansprechpartner, und Ruhe ist an der Finanzfront. Viele Banken versuchen, mit der Bequemlichkeit ihrer Kunden Geld zu machen, indem sie Ihnen alles aus einer Hand anbieten.

Verstecktes Risiko

Doch viele dieser Komplettpakete haben einen Haken: "Man lockt die Leute beispielsweise mit einem tollen befristeten Festgeldzins von 6 Prozent für 6 Monate", erzählt Bieler, "doch mit der Hälfte des angelegten Geldes muss man dann in einen riskanten Fonds mit hohem Ausgabeaufschlag investieren."

Tipp:

Wer also zur Paketlösung neigt, sollte das ach-so-attraktive Angebot erstmal aufschnüren und sehen, ob sich zwischen den Filetstückchen nicht auch der ein oder andere schwer verdauliche Knochen versteckt.

Wie kompliziert darf das Produkt sein?

Experte Thomas Bieler stellt dazu eine einfach Faustregel auf: "Ein seriöser Berater verkauft nur das, was der Kunde auch wirklich verstanden hat. Und ein Anleger sollte umgekehrt auch nur das kaufen, was er verstanden hat." Japanische Nebenwertfonds und Bonus-Zertifikate müssten also erst sehr gut erklärt werden, um als Anlage überhaupt in Betracht zu kommen.

Nur kaufen, was man verstanden hat

Doch wie soll man erklären, was man selbst nicht wirklich kennt? "Das ist ja das Verrückte heute", erregt sich Verbraucherschützer Bieler, "die Berater wissen oft selbst nicht genau, was sie da eigentlich verkaufen sollen, die lesen einfach den Prospekt ab". Dadurch werden die Risiken unkalkulierbar. "Gerade bei Zertifikaten guckt keiner mehr dahinter, was da genau passiert." Und am Ende weiß im schlimmsten Fall weder Berater noch Kunde, in welchen Kanälen und zu welchen Konditionen das Geld landet.

Gerade bei hoch komplizierten Produkten, die traumhafte Erträge versprechen, sollten sich die Anleger die vielleicht einzig verlässliche Finanzweisheit ins Gedächtnis rufen: Mehr Rendite gibt es immer nur für mehr Risiko. Außerdem rät Bieler, nie nur den mündlichen Ausführungen des Beraters zu vertrauen, sondern immer nach allen verfügbaren schriftlichen Unterlagen zu verlangen. "Die kann man sich dann noch mal in Ruhe durchlesen, bevor man dann wirklich unterschreibt."

Tipp:

Je komplizierter das angebotene Anlageprodukt, desto wichtiger ist es, dass Sie genau verstehen, wie es funktioniert. Liest Ihnen der Berater nur einen Prospekt vor, dann Hände weg. Das ist ein sicheres Zeichen, dass er selber nicht versteht, worum es geht. Je höher die Rendite, desto riskanter dürfte die Anlage sein. Verlassen Sie sich nicht nur auf mündliche Ausführungen - fordern Sie so viele schriftliche Unterlagen an, wie Sie brauchen, um alles daheim nochmals nachvollziehen zu können. Unterschreiben Sie nichts vorschnell. Niemand hält Sie davon ab zu zocken, aber seien Sie sich der Risiken dann auch voll bewusst.