Renteninfo Rente wird schön gerechnet


Ab diesem Jahr bekommen 42 Millionen Bürger zwischen 27 und 54 Jahren Post von ihrem Rentenversicherer. Darin werden die möglichen Beträge ab dem 65. Lebensjahr vorgerechnet. Kritiker warnen davor, diese Summen ernst zu nehmen.

Die Rentenkassen sind klamm. Minusrunden und Spekulationen über Kürzungen lassen die Unruhe bei den Rentnern von heute und morgen steigen. Da ist jede Information darüber willkommen, mit wie viel Geld vom Staat man persönlich einmal rechnen kann. Ab diesem Jahr bekommen 42 Millionen Bürger zwischen 27 und 54 Jahren Post von ihrem Rentenversicherer. Darin werden ihnen mögliche Beträge ab dem 65. Lebensjahr vorgerechnet. Schön gerechnet, wie Kritiker warnen. Die Rentenprognosen seien nur mit Vorsicht zu genießen, sind Verbraucherschützer überzeugt.

Renteninfo nur "grober Richtwert"

"Achtung, die Lage ist nicht so rosig wie auf dem Papier ausgedruckt", betont Sabine Kohls vom Sozialverband VdK. Die Renteninformation, die jetzt den Rentenversicherten Jahr für Jahr ins Haus flattert, sei "höchstens ein grober Richtwert". Wer den Bescheid in Händen halte, dürfe die vorgerechnete künftige Monatszahlung auf keinen Fall für bare Münze nehmen, mahnt auch Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, zur Skepsis und rät: "Lieber mit weniger Geld rechnen."

Die Angaben seien zur "Orientierung" gedacht, räumt auch Ulrich Theil ein, Sprecher der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA). Damit man mögliche Versorgungslücken im Alter ausmachen und mehr privat zur Seite legen kann. Und Birgit Winter von der LVA Oberbayern gibt zu: "Sicherheit können wir nicht bieten, nur eine Vorstellung, wie es sein kann." Seit Mitte 2002 sind die gesetzlichen Rentenkassen dabei, ihre Versicherten allmählich mit Rentenprognosen zu versorgen. Seitdem gab es bereits einige Korrekturen. Erst in diesem Jahr werden alle ihr persönliches Exemplar in den Händen halten.

Summe wie "Brutto-Lohn" betrachten

"Wichtig ist, dass man die vorgerechneten Zahlen wie einen Brutto-Lohn betrachtet", gibt Stefanie Zipp, Rentenexpertin von "Finanztest" zu bedenken. Die aufgeführten Summen gebe es nicht etwa bar auf die Hand. Abgezogen werden müssten noch die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. Das müssen die Versicherten selbst ausrechnen. Und dann langt noch die Steuer zu. Was unter anderem aufgemacht wird, sind drei Varianten für die Altersrente: eine Hochrechnung ohne Rentensteigerung (also ohne Anpassung an steigende Löhne), eine Prognose mit 1,5 prozentiger Erhöhung pro Jahr und eine mit 2,5 Prozent Rentensteigerung jährlich (früher noch optimistische 3,5 Prozent).

Die Rentensteigerung richtet sich aber nach der Entwicklung der Löhne und Gehälter. Grob vereinfacht gesagt: steigen diese um mindestens 1,3 Prozentpunkte im Jahr, steigt auch die Rente. Genau das war 2004 nicht der Fall. Auch 2005 und 2006 dürfte eine Rentenerhöhung ausfallen. Fallen Löhne und Gehälter, könnten die Altersbezüge sogar gekürzt werden - was in der Geschichte der Bundesrepublik bislang noch nie vorkam. "Und so wie die Lage heute ist mit all den Nullrunden, braucht man nicht mehr mit 1,5 Prozent hochrechnen, geschweige denn mit 2,5", kritisiert Bieler. Rentenhochrechnungen auf dieser Basis sei realitätsfern. "Das wird sich in den nächsten 20 Jahren auch nicht ändern." Auch Kohls rät dazu, fürs Alter nicht mit der höchsten persönlichen Prognose zu rechnen sondern mit der kleinsten Zahl auf dem Bescheid. Schlimmstenfalls mit noch weniger.

"Achtung, keine verlässliche Planungsbasis"

Wichtig für die Berechnung der denkbaren Altersrente ist auch immer das Einkommen der letzten fünf Jahre. Wer in der Zeit davor mehr verdient hat, kriegt also eine höhere Rente als in der Info angegeben. Umgekehrt gilt aber auch: wer vorher weniger verdient hat, kriegt auch weniger raus als vorhergesagt. Und was die kommenden Jahre bis zur Rente bringen, weiß sowieso noch niemand. Genauso wenig, was der Euro in vielen Jahren überhaupt noch wert ist. Der Kaufkraftverlust müsse immer bedacht werden, betont Bieler. Außerdem wurde 2005 ein so genannter Nachhaltigkeitsfaktor in die Formel zur Rentenberechnung eingeführt. Das bedeutet: Gibt es mehr Rentner und weniger Beitragszahler - wie zurzeit - fallen die Renten geringer aus.

Und noch einen Faktor gilt es seit diesem Jahr einzukalkulieren: die neu eingeführte Besteuerung der Altersbezüge, die schrittweise bis 2040 auf 100 Prozent erhöht wird. Wer sich 2025 zur Ruhe setzt, muss beispielsweise 85 Prozent seiner gesetzlichen Rente versteuern. Das wird in der Renteninfo allerdings nur ganz allgemein kurz erwähnt. Für Bieler ist klar: "Unter die Prognosen der Renteninfo kann man nur fett drunter schreiben: Achtung, keine verlässliche Planungsbasis für die nächsten 20 Jahre."

Berrit Gräber/AP AP

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