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Vor zehn Jahren: Balsam-Milliardenpleite erschüttert die Finanzwelt

Die Skandalpleite des weltgrößten Sportbodenherstellers begann mit unternehmerischem Größenwahn und einer anonymen Anzeige.

Die Balsam-Affäre hat alle Zutaten für einen spannenden Wirtschafts-Krimi: Der Skandal um die Pleite des weltgrößten Sportbodenherstellers beginnt mit unternehmerischem Größenwahn und einer anonymen Anzeige in einem Bahnhofsschließfach. Er mündet in eine der größten Insolvenzen der Bundesrepublik. Staatsanwälte und ein Landesjustizminister geraten wegen schleppender Ermittlungen in Erklärungsnot. Und 45 Banken - darunter die namhaften Kreditinstitute - sind blamiert. Ihren skurrilen Höhepunkt erreicht die Affäre, als ein Finanzmanager mitten im Gerichtsprozess seinen Tod vortäuscht und später am anderen Ende der Welt aufgespürt wird.

Insolvenz im Juni 1994

Am 10. Juni 1994 wurde der Eklat ruchbar: Balsam beantragte Insolvenz. Der Schaden von damaligen 1,44 Milliarden DM (rund 740 Millionen Euro) war Ergebnis cleverer Manipulationen, die wohl in erster Linie Firmenchef Friedel Balsam und Finanzchef Klaus Schlienkamp in die Wege leiteten. Ihre Balsam AG hatte als Vorbild ungebremsten Wachstums gegolten: Die Firma in Steinhagen bei Bielefeld stattete Stadien, Tennisplätze, Turnhallen und Laufparcours mit Böden und Kunstrasen aus. Angefangen hatte Friedel Balsam in den 60er Jahren mit einem Lastwagen, einer Schreibmaschine und geliehenen 7.000 Mark. Dank aggressiver Dumping-Preise entwickelte sich die Firma mit dem Werbespruch "Wir bereiten dem Sport den Boden" in den 80ern zum Weltmarktführer. In zehn Jahren kaufte sie zwei Dutzend Konkurrenten auf. "Dabei verlor ich die eigenen Kosten völlig aus dem Auge", erinnerte sich Friedel Balsam später vor Gericht. Die Geschäftszahlen waren schließlich genauso rot wie die Schlacke von Zechenhalden, die das Unternehmen verarbeitete. Vielsagend sagte Schlienkamp: "Das Unternehmen war auf Sand gebaut."

Funktionierte wie ein Schneeball-System

Daher beschafften sich die Manager eine sprudelnde Geldquelle: Sie ließen sich künftige Auslandsprojekte von Banken vorfinanzieren. Die Vorhaben waren im Ausmaß völlig übertrieben oder ganz und gar erfunden. Der Millionen-Segen wurde in Devisengeschäfte gesteckt. Deren Erträge stopften wiederum Finanzlöcher. Ähnlich einem Pyramidenspiel ging diese Rechnung aber nur eine Zeit lang auf. Systematisch fälschte die Balsam-Führung Jahresabschlüsse und die angeblichen Urkunden von Wirtschaftsprüfern. Am Ende beliefen sich die abgetretenen Forderungen auf Schwindel erregende 1,7 Milliarden DM - bei einem Jahresumsatz von 364 Millionen DM (1992). Zusätzlich gewährten noch mehrere Banken Direktkredite. Die Seifenblase platzte erst nach einer anonymen Anzeige bei der Polizei.

Strafprozess dauerte drei Jahre

"Das Verfahren erinnerte mich an Andersens Märchen von des Kaisers neuen Kleidern", sagte der Vorsitzende Richter Reinhold Hülsmann im September 1999 im Gerichtssaal. Das ausgefeilte Betrugssystem der Manager habe bei den kreditgebenden Banken einen "Massentaumel" ausgelöst. Nach dreieinhalb Jahren Strafprozess verurteilte der Richter im gleichen Atemzug Schlienkamp zu zehn Jahren, Balsam zu acht Jahren Haft - wegen Betruges in besonders schwerem Fall. Auch Nebenfiguren des komplexen Geflechts wurden zum Teil verurteilt.

Im Zuge des gewaltigen Strafverfahrens war dem Landgericht Bielefeld inzwischen einer der Angeklagten abhanden gekommen: Nach einem Abschiedsbrief, der den Freitod ankündigte, hatte sich Schlienkamps Spur 1998 in Cuxhaven verloren. Laut einer mysteriösen E-Mail war er beim Tauchen vor Kuba nicht mehr an die Oberfläche zurückgekehrt. "Sein Körper wurde von den Fischen gefressen", hieß es da. Die Fahnder ließen sich nicht beirren und spürten den ehemaligen Finanzchef wohlbehalten auf der philippinischen Insel Cebu auf. Nach dem Urteil in Abwesenheit trat er nun seine Strafe in Deutschland an.

Versagen der Wirtschaftsprüfer

Die Milliarden-Pleite hatte der deutschen Bankenlandschaft - nur Wochen nach dem Skandal um den Immobilienlöwen Jürgen Schneider - erneut einen gewaltigen Flurschaden zugefügt. Fassungslos erfuhr die Öffentlichkeit, wie dreist sich die Finanziers auch hier übers Ohr hauen ließen, wie Wirtschaftsprüfer offensichtlich versagt hatten. Dass die Staatsanwaltschaft fast zwei Jahre vor den Festnahmen eine Anzeige mit Details erhalten und erst auf Initiative der Polizei ermittelt haben soll, verlieh dem Skandal noch mehr Pikanterie. Ein Bielefelder Staatsanwalt wurde vorzeitig in den Ruhestand geschickt, einige seiner Kollegen wurden getadelt. Der frühere nordrhein-westfälische Justizminister Rolf Krumsiek (SPD) musste sich im Landtag massive Rücktrittsforderungen anhören. Er blieb. Später trat er nicht mehr zur Wiederwahl an.

Christof Bock, dpa / DPA
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.