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29. Januar 2007, 09:57 Uhr

Großreinemachen im Büro

Windows Vista ist nicht das einzige neue Microsoft-Programm in den Regalen: Gleich daneben steht - radikal überarbeitet - Office 2007. stern.de hat mit den Entwicklern gesprochen und zeigt, was Sie demnächst im Büro erwartet. Von Karsten Lemm

Der neue "Dokumentinspektor" prüft, welche Informationen sich in einer Datei verstecken und filtert sie auf Wunsch heraus© Microsoft

Die Welt ist ungerecht: Alle schauen auf Vista, das neue Windows, und kaum jemand beachtet Office 2007. Dabei hat sich bei der aktuellen Version des Microsoft-Büropakets in mancher Hinsicht mehr getan als beim Betriebssystem selbst. Denn so schick Vista in seinem transparenten "Aero"-Look auch aussehen mag - verglichen mit den drastischen Änderungen an Office ist das eher Kosmetik.

Eines für alles

Als Erstes fällt auf: Es gibt nur noch ein einziges Menü, links oben, das zuständig ist für Aufgaben wie "Drucken" oder "Speichern", die Dokumente ganz allgemein betreffen; alles andere übernimmt eine Symbolleiste, die sich ständig an die Arbeit anpasst, mit der man gerade beschäftigt ist. "Im Grunde hatte sich 25 Jahre lang an der Bedienerführung nichts geändert", erklärt Anne Weiler, Microsoft-Managerin für das Office-Team. "Und wenn Sie das vergleichen mit all den zusätzlichen Aufgaben, die wir heute erledigen wollen - der Unterschied ist dramatisch. Deshalb haben wir uns überlegt, was wir besser machen können."

Das Ergebnis war ein komplett neues Design für Word, Excel, Outlook & Co. - ein gewagter Schritt angesichts der Tatsache, dass Microsoft etwa ein Drittel seines Umsatzes mit Office macht und weltweit mehr als 300 Millionen Menschen mit den Programmen arbeiten. "Es war ein Risiko, ein großer Sprung, den wir aber irgendwann wagen mussten", gibt Microsoft-Übervater Bill Gates zu. "Aber nun, da wir ihn gewagt haben, ist das Feedback fantastisch."

"Mit Office 2007 brauchten die Tester 60 Prozent weniger Klicks"

Schon während der Entwicklung schaute Microsoft Nutzern sowohl des alten als auch des neuen Office ständig über die Schulter. Jeder Mausklick wurde registriert, jede Fahrt des Mauszeigers vermessen. Das Ergebnis: "Mit Office 2007 brauchten die Tester 60 Prozent weniger Klicks, um vergleichbare Aufgaben zu erledigen, und 65 Prozent kürzere Mausfahrten", berichtet Anne Weiler. Was gleichwohl nicht heißen muss, dass jeder mit dem neuen Design besser klarkommt. "Es ist schwer zu sagen, ob Menschen mit Office 2007 tatsächlich produktiver arbeiten", sagt Matt Rosoff von der Unternehmensberatung Directions on Microsoft. "Es kommt darauf an, wie man die Software nutzt - und wer sich gut auskennt, wird zumindest anfangs eine Weile brauchen, sich zurechtzufinden." Hinzu kommt die Frage des Geschmacks: Was dem einen gefällt, mag die andere unpraktisch oder unsinnig finden. Für die Entwickler eine unüberwindbare Hürde, wie Roland Radtke zugibt, ein 33-jähriger Deutscher, der als Design-Experte die neue Bedienerführung mit entworfen hat. "Einer unserer Chefs hat mal gesagt: Es ist ungefähr so, als würde man für 300 Millionen Menschen Pizza bestellen", erzählt Radtke. "Sie müssen sich nur einigen, was sie haben wollen."

Mindestens in einem Punkt allerdings gab es Konsens: "Clippy" musste weg! Der Office-Assistent, der aussah wie eine Büroklammer und ungefragt auf dem Bildschirm erschien, um hilfreich gemeinte Tipps zu geben, ging dann doch zu vielen Leuten auf die Nerven. "Clippy war die einzige Funktion, die uns Hass-E-Mails eingebracht hat", erzählt Radtke. "Ein Viertel der Nutzer konnte Clippy wirklich nicht ausstehen." Dem Rest war der aufdringliche Helfer egal, machen sogar sympathisch - aber am Ende war im Neudesign für ihn kein Platz mehr. "Die Multifunktionsleiste erfüllt im Grunde den gleichen Zweck", erklärt Radtke, "ohne die Menschen bei der Arbeit zu stören."

Leichter Umstieg hatte Priorität

Anders als Windows Vista, das in vielen Fällen nur auf brandneuen PCs vernünftig läuft, versteht Office 2007 sich auch mit älteren Rechnern. "Die meisten Firmen werden Vista kaufen, wenn sie neue PCs brauchen", glaubt Analyst Matt Rosoff. "Der Umstieg auf Office ist leichter, deshalb werden viele Menschen an ihrem Arbeitsplatz eher Office 2007 zu sehen bekommen als Vista."

Was Sie dann erwartet, zeigt Ihnen unsere Funktionsübersicht mit exklusiven Kommentaren der Office-Entwickler. Ein Porträt von Roland Radtke und seiner Arbeit finden Sie im stern-Heft Nr. 5/2007.

Von Karsten Lemm
 
 
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