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24. Februar 2008, 08:19 Uhr

Mein eigenes Buch

Viele Menschen schreiben Gedichte, Geschichten oder Erinnerungen - und glauben, es sei unbezahlbar, daraus ein Buch zu machen. Dank "Books on Demand" stimmt das nicht mehr. Von Sven Stillich und Lara Strathus

Die Tierheilpraktikerin Susanne Reinerth, 26, gibt Tipps zur Rohfütterung von Hunden© Markus J. Feger

Es zum ersten Mal in der Hand zu wiegen, reinzublättern, die eigenen Sätze schwarz auf weiß zu lesen - den Traum vom Buch träumen viele. Früher scheiterte er meist, weil sich kein Verlag fand, der das Selbstgeschriebene haben wollte. Heute ist das anders: Knapp 40 Euro plus zwei Euro Monatsgebühr kostet es, dann kann das eigene Buch in Buchhandlungen oder bei Amazon und ähnlichen Internetshops bestellt werden wie jedes andere auch. Die Idee und die Firma dahinter heißen "Books on Demand" - "Bücher auf Nachfrage". Und das bedeutet: Jedes Buch wird erst gedruckt und geliefert, wenn es jemand kauft. Es gibt kein Lager und keine Auflage, nur einen großen Raum mit Druckern in Hamburg. Die Bücher aber sind wie die eines Verlages: mit ISBN-Nummer, zwei Exemplaren in der Deutschen Nationalbibliothek und Eintrag im "Verzeichnis lieferbarer Bücher".

Sechs Millionen Exemplare wurden so bislang gedruckt, jeden Monat erscheinen rund 500 neue Titel bei "Books on Demand": Sachbücher, Lyrik, Fotobände, Romane. So wie "Natural Dog Food", ein Sachbuch über die Rohfütterung von Hunden. "Ich bin sehr stolz darauf ", sagt Autorin Susanne Reinerth, und das zu Recht: Rund 10.000 Exemplare hat die 26-Jährige verkauft. Einen Verlag hätte die Tierheilpraktikerin dafür kaum gefunden. "Ich war mir aber sicher, dass es einen Markt gibt", sagt sie, "und bei ‚Books on Demand‘ konnte ich noch dazu bestimmen, wie mein Buch aussieht, was es kosten soll und was ich verdienen möchte."

Vier Euro Gewinn

Das alles passiert online auf www.bod.de. Der Weg zum Buch ist einfach und standardisiert, sodass der Neuschriftsteller kaum Fehler machen kann. Autoren legen fest, wie viele Seiten ihr Buch haben soll, senden ihr Manuskript ein und wählen ein Umschlagbild aus. Am Ende steht die Entscheidung, zu welchem Preis und mit wie viel Gewinn sie das Buch verkaufen wollen - bei 180 Seiten und 15,90 Euro Verkaufspreis gehen pro Exemplar rund vier Euro an den Autor. Der behält das Urheberrecht, er muss aber darauf achten, dass sein Buch keine Rechte anderer verletzt.

© Markus J. Feger

"So viele Menschen haben Geschichten in der Schublade", sagt Moritz Hagenmüller, der Geschäftsführer von "Books on Demand", "und deren Ideen bringen wir in den Buchhandel." Dabei sieht sich sein Unternehmen nicht als Verlag oder als Bedrohung renommierter Verlage: "Im Gegenteil", sagt er, "einige große Verlage wie zum Beispiel Suhrkamp lassen inzwischen auch bei uns drucken." Er könnte sich auch kaum als Gegner der Buchbranche darstellen, denn "Books on Demand" ist eine Tochter des Buchdienstleisters Libri, der mit Verlagen sein Geld verdient. Dennoch freut es Moritz Hagenmüller "guerillamäßig", wenn Titel von "Books on Demand" erfolgreich sind, die zuvor von Verlagen abgelehnt wurden. "Dann können wir denen mal zeigen: Es geht auch anders."

Bekannte Autoren

Das Angebot von "Books on Demand" ist riesig: 70.000 Titel sind auf dem Server gespeichert und können auf Abruf zum Buch werden. Einige verkaufen sich gut, andere überhaupt nicht. Die Spannbreite an Themen ist so groß wie die der Qualität. Opas Flucht aus Posen steht neben einem Band über "Fotomodelposen", ein Buch über Trinkspiele konkurriert mit einem über Nahtod-Erfahrungen. Inzwischen veröffentlichen bei "Books on Demand" sogar bekannte Autoren wie Elke Buschheuer oder Hugo Egon Balder.

Marianne Cranen, 56, hat das Tagebuch ihrer an Krebs verstorbenen Tochter veröffentlicht© Markus J. Feger

Auf Platz 1 der Belletristik-Bestsellerliste aber steht "Ich will nicht, dass ihr weint", das Tagebuch der 16-jährigen Jenni, die 2004 an Krebs gestorben ist. "Ich erfülle mit dem Buch einen Wunsch meiner Tochter", sagt Jennis Mutter Marianne Cranen, "sie hat das letzte Kapitel noch im Krankenhaus ihrer Schwester diktiert." 11 000 Exemplare hat sie bislang verkauft, alle Erlöse gehen an die Kinderkrebshilfe. Ein Verlag hatte das Buch zuvor abgelehnt.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 08/2008

Von Sven Stillich und Lara Strathus
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Licorice (25.02.2008, 23:37 Uhr)
Kein Blödsinn!
Die Bücher dieser Verlage sind regulär bei Amazon und allen großen Buchverteilern zu beziehen (sofort und bis zu zwei Wochen Lieferzeit), was schon einmal kein Blödsinn, sondern Tatsache ist. Des weiteren sind die Bücher regulär im Buchhandel zu bestellen, soweit deren Buchkatalog aktualisiert ist. Die wenigsten Bücher werden groß in Buchhandlungen beworben - meist nur die Bestseller. Das ist also kein großer Verlust für BoDs. Wenn sich 95% der jährlich regulär veröffentlichen Bücher kaum bis gar nicht verkaufen, dann braucht man seine eigenen nicht nebendran ins Regal zu stellen, sondern kann sie bei Neigung auch selbst im Internet vermarkten.
Jeder wie er kann. Wer direkt sagt: "Das klappt doch nie!", der hat in seinem eigenen Fall sicherlich Recht.
greywolf (25.02.2008, 12:59 Uhr)
Blödsinn
BoD ist genauso gut oder genauso schlecht wie alle anderen Zuschussverlage. Er ist vielleicht günstiger, hat aber dafür keinerlei Außendienstpersonal für die direkte Bewerbung im Bücherhandel. Ohnehin: Wer damit glaubt, seine Bücher im Buchhandel verkaufen zu können, ist schon mal schief gewickelt. Wie mir ein Buchhändler verriet, wird wegen der ungewöhnlich schlechten Bedingungen von BoD kein normaler Buchladen diese Bücher in sein Sortiment aufnehmen. Ausnahmen werden höchtens bei extrem gut laufenden Büchern gemacht - aber die meisten Bücher laufen halt nicht gut.
Licorice (25.02.2008, 00:39 Uhr)
Tolle Idee!
Außer dem beworbenen BoD kann ich noch lulu.com und tredition.de empfehlen. Ich denke, dass dieser Art der Veröffentlichung eine große Zukunft bevorsteht. Es würde mich nicht wundern, wenn in den nächsten Jahren die ersten Bücher dieser Art in den etablierten Bestsellerlisten zu finden sein werden: Das Prinzip der verlagslosen Musik brachte jetzt schon die ersten CDs in die Charts.
Die Idee des sich selbst vermarktenden Künstlers ist nur konsequent in einer Zeit, in der gewinnorientierte Konzerne zu seelenlosen Feinden ihrer eigenen Künstler und Kunden geworden sind.
Allein finanziell zahlt es sich sicher eher aus, 100 Bücher selbst zu verlegen, bewerben und zu verkaufen, als die Einnahmen für 100 verkaufte Bücher mit einem herkömmlichen Verlag zu teilen.
feldsalat (24.02.2008, 22:44 Uhr)
Werbung für Bod?
Etwas einseitig "BoD"-lastig - dieser Artikel. Gerade einmal "lulu" kommt in einem Link am Rande noch vor. Es gibt heute sehr viel mehr Printing on Demand-Anbieter, die für die Autoren zum großen Teil sogar sehr viel günstiger sind als "BoD".
Vielleicht informieren Sie sich einmal etwas umfassender auf der WebSite wege-zum-buch.de ...
clavacs (24.02.2008, 14:12 Uhr)
Manipulation
Soeben schrieb ich von Manipultaion ...
Books on Demand könnte funktionieren, hat die Staatsdämonie, wie in meinem Fall das Sagen, findet man sich unter massiven Intrigen und Manipulationen wieder ...
clavacs
clavacs (24.02.2008, 14:07 Uhr)
BoD
Books on Demand könnte funktionieren, hat die Staatsdämonie, wie in meinem Fall das Sagen, findet man sich unter massiven Intrigen und Manipulationen wieder ...
clavacs
the_Nick (24.02.2008, 09:46 Uhr)
Preisbindung?
Na, dann kann ja auch die Preisbindung aufgehoben werden.
In anderen Ländern gibt es book on demand schon länger. Weil es dort keine Marktregulierung gibt, setzten sich inovative Ideen auch schneller durch.
Genauso wie der Markt für kleine digitale Druckmaschinen...
Super Idee...
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