Eltern, stellt keine Kinderfotos auf Facebook!

28. Juni 2013, 09:43 Uhr

Kinderfotos mögen süß sein, doch sie haben nichts auf Facebook und Co. verloren. Dennoch stellen viele Eltern das Leben ihres Nachwuchses im Netz zur Schau. Das muss ein Ende haben. Ein Gastbeitrag von Tobias Schäfer

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Facebook, Kinder, Fotos, Diskussion, hochladen, Bilder, Privatsphäre

Bedenkliche Entwicklung: Allzu oft findet sich das komplette Leben des Kindes in dem Facebook-Profil der Eltern wieder

Liebe Facebook-affine Eltern,
auf die Gefahr hin, mich als lehrmeisterhaft oder spießig dastehen zu lassen, muss ich jetzt dringend was loswerden: Mittlerweile hat sich das Posten von unzähligen Fotos eurer Kinder zu einem regelrechten Wetteifern entwickelt. Dort, wo anfangs (meines Erachtens noch relativ unproblematisch) das Kind nach der Geburt auf einem Familienfoto den Freunden bei Facebook präsentiert wurde, findet sich jetzt allzu oft das komplette Leben des Kindes in dem Profil der Eltern wieder.

Es mehrt sich der Eindruck, dass einige Eltern keinerlei Bedenken bei der Veröffentlichung teils höchstpersönlicher Bilder ihrer Kinder im Internet hegen. Gerade bei sommerlichen Temperaturen scheinen Eltern die Hemmungen, ein Bild des Kindes zu posten, mit der Kleidung desselben abzulegen. Ein möglicherweise fataler Entschluss: Es fragt sich, wie viele von den aktuellen Eltern sich früher (und noch heute) geniert haben, wenn die eigenen Eltern beim Kaffeeklatsch im recht engen Kreise die Kinderfotos hervorgezaubert haben. Selbst bei penibel gewählten Privatsphäreeinstellungen dürfte der "Verteilerkreis" auf sozialen Netzwerken im Vergleich zu Omas Kaffeekränzchen ungleich - in den meisten Fällen unüberschaubar - groß sein.

Fragt doch mal eure Kinder

Nicht wirklich schlimm? Fragt doch mal eure Kinder, wenn sie ein paar Jahre älter sind und die Fotos von ihren Schulkameraden mit einem verachtenden Lachen auf die eigene Pinnwand gepostet bekommen. Von noch schlimmeren Möglichkeiten als dem schon heute immer häufiger vorkommenden Cybermobbing mal ganz abgesehen ...

Liegt es wirklich noch im Interesse des Kindes, Hunderte potenzielle Peinlichkeiten und Angriffspunkte zu schaffen? Wer jetzt argumentiert, dass man Fotos schließlich auch wieder von Internetseiten löschen könne, vergisst, dass das Internet nicht vergisst. Schlimmer noch: Dritte, die die Fotos betrachten können, haben regelmäßig auch die Möglichkeit, sich diese Fotos auf ihren Rechnern zu speichern. Dass dies dann wieder zu einer bewussten oder versehentlichen Weiterveröffentlichung auf nicht absehbare Zeit führen kann, der man teils auch rechtlich nur begrenzt und sehr aufwendig entgegentreten kann, bedarf wohl keiner weiteren Ausführung.

Erst denken, dann posten

Ihr alle seid stolz auf eure Kinder und wollt nur das Beste für sie. Dazu gehört selbstverständlich auch die Wahrung der Persönlichkeitsrechte eurer Kinder. Wie wollt ihr euren Kindern den immer wichtigeren sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten im Internet beibringen, wenn das Leben des Kindes schon vorher lückenlos online steht? Das nackt am Strand spielende Kind von heute muss sich schon morgen gegen andere behaupten. Noch mehr als in eigenen Belangen muss daher gelten: erst denken, dann posten. Oder nicht?!?

Zum Schluss möchte ich vorsorglich noch klarstellen, dass ich hier keinen konkreten Einzelfall ansprechen und euch/Ihnen erst recht nicht auf die Füße treten wollte. Da ich aber oft genug beruflich mit Cybermobbing etc. zu tun habe und hautnah miterlebe, wie meine Mandanten hierunter leiden, finde ich einen rechtzeitigen bewussten Umgang mit sozialen Netzwerken besonders wichtig. Vielleicht fehlt so manchem bislang einfach das Problembewusstsein.

Tobias Schäfer, 31

Tobias Schäfer, 31 ... ist Rechtsanwalt aus Wetter (Ruhr). Vor gut einer Woche postete er auf seiner Facebook-Seite diesen Beitrag, mit denen er Eltern wachrütteln wollte, die mit Bildern ihrer Kinder in sozialen Netzwerken all zu leichtfertig umgehen - und traf einen Nerv: Mehr als 46.000-mal wurde der Beitrag geliked, über 60.000-mal geteilt und 3800-mal kommentiert.

Ein Gastbeitrag von Tobias Schäfer
 
 
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