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22. Januar 2010, 17:20 Uhr

Nicht jeder "Freund" ist ein Freund

Wer in sozialen Netzwerken unterwegs ist, kennt das Phänomen: Entfernte Bekannte und sogar Unbekannte möchten in die Freundesliste aufgenommen werden. Hier ist Vorsicht angesagt - aus verschiedenen Gründen.

Facebook, Soziale Netzwerke,

Unbekannte Freundschaftsanwärter können auch Böses im Schilde führen© DPA

Wer eine Gummiente oder ein Katzenpärchen als Foto seines Netzwerk-Profils hat, kann kein schlechter Mensch sein. Das müssen sich jüngst etliche Facebook-Nutzer gedacht haben, als sie Freundschaftsanfragen mit solchen Bildern bekamen.

Sie akzeptierten sie jedenfalls ungeprüft - und hätten sich damit fiese Läuse im Pelz einhandeln können. Denn nicht jede Anfrage kommt von Zeitgenossen mit guten Absichten. Wer zweifelt, lehnt lieber ab. Aber auch nicht jede Person, die der Nutzer kennt, passt in jede Freundesliste.

Die Profile mit der Ente und den Kätzchen hatten tatsächlich keine schlechten Menschen erstellt: Dahinter steckte das Unternehmen Sophos aus Mainz. Es bietet Firmen IT-Sicherheitslösungen an - und wollte herausfinden, wie freizügig Internetnutzer mit ihren Daten umgehen. "Ziemlich freizügig", lautet die Antwort vielfach: Fast die Hälfte (46 Prozent) der "angefunkten" Nutzer nahmen die ihnen unbekannten Inhaber der Profile in ihre Freundeslisten auf.

Zugriff auf höchst Privates

Wer erstmal in so einer Liste oder auch in der Kontaktliste eines beruflich orientierten Netzwerkes steht, hat unter Umständen Zugriff auf höchst Privates: Ist der Inhaber von Profil X liiert oder Single? Was sind seine Hobbys? Wo hat er schon gearbeitet? Und wie hält er es mit Politik und Religion? Je nachdem, wie detailliert der Nutzer sein Profil ausgefüllt hat, sind Antworten auf all diese Fragen nur zwei, drei Klicks entfernt.

Wer sollte Interesse daran haben, in Freundes- oder Kontaktlisten von Wildfremden aufgenommen werden? Oft sind das genau die Leute, die auch hinter Mail-Adressen her sind: Spammer. "Hinter diesen Anfragen steckt das Interesse, mehr über Sie zu erfahren", sagt Günther Ennen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. Und wer weiß, welche Hobbys Netzwerknutzer X hat und in welcher Branche Community-Mitglied Y arbeitet, kann ihnen gezielt Werbe-Mails schicken. Oder er verkauft diese Informationen an Menschen, von denen die Spams dann kommen.

Dem Sicherheitsexperten zufolge kann es für leichtfertige Nutzer sogar noch dicker kommen - wenn es vermeintliche Freunde schaffen, ihnen Schadprogramme unterzujubeln. Das klappe immer wieder mit Hilfe persönlich adressierter und vertraulich klingender E-Mails, in denen der Empfänger aufgefordert wird, einen Link anzuklicken. Der führt zu einer präparierten Webseite. "Und schon hat man sich über 'Drive-by-Downloads' etwas eingehandelt."

Warum sollte man 500 Freunde haben?

Angesichts der Risiken ist die Empfehlung von Christian Spahr vom Branchenverband Bitkom in Berlin eindeutig: "Wir raten, nur Personen in die Freundes- oder Kontaktliste aufzunehmen, die man persönlich kennt." Das habe auch den Vorteil, dass statt einer ellenlangen Liste eine entsteht, "mit der man sich identifizieren kann", sagt Spahr. "Ich verstehe sowieso nicht, welcher Ehrgeiz die Leute antreibt, im Netzwerk 300 oder 500 Freunde zu haben", bekräftigt Günther Ennen.

Eine Regel, nach der es sich gehört, jede Freundschaftsanfrage positiv zu beantworten, existiert nicht. "Grundsätzlich ist niemand gezwungen, jemanden in seine Liste aufzunehmen", so Christian Spahr. Bei Fremden gilt das sowieso. Es gilt aber auch bei Menschen, die der Inhaber des Profils zwar kennt, die er aber nicht aufnehmen möchte: ferne Bekannte, die schon immer ziemlich genervt haben, aufdringliche Ex-Liebhaber, Kollegen oder sogar der eigene Chef.

Sinnvoll sortieren

Spahr rät, Freundes- und Kontaktlisten nicht zu vermischen, also in die Liste mit Kumpel und Bekannten lieber nicht den Vorgesetzten und ins berufliche Netzwerk keine Kumpel aufzunehmen. Sonst kommen Letztere womöglich auf die Idee, verfängliche Fotos zu posten, und der Chef sieht sie als erster. Das eine vom anderen zu unterscheiden, sei nicht schwer. Es gebe schließlich je eigene Angebote: "Schüler- und StudiVZ oder Facebook haben eher persönlichen, Xing dagegen eher beruflichen Charakter."

Sowohl Freunde als auch Vorgesetzte in ein und dieselbe Liste zu nehmen, empfiehlt sich nur in Netzwerken, die ihre Nutzer innerhalb der Listen unterscheiden lassen. Dann können sie bestimmten Freunden den Zugang zu allen Informationen im Profil ermöglichen und anderen nur zu einem Teil davon. "Jeder Nutzer sollte bewusst entscheiden, ob und wie umfangreich er das nutzen will", sagt Christian Spahr.

Aber Geschäftspartnern und dem Chef den Blick auf wilde Partyfotos zu verwehren, kann auf keinen Fall schaden. Und klar ist auch: Jede Überlegung, wer in die Freundesliste kommt und wer nicht, hat nur dann einen Sinn, wenn das Profil auf "privat" beziehungsweise "nicht öffentlich" gestellt ist. Sonst sieht schlichtweg jeder alles.

Florian Oertel/DPA
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
deeperblue (24.01.2010, 06:48 Uhr)
Partyfotos
das blöde ist nur, dass es inzwischen in vielen clubs/discos angesagt ist, von betreibern diverser portale partyfotos machen zu lassen. so landen dann unter umständen (ob man will oder nicht) diverse partyschnappschüsse auf tilllate.com bzw. auf den homepages der clubs.
Hirnfreund (22.01.2010, 19:34 Uhr)
Überflüssig
Den größten Gefallen tut man sich selbst, wenn man solchen sogenannten Netzwerken fern bleibt und nicht jede alberne Modeerscheinung mitmacht. Denn man im Ernst: Welchen Vorteil hat man effektiv dadurch? Gar keinen.

Dann lieber ein richtiges Telefonbuch von richtigen Freunde und wirklichen Geschäftspartner und die von Zeit zu Zeit mal anrufen. Bringt mehr, weniger Stress und Angst um seine Daten braucht man auch nicht haben. Geschweige denn das irgendwelche Party Fotos von einem im Netz landen.

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