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Rechter Mob bedroht "Eltern"-Redaktion

Fünf verschiedene Cover hatte die Jubiläums-Ausgabe des Magazins "Eltern". Eines davon zeigte eine Frau mit einem Hidschab. Daraufhin bekam die Redaktion den Hass der Fremdenfeinde zu spüren.

Cover der Zeitschrift "Eltern" zeigt eine Mutter mit Kopftuch und ihr Kind

Eines der fünf Cover der Februarausgabe des Magazins "Eltern"

Viele verschiedene Frauentypen leben in Deutschland - und alle können gute Mütter sein. Das war die Botschaft der Redaktion des Magazins "Eltern", als es für die Februar-Ausgabe fünf Frauen mit deren Kindern ablichtete. Daraus wurden fünf verschiedene Cover desselben Hefts. Anlass war das Jubiläum des Magazins: "Eltern" feiert in diesem Jahr den 50. Geburtstag.

Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki wollte mit den Covern die Bandbreite der Frauen und Mütter in Deutschland zeigen. Eine Blondine, zwei brünette Frauen, eine Mutter mit dunklerem Teint und eine Frau mit Kopftuch. Alles echte Mütter mit ihren eigenen Kindern, wie immer auf den Titelblättern des Magazins. "Warum jede Mutter die beste für ihr Kind ist" steht als Leitartikel neben dem Foto. Die auf dem Cover beworbenen Artikel waren freilich in jedem Heft die gleichen. 

Wie alle anderen Frauen wurde die Muslima Kubra auf dem Coverfoto wie auch im zugehörigen Artikel einfach als Mutter vorgestellt; "ihr Glaube spielt im Text überhaupt keine Rolle und wird nicht erwähnt", sagt Lewicki dem stern.

  Marie-Luise Lewicki ist die Chefredakteurin der Zeitschrift "Eltern"

Marie-Luise Lewicki ist die Chefredakteurin der Zeitschrift "Eltern"

Die Ausgabe kam bei den Lesern laut Lewicki sehr gut an: Die Verkaufszahlen waren rund zehn Prozent besser als sonst. Erst drei Wochen nach der Veröffentlichung kam es zu Rückmeldungen von Menschen, denen ein Blick auf das Cover für eine Kritik ausreichte.

"Der Islam gehört euch in euren Schädel geschlagen!"

Das rechtspopulistische Portal "PI News", eine Seite mit Werbeanzeigen für Pegida und AfD, hatte den Shitstorm mit einem winzigen Blogeintrag ausgelöst. Neben einem Bild des Covers mit Kubras Gesicht zitiert das Portal einen Auszug aus dem Motto der Zeitschrift: "Die 'Eltern' ist nicht einfach nur ein Ratgeber, sie ist eine Botschaft an junge Mütter und Väter." Der kurze Beitrag der "PI" schließt mit: "Alles klar, Gruner+Jahr - Botschaft verstanden!" Unter dem Text sind zudem die Adresse des Verlages und die Telefonnummer sowie eine E-Mail-Adresse der Redaktion angefügt. Leser schreiben dem Magazin laut Lewicki grundsätzlich an die Mailadresse für Leserbriefe; "PI" gab jedoch die Adresse aus dem Impressum an. Dort landeten die Hassbotschaften der Fremdenfeinde. "Daher wussten wir schon, dass das keine Leser waren", sagt Lewicki. 

Wer die Kommentare der "PI"-Leser unter dem Beitrag betrachtet, kann bereits erahnen, wie die Mails an die Redaktion der Kollegen aussahen. "Der Islam gehört euch in euren Schädel geschlagen!", "Euch Arschlöcher sollte man allesamt aus Deutschland mit dieser Kalifa Al Merkel nach Syrien ausfliegen", "Wartet ab, auch eurer Tag der 'Erkenntnis' wird kommen, Drecksbande!" sind nur einige Beispiele. Die Telefone in der Redaktion standen nicht mehr still und das Postfach quoll über. Auch Lewicki persönlich wurde angegriffen und erhielt Drohungen; jemand wünschte ihr einen Tod in der Gaskammer.

"Solange das mich betrifft, kann ich damit leben", sagt die Chefredakteurin. "Was mich beunruhigt, ist, dass das mittlerweile aus der Mitte der Gesellschaft kommt und die Menschen kein Problem mehr damit haben, solche Äußerungen auch mit ihrem Namen zu unterschreiben."

Die Gesellschaft abbilden, wie sie ist

Schon in den vielen Mails mit Lob und Dank hatten Leserinnen der Redaktion geschrieben: "Wir wünschen euch viel Kraft für das, was jetzt auf euch zukommt." Das hatte Lewicki erschreckt: "Ich frage mich, was Frauen, die einfach nur ihr Haar verhüllen, täglich aushalten müssen."

Eine wichtige Sache habe die Redaktion durch den Shitstorm jedoch gelernt: "Wir haben bislang einen großen Teil der Frauen in Deutschland nicht miteinbezogen und wollen das nun ändern", sagt Lewicki. Dadurch sei in der Öffentlichkeit eben vielleicht der Eindruck entstanden, dass jetzt und hier eine Islamisierung stattfindet. "Das ist ja gar nicht so", weiß Lewicki.

Schließlich gehören Menschen muslimischen Glaubens und auch Frauen mit Kopftüchern längst zu unserem Alltag in Deutschland - sie waren bloß nicht auf den Covern der Zeitschriften vertreten. Das bedeutet für die Presse: "Wir müssen die Gesellschaft so abbilden, wie sie ist." Lewicki kündigt an: "Wir werden in Zukunft noch mehr Wert darauf legen, die Diversität unserer Gesellschaft zu zeigen." Schon im nächsten Magazin, das sich mit der Schwangerschaft beschäftigt, wird auch eine Muslima als werdende Mutter ihre Geschichte erzählen. Und es wird nicht um ihren Glauben gehen. Sondern bloß um ihre Schwangerschaft.

Hinweis: Die Zeitschrift "Eltern" erscheint wie auch stern.de im Verlag Gruner + Jahr. 

  Auch die vier anderen Cover derselben "Eltern"-Ausgabe zeigten fröhliche Mütter mit ihren Kindern

Auch die vier anderen Cover derselben "Eltern"-Ausgabe zeigten fröhliche Mütter mit ihren Kindern

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