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11. November 2010, 18:08 Uhr

Geschärfter Blick dank Lichtschwert

Um die 70.000 Deutsche lassen sich jährlich die Augen lasern. stern.de zeigt, für wen sich der Eingriff eignet, welche Risiken es gibt und auf was Patienten achten sollten. Von Lea Wolz

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Während der computergesteuerte Laser die Hornhaut abträgt, behält der Operateur das Auge im Mikroskop im Blick© Picture Alliance

Gut 42 Millionen Menschen in Deutschland, und damit mehr als die Hälfte, tragen eine Brille. Drei Millionen gleichen ihre Sehschwäche mit Kontaktlinsen aus. Doch nicht jeder ist mit den Sehhilfen zufrieden. Den einen nervt die Brille, der andere hat einfach keine Lust mehr auf Kontaktlinsen oder verträgt sie nicht. Viele Fehlsichtige spielen mit dem Gedanken, sich die Augen lasern zu lassen. Um die 70.000 entscheiden sich jährlich dafür, ihren Blick mithilfe der modernen Technik wieder zu schärfen.

Im Vergleich zu den USA, wo die Zahlen gut zehnmal höher liegen, sind dies immer noch wenige. Augenarzt Thomas Neuhann aus München glaubt, dass dies nicht nur an den Kosten liegt: "Deutsche sind grundsätzlich vorsichtiger, auch für kosmetische Eingriffe wie Brustvergrößerungen oder Bauchstraffen entscheiden sie sich seltener." Nach einem Rückgang 2008 steigen die Operationszahlen für Laserkorrekturen seit einem Jahr wieder leicht an. Wer sich dafür interessiert, steht einer Unzahl an Angeboten gegenüber, die für viele Verbraucher wohl nur schwer zu durchblicken ist. Auf Plakaten, in Straßenbahnen oder Bussen werben Anbieter. Auch im Internet werden Adleraugen zu Dumpingpreisen angeboten. Doch nicht jede Anzeige ist seriös.

"Wer eine Laser-OP in Erwägung zieht, sollte sich zuvor immer gründlich informieren", rät Augenarzt Michael Knorz, Leiter des FreeVis-Lasik-Zentrums an der Universitätsklinik Mannheim. Denn der Eingriff verändert die Form der Hornhaut und lässt sich nicht rückgängig machen. Chancen und Risiken sollten mit einem Arzt besprochen werden. Wichtig ist es zudem, sich darüber im Klaren zu sein, dass auch nach einer erfolgreichen Korrektur eine geringe Fehlsichtigkeit bleiben kann. In manchen Fällen wird daher nach dem Lasern noch eine Brille gebraucht. "Mitunter kann der Effekt auch über die Jahre nachlassen", sagt der Münchner Mediziner Neuhann. Vor Altersweitsichtigkeit, die oft ab dem 45 Lebensjahr auftritt, schützt die Laser-OP ohnehin nicht.

Nicht bei jedem anwendbar

Daneben ist die Technik auch nicht für jeden geeignet. "Grüner und grauer Star oder bestimmte Hornhauterkrankungen sind unter anderem Ausschlusskriterien", sagt Knorz. Verschlechtert sich die Fehlsichtigkeit noch, ist der Eingriff ebenfalls nicht möglich. Jugendliche unter 18 Jahren sollten gar nicht gelasert werden, da sich bei ihnen das Auge noch verändert. Auch bei zu dünner Hornhaut scheidet das Laserskalpell aus.

Ob eine Korrektur der Fehlsichtigkeit mittels Laser möglich ist, klärt der Augenarzt in einer Voruntersuchung. "Dabei werden unter anderem Oberfläche und Dicke der Hornhaut vermessen", sagt Knorz. Zusätzlich bestimmt der Arzt Sehschärfe, Augeninnendruck und den Durchmesser der Pupille. Eine halbe bis eine Stunde an Zeit sollte dafür laut Knorz eingeplant werden. "Hundert bis zweihundert Euro kostet die Untersuchung." Davor dürfen zwei Wochen lang keine Kontaktlinsen getragen werden. Da Tropfen dafür sorgen, dass die Pupillen bei der Untersuchung geweitet sind, sollte im Anschluss das Auto - genau wie nach der OP - besser stehen bleiben.

Ungefähr 300 Spezialisten bieten in Deutschland die OP an - in Laserzentren, Universitätskliniken und Krankenhäusern. Die Kosten müssen Kassenpatienten selbst tragen, wer privat versichert ist, bekommt sie zumeist teilweise erstattet. Der Preis für die OP liegt zwischen 3500 und 5000 Euro für beide Augen, Werbeangebote können aber auch deutlich günstiger sein. "Über die Qualität sagt das nichts aus", versichert Knorz. "Wichtig ist, dass der Arzt auf der Anwenderliste der refraktiven Chirurgen geführt wird. Das sollte das absolute Minimum sein." Zwar können auch andere Ärzte die Laser-OP anbieten; wer auf der Liste steht, hat sich aber freiwillig verpflichtet, bestimmte Leitlinien bei der Behandlung einzuhalten. Angaben darüber, wie häufig und wie erfolgreich ein Arzt die OP anwendet, finden sich dagegen nicht.

Orientierung bietet daneben ein Qualitätssiegel, das der Tüv an Kliniken vergibt. "Beim 'Lasik-Tüv' werden neben Hygiene, technischer Ausstattung und Behandlungsergebnissen auch Erfahrung und Qualifikation der Ärzte beurteilt", sagt Knorz, der an der Erstellung der Prüfkriterien mitgearbeitet hat. Wer operiert, muss zum Beispiel für das vergangene Jahr mindestens 250 Lasereingriffe nachweisen. Einmal im Jahr überprüft der Tüv die Kliniken - und erkennt notfalls das Siegel auch wieder ab. Eine Liste aller zertifizierten Zentren findet sich im Internet - momentan (Stand November 2010) erfüllen 23 Zentren die Auflagen.

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