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Körperschmuck mit Nebenwirkungen

Ein Ring am Bauchnabel, eine Nadel in der Augenbraue: Immer mehr Menschen lassen sich die Haut durchbohren. Welche Komplikationen oft auftreten - und woran Sie einen guten Piercer erkennen.

  Immer mehr Menschen tragen Körperschmuck

Immer mehr Menschen tragen Körperschmuck

Die Punks taten es schon Mitte der Siebziger und wollten vor allem eins: schockieren. Sie ließen sich kleine Löcher durch Ohren, Lippen, Augenbrauen oder Wangen stechen. Darin befestigten sie Ringe, Ketten oder Sicherheitsnadeln. Piercing nannten sie ihre Mode, denn das englische Verb "to pierce" bedeutet "durchstechen" oder "durchbohren".

Heute regt sich kaum noch jemand über Piercings auf. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen tragen Körperschmuck. In Deutschland sind rund 5,3 Millionen Menschen gepierct. Mehr Frauen als Männer lassen sich Körperteile durchstechen. Nicht um zu schockieren, sondern weil sie es schön finden.

Viele Piercings bekommt irgendwann ein Arzt zu sehen

Doch der Körperschmuck birgt Risiken. Fast 30 Prozent haben nach dem Stechen eines Piercings Beschwerden. Manche sind so stark, dass die Gepiercten die Hilfe eines Arztes brauchen. Eins von hundert Piercings muss sogar in einem Krankenhaus behandelt werden. Das ergab eine britische Studie von 2008.

Ob es zu gesundheitlichen Problemen kommt, hängt von mehreren Faktoren ab: Je sauberer es beim Stechen zugeht und je erfahrener der Piercer ist, desto geringer das Risiko. Auch das Material des Schmuckstücks, das in dem gestochenen Loch befestigt wird, ist wichtig. Zudem muss die Wunde, die beim Stechen entsteht, sorgfältig gepflegt werden.

Auch wenn ein Piercing geheilt ist, kann es Schwierigkeiten machen, etwa wenn die Kleidung am Schmuckstück scheuert. Es kann auch irgendwo hängen bleiben. Oder sein Träger fingert viel daran herum. Beim Sport sollten Sie sich schützen: Nehmen Sie alle Ringe und Stifte heraus oder überkleben Sie sie.

Häufig vorkommende Probleme

Das am häufigsten auftretende Problem bei Piercings sind Entzündungen. Ist eine durchstochene Stelle entzündet, besteht das Risiko, dass Viren, Bakterien oder Pilze in den Körper eindringen. Möglich ist zum Beispiel eine Infektion mit Streptokokken. Diese Bakterien können sich im ganzen Körper verteilen und etwa die Harnwege, die Lunge oder die Leber entzünden. Dringen Hepatitis-Viren ein, kann das eine Gelbsucht auslösen.

Nicht selten reagiert der Körper auch allergisch auf ein Piercing. Das erkennen Sie daran, dass die Haut rot wird, juckt und Bläschen bildet. Schuld ist meistens Nickel. Experten schätzen, dass etwa 1,9 bis 4,5 Millionen Deutsche allergisch gegen dieses Metall sind. Zwar gelten in der Europäischen Union Höchstgrenzen für Nickel. Aber Vorsicht: Wenn nur die oberste Schicht eines Schmucksstücks nickelfrei ist, dann müssen die Hersteller es nicht als nickelhaltig kennzeichnen. Wenn Sie vermuten, dass eine Nickelallergie Ursache Ihrer Beschwerden ist, sollten Sie das Piercing sofort herausnehmen.

Komplikationen im Intimbereich

Eine große Rolle spielt auch die Körperstelle, die gepierct wird. Bei Intimpiercings kommt es sehr oft zu Komplikationen: Laut einer britischen Untersuchung hatte fast jeder zweite Befragte Probleme, wenn er Körperschmuck an den Geschlechtsteilen trug. Durchstochene Brustwarzen und Zungen bereiteten knapp jedem Vierten Beschwerden. Bei Piercings am Bauchnabel und an den Ohren waren es jeweils knapp 15 Prozent.

In Deutschland sind Ohrpiercings sehr beliebt. Dabei treten vor allem dann Schwierigkeiten auf, wenn der Knorpel durchstochen wird. Wunden verheilen dort nur langsam, es kann vier bis zwölf Monate dauern. Zum Vergleich: Am Ohrläppchen heilt die Haut in sechs bis acht Wochen.

Diabetiker und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sollten besonders vorsichtig sein. Bei ihnen dauert es meist länger, bis eine Wunde abgeheilt ist. Ihr Piercing entzündet sich außerdem leicht - nicht nur, wenn es frisch gestochen ist.

Die richtige Pflege

Damit sich ein frisch gestochenes Piercing nicht entzündet, braucht es gewissenhafte Pflege. Sie sollten die Wunde zweimal täglich desinfizieren - am besten morgens und abends. Bis es abgeheilt ist, berühren Sie das Piercing besser nur mit desinfizierten Fingern.

In manchen Fällen ist es sinnvoll, die Stichstelle beim Heilen durch ein Pflaster zu schützen. Ob das nötig ist, hängt von der Körperstelle ab, die durchbohrt wurde. Lassen Sie sich von Ihrem Piercingstudio genau beraten, was Sie tun müssen.

Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis der Stichkanal eines Piercings abgeheilt ist. Werden Sie in dieser Zeit nicht nachlässig in Sachen Hygiene. Mit diesen Heilungszeiten müssen Sie rechnen:

  • Augenbrauen: 6 bis 8 Wochen,
  • Lippen: 2 bis 3 Monate,
  • Zunge: 4 Wochen,
  • Nasenflügel: 2 bis 4 Monate,
  • Bauchnabel: 1 bis 12 Monate,
  • Brustwarzen: 6 bis 32 Wochen,
  • Schamlippen: 4 bis 10 Wochen,
  • Penis: 4 bis 6 Wochen.

Gehen Sie vorsichtig mit Ihrem Piercing um. Sie sollten den Schmuck nicht selbstständig öffnen, entfernen oder wechseln, bevor die Wunde geheilt ist. Das gilt auch für den Fall, dass Sie Beschwerden haben. Gehen Sie dann sofort ins Piercingstudio oder wenden Sie sich an einen Arzt.

Wann ein Piercer gut ist

Gute Piercer sind erfahren und tun alles, um Infektionen mit Keimen und Viren zu vermeiden: Sie achten absolut auf Sauberkeit. Bevor Sie sich für ein Piercingstudio entscheiden, sollten Sie mehrere vergleichen. Fragen Sie auch Freunde und Bekannte, die schon Piercings haben, ob sie einen routinierten Piercer empfehlen können. Ein gutes Zeichen ist es, wenn ein Studio dem Verein "Erste Organisation Professioneller Piercer" (OPP) angehört.

Zudem sollten Sie auf folgende Punkte achten:

  • Der Piercer sollte Sie über Risiken und mögliche Spätfolgen aufklären.
  • Der Piercer sollte Sie fragen, ob Sie Krankheiten oder Allergien haben.
  • Der Piercer sollte Sie bei der Auswahl des Materials und des Schmucks beraten.
  • Alle benutzten Materialien sollten steril verpackt sein.
  • Der Piercer sollte bei jedem Kunden ein neues Paar Handschuhe anziehen.
  • Es sollte einen separaten, sauberen Piercingraum geben.
  • Der Piercer sollte Ihnen genau erklären, wie Sie die frische Stichwunde versorgen und Ihr Piercing pflegen müssen.

Bevor er Ihnen ein Loch sticht, wird der Piercer von Ihnen ein schriftliches Einverständnis verlangen.

Martina Janning

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