Der Mann, der HIV besiegte

8. Dezember 2010, 15:30 Uhr

Timothy Ray Brown gilt als der erste Mensch, der vom Aids-Erreger HIV geheilt wurde. Dabei verdankt er seine Rettung einem tragischen Zufall. Im stern erzählt er erstmals von seinem schweren Weg.

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Timothy Ray Brown ist 44, US-Bürger und lebt in Berlin. Bei ihm ist das HI-Virus aus dem Körper verschwunden, möglicherweise für immer©

Im November 2008 berichteten Ärzte der Berliner Charité über einen sensationellen Erfolg: Ihnen war es gelungen, das HI-Virus bei einem ihrer Patienten auszumerzen. Dieser Patient, dessen Schicksal unter dem Titel "The Berlin Patient" weltweit für Aussehen sorgte, tritt nun im aktuellen stern aus der Anonymität: Timothy Ray Brown, US-Bürger und 44 Jahre alt, erzählt zum ersten Mal von seiner dramatischen Krankengeschichte. Gleich mehrfach war in den vergangenen vier Jahren sein Leben bedroht.

Brown, seit 1995 HIV-positiv, bekommt im Sommer 2006 eine zweite, noch lebensbedrohlichere Krankheit: Leukämie - Blutkrebs. Die Ärzte behandeln ihn mit einer Chemotherapie, doch die greift nur kurz. Der Krebs kehrt zurück. Deshalb bleibt nur noch eine Möglichkeit: die Stammzelltherapie. Einer seiner Ärzte, Gero Hütter, hat eine Idee: Was, wenn er für seinen Patienten einen Spender sucht, der ein HIV-resistentes Immunsystem hat? Immerhin verfügt rund ein Prozent der Europäer über eine solche Veranlagung, die sie weitgehend vor der Immunschwäche schützt.

Hütter sucht und wird fündig: Es gibt tatsächlich einen passenden Spender. Die Behandlung schlägt an, Timothy Ray Brown ist geheilt: Die Leukämie ist verschwunden und auch das HI-Virus. Bereits wenige Wochen nach der Therapie finden die Ärzte in Browns Blut keinerlei Erreger-Erbgut mehr. Doch das ist erst der Beginn eines Kampfes ums Überleben, den Timothy Brown schließlich gewinnt - wenn auch nicht unbeschadet.

Denn die Leukämie kehrt noch einmal wieder, ein zweites Mal muss Timothy Brown Chemotherapie, Ganzkörperbestrahlung und die Stammzell-Transplantation über sich ergehen lassen. Danach geht es ihm immer schlechter, sein Gehirn ist angegriffen. Schließlich kann er nicht mehr sprechen und gehen, reagiert kaum noch auf Ansprache. Aber noch einmal siegt sein Lebenswille - durch eine intensive Reha kommt er langsam wieder auf die Beine.

HIV-Experten wie Jan van Lunzen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sagen, dass der Medizin-Erfolg bei Timothy Brown ein Einzelfall sei, der für den größten Teil der Infizierten noch keinerlei Bedeutung habe. Dennoch sei das Ergebnis für Forscher sehr interessant, weil es einige gewagte optimistische Perspektiven eröffne wie etwa eine Gentherapie. "Allerdings ist das Zukunftsmusik. Wann wir eine solche Behandlung anbieten können, ist unklar", sagt van Lunzen.

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