Almut Tempka, Oberärztin in der Unfallchirurgie der Charité Berlin, antwortet
Worauf muss ich generell bei jeder offenen Wunde achten?
Tetanus-Bakterien sind sehr widerstandsfähig, sie überleben harte Umweltbedingungen und finden sich überall. Bei offenen Wunden sollte man also immer einen Blick auf den Impfpass werfen und nachsehen, wie lang die letzte Impfung her ist. Im Zweifelsfall lieber einmal zu oft pieksen lassen. Ein von den Bakterien hervorgerufener Wundstarrkrampf kann tödlich enden.
Mein Kind rutscht beim Toben aus und schürft sich das Knie auf. Und jetzt? Zunächst sollte man die Wunde gut ausspülen, denn gerade in eine Schürfwunde können alle möglichen Fremdkörper eingepresst sein. Wasser aus dem Hahn zu Hause eignet sich sehr gut, es ist in Deutschland annähernd keimfrei. Wenn die Wunde sauber ist, sollte man sie desinfizieren, aber bitte nicht mit Alkohol, das brennt. Dann heißt es: Kind hinsetzen. Es kommt zur Ruhe und die Wunde trocknet an der Luft. Nur wenn die Verletzung noch leicht blutet oder das Kind angezogen werden muss, sollte sie steril, also keimfrei, abgedeckt werden. Metallbedampfte Auflagen zum Beispiel mit Silber eignen sich besonders, weil sie Keime abweisen und nicht auf der Wunde kleben. Sollten Verbände doch einmal festbacken, können sie mit Desinfektionslösung getränkt und wieder gelöst werden. Das geht auch gut mit abgekochtem Kamillentee.
Was muss ich beachten, wenn ich gebissen wurde? Bisswunden können tiefer sein, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Wir nennen das Kulisseneffekt. Das bedeutet, dass sich obere Gewebeschichten über der eigentlich tieferen Wunde verschieben und das tatsächliche Ausmaß der Verletzung verdecken. Ein Katzenzahn kann auch mal 6 Millimeter lang sein und durchbohrt, spitz wie er ist, schnell die nur 1 Millimeter dünne Haut. Beim Biss in die Hand kann der Zahn also schnell im Knochen landen. Wichtig beim Tierbiss ist natürlich auch immer, eine Tollwut auszuschließen. Ist das nicht möglich, gehört der Gebissene schnellstens behandelt – hier kann es auf Stunden ankommen. Bei Kindern sollte man genau nachfragen, welches Tier gebissen hat, denn es muss sich nicht immer um Hund oder Fuchs handeln. Tierbisse, aber auch menschliche Zahnverletzungen, sind entzündete Wunden, gehen Sie damit zum Arzt.
Sind Schnittwunden besonders gefährlich? Schnittwunden sind oft eine komplexe Angelegenheit, weil man sich eben häufig in die Hand schneidet, wo Nerven, Gefäße und Muskelsehnen gleich unter der relativ dünnen Haut liegen. Scheint die Verletzung tief zu sein, blutet sie stark, ist die Fettschicht unter der Haut oder sogar eine Sehne zu sehen, gehört die Wunde in Chirurgenhand. Wurde mit dem Messer schon Fleisch zerschnitten, können daran Bakterien haften. Bei solch einem Schnitt, egal wie groß, sollte man gleich den Arzt aufsuchen.
Kann ich auffällige Narben später nachbessern lassen? Narbenbildung hängt vom Hauttyp und der Art sowie der Stelle der Verletzung ab. Einige Narben sind nach zwei Jahren fast verschwunden. Andere Narben liegen so ungünstig, dass sie immer unter Zug sind. Hier empfiehlt sich die erneute Operation durch einen Plastischen Chirurgen, der den Narbenverlauf verändern kann. Die Narbe wird dadurch weniger auffällig. Bei kleineren Problemnarben können Silikongels, Narbenmassagen oder konsequent verwandte Druckverbände helfen.