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Geheimer AfD-Mitschnitt: "Ich bring Dich unter die Erde"

Lügen hinter verschlossenen Türen, angebliche Koks- und Fremdgeh-Vorwürfe: Ein Mitschnitt vom Parteitag zeigt, wie der Machtkampf der AfD in Nordrhein-Westfalen geführt wird. Im Mittelpunkt: Frauke Petrys Mann Marcus Pretzell.

Marcus Pretzell (r.) und Martin Renner

Tief zerstritten: AfD-Landeschef Marcus Pretzell (r.) wollte seinen Co-Vorsitzenden Martin Renner loswerden - ohne Erfolg

Schmutzige Wäsche wäscht man am liebsten allein. So gesehen kann man es verstehen, dass die nordrhein-westfälische AfD die Presse ausschloss, als er sich vorvergangenen Sonntag zum Parteitag in Oberhausen versammelte. Es drohte dreckig zu werden im größten Landesverband der Partei.

18 Abwahlanträge drängten auf die Tagesordnung, gestellt teilweise im selben Wortlaut und allesamt gegen den Landesvorsitzenden Martin Renner. Auch der andere Landeschef hatte einen Abwahlantrag eingebracht, Marcus Pretzell: Der Mann Frauke Petrys plante die Alleinherrschaft.

Pretzell präsentiert AfD-Verräter

Der Coup misslang, die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit kam nicht zustande. Interessant ist aber, wie Pretzell und seine Unterstützer hinter verschlossenen Türen zu Werke gingen. Und es ist auch festgehalten durch einen geheimen Mitschnitt. Die Aufnahme von Reden und Gegenreden, von Anklage und Verteidigung liegt dem stern vor. Sie zeigen, wie aufrichtig der Mann reagiert, der auf Bundesebene mit seiner Frau gegen die AfD-Granden Gauland, Höcke und Meuthen kämpft und sich selbst immer wieder als Vertreter einer seriösen und anständigen AfD gibt.

Der stern hat in den vergangenen Monaten mehrfach Recherchen über Marcus Pretzell veröffentlicht. Es ging um geheime Whatsapp-Absprachen bei der Wahl der Landtagskandidaten und um Unklarheiten bei seinem Wohnsitz. Es ging auch um das finanzielle Interesse der NRW-AfD an einer Smartphone-App, für die Pretzell und Petry in Berlin warben, ohne dieses Interesse offenzulegen.

Beim Parteitag in Oberhausen präsentiert Pretzell laut Mitschnitt einen Verräter: seinen Co-Chef Martin Renner, mit dem er schon länger zerstritten ist. Pretzells Botschaft: Renner habe dem stern Parteiinterna verraten.

"Rufschädigung der übelsten Art"

Zuerst tritt dafür ein Parteimitglied aus dem Ruhrgebiet auf. Der Mann erzählt, er habe "zugearbeitet" und sei da "nicht stolz drauf". Er bittet die 376 Delegierten kleinlaut um "Entschuldigung für mein Verhalten". Er berichtet aber auch ausführlich, wie Renner Pretzell mithilfe des stern unter Druck gesetzt haben soll. Dieser Pretzell-Unterstützer erklärt, er zeige den "Mut zur Wahrheit" – sagt aber stern-Recherchen zufolge gleich viermal die Unwahrheit.

Co-Parteichef Martin Renner bezeichnet die Rede in seiner Replik als "Rufschädigung der übelsten Art". Er widerspricht einigen Vorwürfen und berichtet dann vom offenbar letzten Telefonkontakt mit dem Mann. "Ich kille dich. Ich bring dich unter die Erde", habe der ihm gesagt. Der Mann sei dabei "völlig außer sich" gewesen, "also fast schon psychopathologisch".

Erfundene Berichte über Koks und Seitensprung

Dann geht Marcus Pretzell selbst ans Mikrofon. "Alles, was ich hier sage, Martin, kann ich belegen", behauptet Pretzell gleich zu Beginn seiner 13-minütigen Rede – und tut genau das nicht. Mit Blick auf angebliche Informanten des stern erzählt Pretzell den Delegierten gleich mehrfach die Unwahrheit.

Sich selbst wiederum stellt der AfD-Spitzenpolitiker als Opfer dar. Am Tag seiner Hochzeit, dem 22. Dezember, ruft er in den Saal, habe man versucht, "über einen 'Spiegel'- oder stern-Bericht in die Öffentlichkeit zu transportieren: erstens, Pretzell kokst". Zweitens habe man "Spekulationen über eine Affäre" an die Öffentlichkeit bringen wollen.

Pretzells Aussage ist, was den stern betrifft, frei erfunden ist. Auch für die "Spiegel"- Redaktion, so eine Sprecherin, "trifft der Sachverhalt nicht zu".

Gut die Hälfte der Delegierten folgt am Ende Pretzell und stimmt für eine Abwahl Renners – zwei Drittel wären nach AfD-Satzung nötig gewesen. Bei seiner Wahl zum Spitzenkandidaten hatte Pretzell vorigen September gegen einen wenig bekannten Gegenkandidaten auch nur 54 Prozent der Delegierten überzeugt.

Die Parteifeinde Pretzell und Renner müssen sich den Vorsitz also bis auf Weiteres teilen. Das gegenseitige Misstrauen dürfte noch einmal gewachsen sein durch die Methoden, die bei dem Abwahlversuch offensichtlich wurden.

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