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Diese Zahlen der Polizei sollen nicht an die Öffentlichkeit

Eine Untersuchung der Polizei Köln zeigt, dass pauschales Misstrauen gegen Flüchtlinge nicht gerechtfertigt ist. Doch das ist nicht die einzige Erkenntnis.

Polizisten am Kölner Dom

Die Kriminalitätsrate hängt in hohem Maß von der Nationalität ab

Es waren Sachbearbeiter, die diese Zahlen nicht in irgendwelchen Schubladen verschwinden sehen wollten. Und so setzten sie durch, dass das Ergebnis der Auswertung zumindest in der Zeitschrift "Forum" publiziert wurde. Die ist nur für Mitarbeiter der Kölner Polizei bestimmt. Intern, immerhin, wurde so bekannt gemacht, was die Führung des Kölner Polizeipräsidiums der Öffentlichkeit nicht mitteilen wollte.

Die Auswertungs- und Analysestelle Allgemeine Kriminalität der Kölner Polizei hatte Zahlen seit dem Oktober 2014 zusammengetragen und analysiert, und im Herbst 2015 lag ein entsprechender Bericht vor. Es ging um die Frage, welche Flüchtlinge straffällig werden, in Polizeideutsch: Personen welcher Nationalität treten innerhalb eines Jahres nach Erfassung des Tatbestands Illegaler Aufenthalt erneut als Beschuldigte in einem Strafverfahren in Erscheinung?

Die Auswertung des Zahlenmaterials ist eindeutig und kann all jene beruhigen, die sich zuletzt dachten, dass Flüchtlinge ihrer Hilfe vielleicht gar nicht wert sind. Pegida und AfD tragen diese Botschaft ja bereits eifrig zu den Menschen, die sie wählen und ihnen so politische Posten verschaffen sollen. Die Zahlen der Kölner Polizei aber zeigen: Ein großer Teil jener Flüchtlinge, die seit geraumer Zeit Schutz in Deutschland sucht, wird nach der Registrierung keineswegs straffällig.

Fünf Syrer begingen Folgetaten

Von 1111 in Köln registrierten Syrern traten gerade mal fünf in der Folgezeit polizeilich in Erscheinung. Das ist nicht mal ein halbes Prozent. Bei Flüchtlingen aus Afghanistan und Irak sieht es ähnlich aus. Von 660 Afghanen kamen der Kölner Polizei anschließend nur vier als Kriminelle unter. Von 789 geflohenen Irakern traten gerade mal 19 im Untersuchungszeitraum polizeilich in Erscheinung, von 294 Iranern ebenfalls nur neun. "Personen aus diesen Herkunftsländern stellen aus kriminalpolizeilicher Sicht bislang kein Problem dar", heißt es in dem Bericht der polizeiinternen Zeitschrift "Forum", der dem stern vorliegt.


"Ganz anders sieht das bei Flüchtlingen aus Nordafrika aus" - dieser Satz findet sich allerdings auch in der internen Publikation. Flüchtlinge aus anderen Ländern verhalten sich nämlich weitaus weniger vorbildlich: Bei den 521 in Köln registrierten Marokkanern zumindest liegt die sogenannte Folgetatenquote bei 40 Prozent. Von den 260 Algeriern und den 57 Tunesiern, die zwischen Oktober 2014 und November 2015 in Köln registriert wurden, fielen ebenfalls 40 Prozent anschließend im Zusammenhang mit Straftaten auf. "Auf ähnliche Quoten", heißt es weiter in dem Artikel der Mitarbeiterzeitschrift, "kommen Eingereiste aus Bosnien-Herzegowina und Montenegro".

"Flüchtling ist nicht gleich Flüchtling"

Die meisten Straftaten ereigneten sich laut Polizei auf dem "Aktionsraum Straße". Es handelte sich also um Raub, um Laden- und Taschendiebstahl, auch um Diebstahl an und aus Autos.

Eine differenzierte Betrachtung sei erforderlich, hat der Autor der Kölner Polizei über seinen Text geschrieben, und: "Flüchtling ist nicht gleich Flüchtling". In diesen Tagen ist das eine wichtige Botschaft. Für all jene, die Flüchtlinge über einen Kamm scheren, um davon politisch zu profitieren. Aber auch für jene, die Angst haben, einzelne Tätergruppen zu benennen.

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