US-Einwanderungsbehörde
Noch mehr Befugnisse: ICE darf künftig auch anerkannte Flüchtlinge verhaften

Das Vorgehen der ICE-Beamten in Minneapolis sorgte weltweit für Entsetzen
Das Vorgehen der ICE-Beamten in Minneapolis sorgte weltweit für Entsetzen
© Ryan Murphy / AP / DPA
Die Empörung über das Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE in den USA klingt ab. Doch zukünftig haben die Beamten sogar noch mehr Freiheiten beim Umgang mit „Verdächtigen“.

Die US-Regierung hat die Befugnisse der Einwanderungsbehörde ICE ausgeweitet. Künftig könnten anerkannte Flüchtlinge, die auf eine Greencard warten, in Gewahrsam genommen werden, wie aus einem Regierungsvermerk vom 18. Februar hervorgeht. Ziel sei eine erneute Überprüfung. Dies unterstreicht das von US-Präsident Donald Trump angekündigte harte Vorgehen gegen legale und illegale Einwanderung.

Das US-Heimatschutzministerium erklärte in dem Vermerk, der im Rahmen eines Bundesgerichtsverfahrens eingereicht wurde, dass Flüchtlinge ein Jahr nach ihrer Aufnahme in die USA für Inspektionen und Untersuchungen in staatlichen Gewahrsam zurückkehren müssten. „Diese Vorgabe zur Inhaftierung und Überprüfung stellt sicher, dass Flüchtlinge nach einem Jahr erneut überprüft werden, gleicht das Vorgehen nach der Aufnahme an jenes für andere Antragsteller an und fördert die öffentliche Sicherheit“, hieß es in dem Schreiben des Ministeriums. Nach US-Recht müssen Flüchtlinge ein Jahr nach ihrer Ankunft im Land den Status eines dauerhaft Aufenthaltsberechtigten beantragen. Der neue Vermerk ermächtigt die Einwanderungsbehörden, Personen für die Dauer dieser erneuten Überprüfung festzusetzen.

US-Regierung weitet ICE-Befugnisse aus –Kritik von Hilfsorganisationen

Die neue Richtlinie stellt eine Abkehr von einem früheren Memorandum aus dem Jahr 2010 dar. Darin hieß es, dass das Fehlen eines dauerhaften Aufenthaltsstatus kein Grund für eine Abschiebung und keine angemessene Grundlage für eine Inhaftierung sei. Das Heimatschutzministerium war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die Anordnung stieß bei Flüchtlingshilfsorganisationen auf Kritik. Shawn VanDiver, Präsident der Organisation AfghanEvac, bezeichnete die Anweisung als „rücksichtslose Abkehr von langjähriger Politik“. Sie sei ein "Vertrauensbruch gegenüber Menschen, die die Vereinigten Staaten rechtmäßig aufgenommen und denen sie Schutz versprochen haben". Die Organisation HIAS, früher bekannt als Hebrew Immigrant Aid Society, erklärte, der Schritt werde „Tausenden von Menschen schweren Schaden zufügen, die in den Vereinigten Staaten willkommen geheißen wurden, nachdem sie vor Gewalt und Verfolgung geflohen waren“.

Bereits 68.000 Menschen in ICE-Gewahrsam

Derzeit sind etwa 68.000 Menschen in Gewahrsam der Einwanderungsbehörde ICE. Das sind rund 75 Prozent mehr als zu Trumps Amtsantritt im vergangenen Jahr. Trump hatte im Wahlkampf mit einem harten Kurs in der Einwanderungspolitik geworben, und das dürfte ihm unter anderem zum Wahlsieg verholfen haben.

Trumps verschärfte Einwanderungspolitik sorgt in der Bevölkerung jedoch für großen Unmut und beschäftigt die Gerichte. Ein US-Richter hatte im Januar vorläufig eine vor Kurzem angekündigte Richtlinie gestoppt, die auf rund 5600 anerkannte Flüchtlinge in Minnesota abzielte, die auf ihre Greencard warten. Bundesbedienstete hätten wahrscheinlich gegen mehrere Bundesgesetze verstoßen, als sie einige dieser Flüchtlinge festnahmen, um sie einer zusätzlichen Überprüfung zu unterziehen, teilte Bezirksrichter John Tunheim in Minneapolis mit.

Reuters
pgo

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