Der Uefa-Skandal weitet sich aus: Der Betrüger Boksic schwärzte auch Stars des 1. FC Köln an. Dank Chefermittler Limacher hatte er Zugang zum Wett-Alarmsystem. Und den FC Bayern verleumdete er sogar bei der Fifa. Erst einmal schlossen sich die Tore der gläsernen Burg am Genfer See. Dann wurde aus der Zentrale des europäischen Fußballverbands Uefa zurückgefeuert.

Disziplinarchef der Uefa, Peter Limacher, genoss vollstes Vertrauen© Laurent Gillieron/EPA/DPA
Als Mittwoch vergangener Woche um 12 Uhr der stern das gefährliche Treiben eines Hochstaplers im Herzen der Uefa öffentlich gemacht hatte ("Der Uefa-Skandal", stern Nr. 38/2010), schwiegen Europas Fußballbosse zu den Vorwürfen zunächst über Stunden.
Am Nachmittag stellte sich Peter Limacher, oberster Korruptionsbekämpfer der Uefa und selbst schwer belastet, vor seinen als Betrüger enttarnten Mitarbeiter Robin Boksic und bezeichnete diesen als "absolut sichere Quelle".
Und gegen 21 Uhr, als "USA Today" längst die Verleumdungsklagen des FC Bayern gegen die Uefa-Ermittler Limacher und Boksic vermeldete, erschien schließlich eine Presseerklärung. Man sei "traurig" über die Reaktion der Bayern, sagte Generalsekretär Gianni Infantino, der Klub habe "überreagiert". Denn: Disziplinarchef Peter Limacher "genießt das volle Vertrauen der Uefa".
Der Verband kündigte rechtliche Schritte gegen den stern an.
Es war der Versuch, die Bayern zu besänftigen; doch der Klub hielt seine Strafanzeigen aufrecht.
Limacher, 47, und Boksic, 32, hatten unter anderem die Behauptung verbreitet, Bayern München habe sich 2008 für das Europacup-Halbfinale von der Russenmafia kaufen lassen, die Wohnungen von Vorstandsmitgliedern und einem Spieler seien von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden.
Am Tag nach der Enthüllung übernahm Präsident Michel Platini, 55, persönlich den Fall - und vollzog eine Kehrtwende: Die Uefa werde eine "interne Untersuchung" einleiten, und, ja, der Verband "versteht die Reaktion der Bayern". Aus dem Hauptquartier drang, Platini glaube inzwischen auch, dass Peter Limacher einem Betrüger aufgesessen sei. Nun rätselt man bei der Uefa, ob Limacher nur Opfer oder auch Täter sei.
Jedenfalls herrscht Panik beim Veranstalter von Champions League und Europameisterschaft.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 39/2010