"In sechs Monaten können sie die Bombe zünden"

15. Juli 2009, 07:45 Uhr

Wann hat der Iran die Atombombe? Nach Ansicht von Experten des BND könnte das Regime schon binnen sechs Monaten eine Bombe bauen und diese testen. Das berichtet der stern. Nun arbeiten die Iraner mit Hochdruck am Bau von Trägerraketen - mithilfe deutscher Firmen. Von Johannes Gunst, Uli Rauss und Oliver Schröm

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Bei einer Militärparade in Teheran zeigt das Regime die Mittelstreckenrakete Schahab-3©

Der Iran kann binnen kürzester Zeit eine fertige Atombombe produzieren und, ähnlich wie Nordkorea, einen unterirdischen Atombombentest durchführen. Das sagten Fachleute des Bundesnachrichtendienstes (BND) gegenüber dem stern. "Wenn sie wollen, können sie in einem halben Jahr die Uranbombe zünden."

Der Bericht des stern sorgte am Mittwoch international für Aufsehen. Behauptungen der Nachrichtenagentur Reuters, der BND weise den Bericht zurück, sind falsch.

So unmissverständlich wie die BND-Experten gegenüber dem stern hat sich bislang keine westliche Regierungsstelle oder Behörde über Irans Nuklearprogramm geäußert. Nach Erkenntnissen des Nachrichtendienstes beherrschen die Iraner mittlerweile die komplette Anreicherungstechnologie, zudem haben sie genügend Zentrifugen, um waffenfähiges Uran herzustellen. "Das hat denen vor ein paar Jahren niemand zugetraut", so ein BND-Experte zum stern. Der Iran hat nach Angaben der Wiener Atomenergiebehörde IAEA (Hier finden sie den IAEA-Report) mehr als 7000 Zentrifugen in der Atomanlage Natanz installiert, von denen bis Anfang Juni 4920 in Betrieb waren und mittlerweile gut 1,3 Tonnen Uran angereichert haben - genug für ein bis zwei Bomben.

Dem Regime in Teheran fehlt es noch an funktionierenden Trägerraketen für die Atombombe. Komponenten und Know How dafür kaufen sie insgeheim im Westen ein - auch in Deutschland. Der Chefeinkäufer des iranischen Raketenprogramms wird in der aktuellen Ausgabe des stern enttarnt: Said Mohammad Hosseinian, etwa Ende 50, reist unter zahlreichen Alias-Namen. Hosseinian steuert ein Netzwerk von mehr als 100 Tarnfirmen. Solche Unternehmen sind Briefkastenfirmen, die alle dieselbe Anschrift in Teheran haben: Vozara Building in Teheran, Khaled Islamboli Avenue, mittlerweile Intifada-Straße. Nach Einschätzung des BND ist Hosseinian "einer der meistgesuchten Männer der Welt".

Wie der stern weiter berichtet, arbeitet der Iran verstärkt an Raketen, die Atombomben zu Zielen auch in Europa transportieren könnten. Mehrere deutsche Unternehmen, vor allem Mittelständler, haben sich nach stern-Recherchen mit dem iranischen Chefbeschaffer eingelassen. Sie riskieren dabei Verstöße gegen die deutschen Außenwirtschafts- und Kriegswaffenkontrollgesetze. Zudem ist der Handel mit dem Iran durch die UN-Resolution 1747 vom März 2007 stark eingeschränkt; im Anhang dieser Resolution wird explizit vor der Organisation SHIG gewarnt, für die Hosseinian operiert.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 30/2009

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