5. Juli 2012, 18:37 Uhr

NSU-Ausschuss überprüft Indizien zu Zschäpe-Anwerbung

Aus einer geheimen Akte geht hervor, dass der Verfassungsschutz Kontakt zu einer Frau aufgenommen hatte, auf die das Profil von NSU-Mitglied Beate Zschäpe passt. Der Untersuchungsausschuss ging den Hinweisen nach. Und kommt zu einem eindeutigen Schluss. Von Oliver Schröm und Lena Kampf

Zwickauer Terrorzelle, Beate Zschäpe, Nazi, NSU, Verfassungsschutz,  Geheimakten

Sie bezeichnete sich als "Omakind": Beate Zschäpe, Mitglied der Zwickauer Terrorzelle©

In einer sogenannten Werbeakte sind mehr als 40 Fälle beschrieben, in denen der Verfassungsschutz Kontakt zu Mitgliedern der rechten Szene suchte. Exakt drei Alias-Namen sind geschwärzt. Auch die dazugehörigen Fotos sind – nicht wie bei den restlichen Fällen – mit einem Balken versehen, sondern komplett geschwärzt. Auf Seite 61 notierte das Bundesamt für Verfassungsschutz, man habe eine Frau angesprochen. Sie sei Katzenliebhaberin und besitze mehrere Katzen, sie sei alleinstehend und habe eine enge Beziehung zu ihrer Oma. Außerdem sei sie Aktivistin beim Thüringer Heimatschutz (THS) mit Verbindungen zum Führungskader.

Diese Beschreibung passt auf Beate Zschäpe - über sie war bekannt geworden, dass sie sich als "Omakind" bezeichnete und dass sie zwei Katzen besessen hatte. Doch es handele sich nicht um Zschäpe, wie der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschuss, Sebastian Edathy (SPD), am Donnerstag sagte. Das habe eine Prüfung der ungeschwärzten Akten ergeben. Es gebe eine andere Frau, die dieser Beschreibung entspreche.

Nach einem Bericht von stern.de, dass das Profil der Frau auf Zschäpe passe, hatte sich der Untersuchungsausschuss mit der Frage nach dem möglichen Anwerbeversuch beschäftigt und versucht, den Sachverhalt aufzuklären.

Wie stern.de berichtet hatte, war dem Anwerbegespräch mit der Katzenliebhaberin eine ausgiebige Observation der Frau vorausgegangen. Anfang 1997, rund ein Jahr bevor Zschäpe gemeinsam mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt abtauchte, kam es zur "Ansprache", wie es im Geheimdienstjargon heißt. Spezialisten des Bundesamtes für Verfassungsschutz sagten zu der jungen Katzenliebhaberin, man mache sich Sorgen um die Gewaltentwicklung in Thüringen. Ob es nach der Ansprache zu einem weiteren Treffen kam, geht aus der Akte nicht hervor.

 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Neonazi-Terrorserie Verfassungsschutz versuchte möglicherweise Zschäpe anzuwerben

Kontaktaufnahme mit einer Katzenliebhaberin: Der Verfassungsschutz hat möglicherweise versucht, NSU-Mitglied Beate Zschäpe als V-Frau zu gewinnen. Darauf deuten geheime Akten hin.

Ermittlungen gegen Neonazis Verfassungsschützer vernichteten NSU-Akten als "alte Dinger"

Vor dem NSU-Untersuchungsausschuss räumt der scheidende Verfassungsschutzchef Heinz Fromm diverse Pannen ein. Er sei von seinen Mitarbeitern "hinters Licht geführt worden", als sie die Vernichtung von Akten bewusst vertuschten.

Neonazi-Trio Kommission sieht etliche Defizite beim Verfassungsschutz

Es ist ein harter Vorwurf vom PKK-Vorsitzender Günther Schneider gegenüber dem Verfassungsschutz: "Die Mitarbeiter hätten mehr nachdenken müssen." Im Angesicht der Verbrechen der Zwickauer Terrorzelle, und des Versagens des Behörden, scheint der Satz jedoch gerechtfertigt.

Zwickauer Terror-Trio Bundesgerichtshof lässt NSU-Beschuldigten frei

Noch ein mutmaßlicher Unterstützer der Zwickauer Terrorzelle ist wieder in Freiheit. Der Bundesgerichtshof hob den Haftbefehl gegen André E. auf. Er soll am NSU-Bekennervideo mitgearbeitet haben.

Ermittlungen zur Zwickauer Terrorzelle Büros von NPD-Landtagsabgeordneten durchsucht

Bei den Ermittlungen zur Zwickauer Terrorzelle NSU wurden Büros und Wohnungen von Rechtsextremisten durchsucht, darunter auch die Räumlichkeiten des NPD-Landtagsabgeordneten David Petereit.