Ratgeber Kinderkrankheiten

7. August 2008, 21:08 Uhr

Eine Röhre in der Pauke

Hört Ihr Kind schlecht, muss es nicht gleich bockig sein. Vielleicht hat sich auch Schleim im Mittelohr gesammelt, der Ihren Sprößling halb taub macht. Gegen einen solchen Paukenhöhlen-Erguss hilft das Messer des Chirurgen: Er schneidet die Rachenmandeln heraus.

Horcht nicht gut: Flüssigkeit im Mittelohr dämpft den Schall -©

Wer nicht hört, um was es geht, verpasst möglicherweise den Anschluss. So kann Schwerhörigkeit zum Beispiel dazu führen, dass Ihre Tochter oder Ihr Sohn schlechter sprechen lernt als andere Kinder. Hinter dieser scheinbaren Begriffsstutzigkeit kann ein Mittelohr-Erguss stecken.

Im Alter von zwei bis vier Jahren haben etwa fünf Prozent der Kinder einen solchen Erguss, der auch Paukenhöhlen-Erguss genannt wird. Dabei sammelt sich Flüssigkeit im Mittelohr, der Schall gelangt daher nur noch gedämpft ins Innenohr hinein. Deshalb hören die betroffenen Kinder schlecht.

Es gibt verschiedene Wege, das Problem zu beheben: Chirurgen können Ihrem Kind die Rachenmandeln - auch Polypen genannt - entfernen, das Trommelfell aufschlitzen und ein Paukenröhrchen ins Trommelfell legen. Üblicherweise entfernt die Ärztin zuerst die Polypen und öffnet das Trommelfell. Erst, wenn sich erneut Flüssigkeit im Mittelohr sammelt, legt die Chirurgin ein Paukenröhrchen ein.

Maren Wernecke / Jan Schweitzer

Expertenmeinung Johannes Forster, Chefarzt der Abteilung für Kinderheilkunde am St. Josefskrankenhaus Freiburg, und Hans-Ulrich Neumann, Hamburger Kinderarzt:

Die Rachenmandeln von Kindern können so groß sein, dass sie die Verbindungsröhre zwischen Mittelohr und Rachen verschließen. Ein schlecht belüftetes Mittelohr aber ist anfälliger für einen Mittelohr-Erguss; denn der Schleim kann nicht abfließen.

Sind die Rachenmandeln vergrößert und Mitursache des Ergusses, sollten sie verkleinert oder entfernt werden, Fachleute sprechen dann von einer Adenotomie. Das Hörvermögen der Kinder kann sich zusätzlich geringfügig bessern, wenn gleichzeitig das Trommelfell geöffnet wird - dies gilt mit oder ohne Röhrchen. Nach dem Einlegen eines Paukenröhrchens kann es sehr selten zu einer dauerhaften Beschädigung des Trommelfells kommen.

In der Regel nutzt der Eingriff den Kindern: Der Erguss wird entfernt, die Gehörknöchelchen können den Schall besser ins Innenohr übertragen, und die gut belüftete Schleimhaut kann abschwellen.

 
 
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