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5. Februar 2008, 15:49 Uhr

Aust ist weg

"Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust ist überraschend und mit sofortiger Wirkung freigestellt worden. Mit Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo erhält das Nachrichtenmagazins jetzt eine Doppelspitze.

Der Chef geht: Eine Doppelspitze wird künftig den "Spiegel" leiten© Kay Nietfeld/DPA

Das Nachrichtenmagazin wird seit Dienstag von der Doppelspitze Mathias Müller von Blumencron, 47, und Georg Mascolo, 43, geführt. Sie lösten Stefan Aust, 61, ab, der nach einer Mitteilung des Spiegel-Verlags am selben Tag abberufen und freigestellt wurde. Diese Entscheidungen trafen die Gesellschafter des Verlags: die Mitarbeiter KG (Anteil: 50,5 Prozent), der Verlag Gruner + Jahr (25,5 Prozent) und die Erben des Magazingründers Rudolf Augstein (24 Prozent).

Das neue Duo bringe alle Voraussetzungen mit, "die Bedeutung des "Spiegel" als ein weltweit beachtetes kritisches Magazin zu bewahren und weiterzuentwickeln", erklärte Verlagsgeschäftsführer Mario Frank. Die neuen Chefredakteure sind seit mehr als 15 Jahren für die Medien der Spiegel-Gruppe tätig. Von Blumencron, 47, ist seit Dezember 2000 Chefredakteur bei Spiegel Online, Mascolo, 43, leitete zuletzt das Hauptstadtbüro in Berlin.

Eine Verjüngung an der Spitze und eine Modernisierung im Blatt waren für die Mitarbeiter KG die Hauptgründe für die Neubesetzung der Chefredaktion. Beide seien dafür die idealen Kandidaten, teilte der KG-Vorsitzende Armin Mahler mit. Beide hätten Kreativität und Führungsstärke bewiesen, stünden aber auch für "die klassischen 'Spiegel'-Tugenden".

Überraschende Freistellung

Die Freistellung Austs, der von Rudolf Augstein (1923-2002) eingesetzt worden war und das Magazin 13 Jahre lang führte, kam überraschend. Zu Wochenbeginn konnte bei einem Gütetermin im Rechtsstreit zwischen Aust und dem Verlag über die Kündigung des Chefredakteurs zum Jahresende keine Einigung erzielt werden. Über Austs Kündigungsschutzklagen soll am 7. Mai vorm Arbeitsgericht weiter verhandelt werden, wenn sich beide Seiten bis dahin nicht außergerichtlich einigen.

Aust ist der Auffassung, dass er seine Funktion als Chefredakteur des "Spiegel" noch bis 2010 ausüben kann, sein Tätigkeit als Herausgeber bei "Spiegel TV" bis 2013. "Sein Vertrag endet am 31. Dezember 2008", heißt es dagegen in der Verlagsmitteilung. Strittig ist auch, ob Aust als leitender Angestellter anzusehen ist oder nicht. Wenn ja, kann sein Vertrag ohne Gründe beendet werden - gegen die Zahlung einer Abfindung.

Der Verlag dankte Aust für seine "außerordentlich erfolgreiche Arbeit". Er hielt das Blatt kontinuierlich bei einer Auflage von mehr als einer Million Exemplaren. "Es ist maßgeblich sein Verdienst, dass der 'Spiegel' in einem stark umkämpften Zeitschriftenmarkt Deutschlands bedeutendstes und Europas auflagenstärkstes Nachrichtenmagazin ist", heißt es in der Mitteilung. Austs Vertrag war im November 2007 auf Betreiben der Mitarbeiter KG nicht über Ende 2008 hinaus verlängert worden.

Autor zahlreicher Film- und Fernsehdokumentationen

Der 61-jährige Aust ist seit 1987 beim Spiegel und steht seit 1994 an der Spitze der Redaktion. Er ist auch als Autor zahlreicher Film- und Fernsehdokumentationen bekannt. Seine Karriere begann er 1966 bei der Zeitschrift "Konkret", danach arbeitete er für den Norddeutschen Rundfunk, von Anfang der 70er bis Mitte der 80er Jahre vor allem für das Politmagazin "Panorama". 1988 gründete er "Spiegel TV", für das er seit Juli als Herausgeber tätig ist.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
ganzbaf (06.02.2008, 12:49 Uhr)
Augstein war doch kein Konservennaiver...
Der Mann war Moralist und Anarchist. Oder einfach ganz ohne Schubladen.
gmathol (06.02.2008, 06:46 Uhr)
Der Spiegel entfernt sich immer mehr von den Fakten...
...dafuer werden windige Schreiberlinge angeheuert die statt Fakten Meinungen und Propaganda verbreiten.
Bestes negatives Beispiel ist die einseitige Berichterstattung aus Palestina die den Eindruck erweckt das ein Volk das Recht hat ein anderes auszurotten oder zu vertreiben.
Auch die herzige US Berichterstattung spricht Baende, das gab es zu Augsteins Zeiten nicht. Augstein war streng konservativ aber ein ehrlicher Journalist.
Skarrin (05.02.2008, 18:39 Uhr)
Der Windmühlen-Wahnsinnige
Unvergessen bleibt sicher vielen das von Aust aus ideologischen Gründen gegen den Willen etlicher Redakteure (einer ist dann auch aus Protest gegangen) Titelthema über den angeblichen "Windmühlen-Wahn".
Bleibt zu hoffen, dass die in den lezten Jahren teilweise bizarren Artikel über Ökothemen wieder vernünftiger werden, allerdings kenne ich den Hintergrund der neuen Doppelspitze nicht - vielleicht wirds ja auch noch schlimmer dann spare ich mir das Abo.
mc.namara (05.02.2008, 17:28 Uhr)
Es war abzusehen..
.. und trotzdem ist es mal wieder ein Beweis dafür, wie ärmlich in den Führungsebenen miteinander umgegangen wird.
Sicher mag es zwischen Aust und seinen Vorgesetzten Differenzen gegeben haben, aber wenn es sich durchsetzt, dass all die Erfolge nichts mehr wert sind und nur noch die Gier nach "schneller" und "mehr" die Entscheidungen der Konzernleitungen lenkt, sehe ich düstere Zeiten auf uns zukommen. Sehr schade!
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