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29. Januar 2010, 10:50 Uhr

Wenn Autoren keinen Verlag mehr brauchen

Markus Albers ist der erste Autor, der sein Sachbuch nicht gedruckt, sondern ausschließlich als iPhone-App und Ebook veröffentlicht - ganz ohne Mitwirkung eines Verlages. Was bedeutet das für den Buchmarkt, ist dieses Modell für jeden machbar? Von Ulrike Schäfer

Ebook, Markus Albers, Revolution auf dem Buchmarkt

Markus Albers hat als erster Sachbuchautor sein Werk ausschließlich elektronisch publiziert© Martin Mai

Markus Albers beherrscht die Regeln der modernen Kommunikation: Er twittert, hat eine eigene Internetseite und bloggt darüber, dass wir dank neuer Technologien im Job immer flexibler werden und im Beruf mehr Freiheit wagen sollten. Seiner Maxime, ohne feste Arbeitzeiten und Anwesenheitspflicht im Büro seine Brötchen zu verdienen, hat er selbst konsequent in die Tat umgesetzt. Als er sein erstes Buch "Morgen komm ich später" schrieb, kündigte er seinen Posten als Geschäftsführender Redakteur der damals noch existierenden deutschen "Vanity Fair".

Mit seinem zweiten Buch "Meconomy" bleibt Albers seinen Thesen nicht nur inhaltlich treu, sondern geht noch einen Schritt weiter. Weil sein Verlag den Erscheinungstermin immer weiter verzögerte, zog er die Rechte zurück und entwickelte eine innovative Vertriebsstrategie: Als erstes deutsches Sachbuch erscheint sein Werk jetzt nicht in gedruckter Form, sondern exklusiv als Ebook und iPhone-App.

Der Autor beauftragte einen freien Lektor, einen Korrektor sowie eine Kreativdirektorin, die das Buchcover gestaltete. Als problematisch erwies sich der Vertrieb: "Ursprünglich wollte ich nur eine Website machen, wo man das Buch als Pdf-Datei runterladen könnte", sagt Albers. Fündig wurde er schließlich bei Textunes in Berlin, einem Unternehmen, das auf die Veröffentlichung von Verlagsinhalten auf mobilen Endgeräten - insbesondere iPhone und iPod - spezialisiert ist. Die Agentur tritt eigentlich nicht als Verlag in Erscheinung, aber weil die Berliner an Albers' Buch glauben, steht "Meconomy" seit heute als App zum Download bereit.

Popularität des Autors ist entscheidend

Doch diese Strategie, die so revolutionär klingt, bedarf großer Eigeninitiative. Nicht jeder Laie könne solch Projekt starten, sagt Marlies Hebler von Textunes. Dafür brauche es einen bereits etablierten Autor, der die Bereitschaft mitbringe, sich selbst zu vermarkten - am besten schon mit einer eigenen Internet-Community. Ob es ähnliche Folgeprojekte geben wird, vermag Hebler noch nicht zu sagen. "Es ist sicherlich eine Zukunftsmelodie, die da erklingt", sagt die Geschäftsleiterin. Neben der App erstellten die Berliner mit Epub auch das gängige Ebook-Format so dass Albers' Buch nun auch in den Ebook-Online-Stores bei Libri und Ciando erhältlich ist. Nur Amazon wollte von dem Werben des Berliner Autors nichts wissen - Nutzer des eReaders Kindle können daher nicht auf das Buch zugreifen.

Finanziell muss es für Albers kein Nachteil sein, dass sein Buch nur elektronisch vertrieben wird. Zwar kostet es mit 9,99 Euro nur halb so viel wie sein erstes, gedrucktes Buch. Dafür bleibt wegen der geringeren Herstellungskosten mehr für den Autor übrig: Ganze 40 Prozent vom Verkaufspreis, also knapp vier Euro, verdient Albers an jedem Download. Bei gedruckten Büchern gehen meist nur zehn Prozent an den Schriftsteller.

Marketing-Kooperation mit Sony

Ein besonderer Scoop ist Albers mit Sony gelungen: Das Unternehmen, das Ende Februar mit dem "Reader Pocket Edition" ein neues Lesegerät auf den Markt bringt, ist von "Meconomy" so überzeugt, dass jeder Käufer des neuen Readers einen Gutschein für den Download des Buches erhält. Ein besseres Marketing hätte sich der Autor kaum wünschen können, zumal Sony für ihn noch kräftig die Werbetrommel rührt: Pünktlich zum Erscheinen des Buches darf Albers im Sony-Readerclub in einer virtuellen Leserunde die Kernthesen seines Buches diskutieren.

Steht der Buchmarkt gerade vor einem kompletten Umbruch, ähnlich wie der Musikmarkt nach der Einführung von mp3s? Noch geben sich die Verlage entspannt. "Im Moment sind Ebooks Umsatzzwerge mit Wachstumspotential", sagt Claudia Paul vom Börsenverein des deutschen Buchhandels. Als Beleg zitiert sie eine Eigenumfrage von der Frankfurter Buchmesse 2009: "80 Prozent der befragten Verlage machen hierzulande weniger als ein Prozent ihres Umsatzes mit Ebooks." Gleichzeitig räumt sie ein, dass die Entwicklung in den USA bereits anders aussieht. "Aus Gesprächen mit Verlagen weiß ich, dass der Umsatzanteil in den nächsten Jahren bei etwa zehn Prozent vermutet wird." Um solche Zahlen zu erreichen, müssen zunächst die Lesegeräte günstiger und noch benutzerfreundlicher werden. Es sieht gut aus: Schon jetzt überbieten sich die Anbieter mit immer neuen Modellen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Kirchner + Robrecht hält sich das Interesse an den Geräten zwar derzeit noch in Grenzen. Aber bis Mitte 2011 erwarten die Berater schon rund 170.000 verkaufte E-Reader in Deutschland. Autor Markus Albers hofft auf reges Feedback von seinen Lesern, um "Wenn mir hundert Leute schreiben, dass sie gerne eine Printversion hätten, dann werde ich noch ein Book on demand nachreichen."

Von Ulrike Schäfer
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Albatros111 (30.01.2010, 00:16 Uhr)
Das erste Sach-E-Book?
Ganz sicher ist er nicht der erste Autor, der ein Sachbuch ausschließlich als E-Book veröffentlicht. Die Universitäten bieten schon seit Jahren die Möglichkeit, Dissertationen und andere wissenschaftliche Veröffentlichungen auf Uni-Servern als E-Book zu veröffentlichen. Viele Autoren machen davon Gebrauch. Das sind auch Sachbücher.
DasBertl (29.01.2010, 20:41 Uhr)
Koexistenz
Ebooks werden das klassische Buch mit Sicherheit NIEMALS ganz verdrängen,genauso wenig wie E-Reader die Verlage, Zeitungen und Zeitschriften. Sicherlich: Die E-Books/Reader(-inhalte) werden mit der Zeit immer mehr werden, aber es geht doch nichts über ein klassiches Buch, bei dem man des Nächtens die Seiten umblättert. Es wird wohl beides auf unbestimmte Zeit Koexistieren. Doch eher glaube ich, dass E-Books irgendwann (in 100000 Jahren) wieder verschwinden, als das gedruckte Wort...
ennkaa (26.01.2010, 12:57 Uhr)
Brauchen Autoren noch Verlage?
Meine Meinung: Jein. Dank iPhone und Plattformen wie XinXii & Co. haben alle Autoren die Möglichkeit, sich selber zu vermarkten und seine Werke in Eigenregie zu veröffentlichen. Wenn dann noch ein Verlag auf mich aufmerksam wird, sag ich nicht nein. Denn sein Buch im Laden zu sehen hat ja auch was für sich.
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