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29. Juni 2004, 11:51 Uhr

Trainingslager für Kommentatoren

Auf die Fußball-Kommentatoren hagelt es Kritik. Nicht nur die mangelnde Begeisterung, die Besserwisserei und das Genörgel werden angeprangert, sondern vor allem der Gebrauch überflüssiger Anglizismen.

Vielen Fußballfans ein "Dorn im Ohr": Kommentator Reinhold Beckmann© Fabian Bimmer/AP

Nach dem Rücktritt von Rudi Völler als Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sollten nach Ansicht der Sprachzeitung "Deutsche Sprachwelt" auch die Fernsehkommentatoren ausgewechselt werden. Zur Begründung verwies die vom Verein für Sprachpflege herausgegebene Zeitung auf den "unmäßigen Gebrauch überflüssiger Anglizismen", mit dem sich das Fernsehen vom Zuschauer entferne und ein "sprachliches Eigentor" schieße.

Das Problem sei also nicht die häufig falsche Aussprache von Namen ausländischer Spieler, auch nicht die Besserwisserei oder das Schlechtreden. Sprachwelt-Schriftleiter Thomas Paulwitz macht den "Mangel an Begeisterungsfähigkeit" für die Flucht aus der deutschen Sprache verantwortlich.

"Big save" - sprachliches Eigentor

Dabei gehe es nicht um eingebürgerte Fußballbegriffe wie "Fan" oder "Foul". Man dürfe jedoch nicht erwarten, dass jeder Zuschauer verstehe, was mit "reversed angle" (Sicht von gegenüber) gemeint sei. Als weitere überflüssige englische Begriffe, die Kommentatoren verwendeten, nannte die Zeitung "big save" für "gehalten", "man of the match" für "Spieler des Tages" und "fighting spirit" für "Kampfgeist".

Nach Beobachtung des Fachblattes machen die Zuschauer in EM-Netzforen wie etwa auf www.zdf.de ihrem Unmut Luft. Besonders in der Kritik stünden Reinhold Beckmann (ARD) und Johannes B. Kerner (ZDF). Die Foren-Schreiber werden deutlich: "Wir sind Europameister im blöden Kommentieren" kann man da lesen. Es gebe "viel zu viel Hätte-wenn-und-aber-Gelaber". Auch die Aufforderung, "einfach Ton aus und selber kommentieren", findet Zustimmung. Viele ärgern sich, daß sie für die sprachlichen Fouls und Fehlpässe auch noch Gebühren zahlen müssen.

Die Zeitung schlägt daher einen Sprach-Lehrgang für Kommentatoren vor, die Möglichkeit für einen Neuanfang, rechtzeitig vor der Weltmeisterschaft in zwei Jahren im eigenen Lande.

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