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30. April 2010, 12:00 Uhr

Der letzte "Wallander" ist draußen

Leidet Kommissar Kurt Wallander an beginnendem Alzheimer? Das ist die düstere Frage in Henning Mankells Roman "Der Feind im Schatten". An diesem Freitag erscheint das endgültige letzte Buch mit dem knurrigen Kripomann aus Ystad auf Deutsch.

Wallander, Henning Mankell

Viel Kopfzerbrechen hat dem schwedischen Autor Henning Mankell das Ende seines Kommissars Wallander bereitet© Friso Gentsch/DPA

Nach zehn Jahren Pause hat Schwedens erfolgreichster Krimiautor mit "Der Feind im Schatten" (Zsolnay Verlag) sein Versprechen an sich selbst gebrochen, keinen zehnten Wallander-Krimi zu schreiben. Ihn hätten vor allem unbewältigte schwedische Konflikte aus der Zeit des Kalten Krieges und der Kampf vieler Menschen jenseits der 60 mit Gedächtnislücken wieder zum Schreiben gebracht, erzählte Mankell, 62, bei einer Präsentation.

Wallander, ziemlich einsam, beruflich nicht mehr so fest im Sattel und von Tochter Linda zum Opa gemacht, erlebt bei der Suche nach Lindas verschwundenen Schwiegereltern extrem beängstigende "Löcher" ("Was will ich eigentlich? Was ist passiert?"). Der adlige Schwiegervater war hoher Marineoffizier und bis in die 80er Jahre an der Jagd nach mysteriösen fremden U-Booten vor Schwedens Küste beteiligt. Als auch die Ehefrau Louise wie vom Erdboden verschluckt ist, kommt der Verdacht auf, dass einer von beiden vielleicht bei der großen U-Boot-Jagd "der" Spion für Moskau gewesen sein könnte.

Diesmal ist das Ende unwiderruflich

Neben der Geschichte hat der Autor auf die Schilderung von Wallanders erfolglosem Kampf gegen das Altern viel Zeit verwandt. Trost immerhin für mitfühlende Leser: Der Kommissar vergisst zwar beim einsamen abendlichen Trinken in einer Ystader Kneipe seine geladene Dienstwaffe und kann sich hinterher an nichts erinnern. Aber später kommt ihm dann doch noch die brillante Idee zur Lösung des Falles.

Das "wirkliche" Ystad an Schwedens Südspitze überschwemmen immer wieder Scharen von Wallander-Fans auf der Suche nach den Schauplätzen der Romane. Und das umso mehr, nachdem Kenneth Brannagh in britischen TV-Verfilmungen als inzwischen vierter Wallander-Darsteller brilliert hat. Der Kommissar lebt für die Krimi-Gemeinde in höchstem Maß weiter. Ob mit oder ohne Alzheimer.

Mankell aber macht Schluss, wie man im Buch nachlesen kann: "Die Erzählung von Kurt Wallander ist unwiderruflich zu Ende." Die vielleicht zehn oder mehr Jahre, die noch bleiben, gehörten nur ihm, seiner Tochter Linda und Enkel Klara, niemandem sonst. In einem Interview der Illustrierten "Bunte" gab der Bestsellerautor jetzt zu, dass ihm der Abschied von Wallander einiges Kopfzerbrechen bereitet habe. Dann habe sich herausgestellt, dass der beste Weg der einfachste war: Aus Respekt lasse er seine Figur allein, schließe die Tür und verlasse das Haus.

DPA
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Julia_Muc (30.04.2010, 16:17 Uhr)
Der neue Mankell - Leider nicht für jeden
Leider schafft es Amazon.de nicht, den lange vorbestellten Mankell zum Erscheinungstermin auszuliefern. Lediglich eine kurze Info, dass man im Laufe der kommenden Woche das Buch erhalte, war in der Mailbox. Nach Rückfrage wurde sich Stunden später zwar wortreich entschuldigt - eine wirkliche Erklärung lieferte man aber nicht. Lediglich von Sperrfristen war die Rede - die natürlich mit dem heutigen Erscheinungstermin hinfällig ist. Das Resultat: Im Buchladen um die Ecke hätte ich den neuen Mankell schon heute haben können. Bei Amazon erst nächste Woche - trotz Vorbestellung. Sehr schade.
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