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Das Fernsehgericht tagt: "Kommissar Marthaler": Ein Hauch von Wallander

Etwas konstruiert, aber durchaus sehenswert: Matthias Koeberlin ermittelt zum zweiten Mal als Kommissar Marthaler.

Von "Judge" Kester Schlenz

Regie bei diesem TV-Film führte ein gewisser Lancelot von Naso. Das klingt wie eine Ritterfigur in einem Sketch von Monty Python. Aber nix da - der Mann hat das sehr ordentlich gemacht. Für das etwas konstruierte und überfrachtete Drehbuch kann er ja nix. Die Romanvorlage für diesen zweiten Fall des smarten Kommissars Marthaler (Matthias Koeberlin) schrieb Jan Seghers. In einen Roman darf man viel packen. Für ein Drehbuch ist das hier eine Terz zu viel.

In Frankfurt werden fünf Menschen in einem Restaurant erschossen. Darunter ein Staatssekretär und jemand, den Marthaler von früher kennt. Zufall? Der Kommissar und sein Team ermitteln in alle Richtungen. War es ein Auftragsmord mit Kollateralschäden? Eine Abrechnung im Rotlicht-Milieu? Ein Attentat auf den Politiker? Ein mysteriöser Ermittler vom LKA (Roman Knizka) wird den Polizisten zur Seite gestellt. Und von da an geht es rund.

Wir wollen hier nicht alles verraten. Aber eine Rolle spielen: eine verschollen geglaubte Partitur des weltberühmten Operettenkomponisten Jacques Offenbach, ein fieser Serbe und ein noch fieserer alter Nazi. Und dann ist die Freundin von Marthaler auch noch schwanger. Das kann sie ihm aber erst am Ende des Filmes erzählen, weil er so viel zu tun hat.

Der Mann hat Format

Matthias Koeberlin spielt diesen Marthaler als eher schweigsamen, grüblerischen Ermittler. Und das sehr überzeugend. Er ist keiner dieser peinlichen Möchtegern-Kommissare. Der Mann hat Format. Eine düstere, unheilvolle Stimmung zieht sich durch den ganzen Film. Überall lauert das abgrundtief Böse. Marthaler ist Kurt Wallanders kleiner Bruder. Ein ehrlicher Kerl, der nicht aufgibt, aber leidet. Der Film ist zudem hochkarätig besetzt. Zu sehen sind unter anderem Julia Jentsch, Tim Seyfi, Jürgen Tonkel und Anke Sevenich. Und alle machen ihren Job gut.

Das Urteil: Trotz einiger Schwächen - unbedingt anschauen! Der Tatbestand der Drehbuch-Verzettelung ist zwar gegeben. Die solide Regie und die Leistung der Darsteller sorgen aber für eine geringe Bewährungsstrafe.

"Kommissar Marthaler - Partitur des Todes", Montag, 14. April 2014, 20.15 Uhr im ZDF