Kühne Fiktion oder rechte "Schläger"-Schreibe? Im Streit um "Endstufe", seinen Roman über die NS-Pornoszene, spricht Thor Kunkel nun von Rufmord.

"Ich gebe zu, dass mich nichts mehr erschreckt": der 40-jährige Autor im Säulengang des Berliner Alten Museums© Volker Hinz
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Ich kann das nicht so positiv sehen. Der Schock, den mir Herr Fest mit der Trennung versetzt hat, war sehr groß. Ich habe drei Jahre wie ein Besessener an dem Buch geschrieben, habe mein Leben umgestellt und bin von Amsterdam nach Berlin gezogen, weil ich dachte, es sei wichtig fürs Schreiben, in Deutschland zu sein. Ich habe alles gegeben und kriege dann einen Tritt von Herrn Fest.
Am letzten Tag des Lektorats erhielt ich einen Brief von Fest, in dem stand, man müsse sich wegen inhaltlicher und ästhetischer Differenzen trennen. Er wirft mir vor, in Amoralismus zu schwelgen, einer biologistischen Weltsicht zu frönen - und vergleicht mich im selben Atemzug mit Céline und Nabokov. Weltliteratur!
Bei diesem jetzt so bezeichneten "Werkstattbericht" handelt es sich in Wirklichkeit um eine von mir geschriebene Rahmenhandlung des Romans, vier Kapitel, die einen Bezug zur Gegenwart herstellen sollten, eine fiktionale Ebene, ähnlich wie Günter Grass das in "Krebsgang" gemacht hat. Herr Fest müsste sehr wohl wissen, dass diese Kapitel reine Fiktion sind, aus der nicht meine Gesinnung spricht. Ich weiß nicht, ob diese Verzerrung an der schludrigen Recherche des "Spiegel" liegt oder ob es eine böswillige Unterstellung Fests ist. Ich bin sehr überrascht über seine verbale Entgleisung.
Das ist ein Ausbund an Irrsinn. Das Zitat entstammt der rein fiktiven Ebene der Rahmenhandlung, die bereits im Juni 2003 im Lektorat aus dem Roman herausgelöst wurde. Es wird in dem Artikel geschickt montiert und vermischt. Das ist eine Rufmordkampagne. Ich sitze nicht mit braunen Kameraden am Stammtisch. Ich würde mich eher in der Anarcho-Ecke sehen.
Diese Aussage habe ich als schlimmste Diffamierung empfunden. Als ob wir jemals so darüber gesprochen hätten...
Nein. Man muss psychisch krank sein, um das anzunehmen. Es gibt für mich keine solche Vergleichsmöglichkeit. Ich hatte mit der Lektorin ein Gespräch über Seneca und seinen Satz: "Die Frage ist nicht, ob man stirbt, sondern wie man stirbt." Das ist alles. Doch die Passage, die jetzt im "Spiegel" zu lesen ist, ist frei erfunden. Der Autor selbst hat sich bei mir nicht gemeldet. Ich werde zu einem Anwalt gehen. Ich vertrete mit dem Roman keine politische Richtung und verharmlose oder relativiere auch nicht den Holocaust.