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Ausbruchseindämmung Affenpocken: WHO ruft weltweiten Gesundheitsnotstand aus – so ist die aktuelle Lage in Deutschland

Hautausschlag durch Affenpocken-Infektion
Wer sich mit Affenpocken infiziert hat, muss mit teils schmerzhaften Hautveränderungen rechnen
© Institute of Tropical Medicine / DPA
Die Weltgesundheitsorganisation macht sich zunehmend Sorgen über die sich global ausbreitenden Affenpocken und hat jetzt die höchste Alarmstufe ausgerufen. Wie gefährlich ist die Lage derzeit in Deutschland?

So richtig einig waren sich die Experten nicht. Aufgrund des Affenpocken-Ausbruchs den Gesundheitsnotstand auszurufen, fanden nicht alle im Notfallkomitee richtig. Am Ende aber entschied man sich für Nummer sicher. Schließlich habe sich, wie der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf vorrechnete, die Zahl der bestätigten Erkrankungen seit Ende Juni vervielfacht. Inzwischen sei die Zahl der Affenpocken-Fälle auf mehr als 17.000 angestiegen, Menschen in 75 Ländern seien betroffen, fünf an der Erkrankung gestorben. Die Konsequenz: höchste Alarmstufe.

Damit hat die WHO alle Register gezogen, die sie ziehen kann. Mehr geht nicht. Die Einordnung ist als Aufruf zum Handeln zu verstehen. Nun ist es an den Mitgliedsländern, Taten folgen zu lassen. Tun sie das nicht, ist der ausgerufene Gesundheitsnotstand nichts weiter als ein zahnloser Tiger. Denn praktische Folgen hat die Einordnung allein keine. "Es ist nicht unser erster Appell. Die WHO war hochaktiv seit dem ersten Tag des ungewöhnlichen Affenpocken-Ausbruchs. Nun geht es darum, die Maßnahmen zu intensivieren. Die Welt muss handeln – und zwar vereint", ordnete Mike Ryan, Leiter des WHO-Programms für Krisennotfälle, ein. "Die heutige Entscheidung bedeutet, dass wir Gas geben müssen, um diese Krankheit unter Kontrolle zu bringen."

Aktuelle Affenpocken-Lage in Deutschland

Die Ausbruchslage in Deutschland ordnete das RKI bisher nicht als besorgniserregend ein. "Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schätzt das RKI nach derzeitigen Erkenntnissen als gering ein", ist auf der Webseite des Instituts zu lesen. Im Mai wurden hierzulande die ersten Fälle von Affenpocken entdeckt. Bis Freitag hatten sich 2268 Menschen deutschlandweit infiziert. So die offiziellen Zahlen. In den allermeisten Fällen erkranken Männer, bisher sind nur fünf weibliche Fälle in Deutschland bestätigt worden. Auch Kinder sind in Deutschland noch nicht von dem Ausbruch betroffen. 

Für eine Ansteckung ist nach derzeitigem Kenntnisstand enger Kontakt notwendig. Laut einer Studie, die am Donnerstag im Fachmagazin "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, handelt es sich in 95 Prozent der Affenpocken-Fälle um Infektionen durch sexuelle Kontakte. Tatsächlich finden auch in Deutschland derzeit die meisten Übertragungen wohl im Rahmen von sexuellen Aktivitäten statt, so das RKI. Betroffen sind vor allem. Männer, die Sex mit anderen Männern haben. Jedoch interessiert den Erreger die sexuelle Orientierung seines "Opfers" nicht. Treffen kann die Krankheit prinzipiell jeden. Auch der Studienautor John Thornhill verwies darauf: "Es ist wichtig zu betonen, dass die Affenpocken keine Geschlechtskrankheit im traditionellen Sinne sind; sie können durch jede Art von engem körperlichen Kontakt übertragen werden.“

Mit Affenpocken Infizierte haben meist milden Verlauf

Wer sich infiziert, muss mit Symptomen rechnen, die denen der Pocken ähneln. Dazu zählen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schüttelfrost sowie geschwollene Lymphknoten. Außerdem entwickeln sich teilweise sehr schmerzhafte Hautveränderungen in Form von Flecken und Pusteln, die mit der Zeit verkrusten und abfallen. Der Ausschlag tritt vor allem an Gesicht, Handflächen und Fußsohlen auf. Es sind jedoch auch Haut- und Schleimhautveränderungen an Mund, Genitalien und Augen möglich. Die Hautveränderungen halten in der Regel zwischen zwei und vier Wochen an und heilen ohne Behandlung von selbst ab. In den meisten Fällen erkranken die Betroffenen, zumindest soweit bisher bekannt, nicht schwer und erholen sich binnen Wochen. Aber auch schwere Verläufe sind möglich. Insbesondere Neugeborene, Kinder, Schwangere, alte Menschen und Menschen mit Immunschwäche können schwer erkranken. Zu möglichen Komplikationen gehören Hautinfektionen, Lungenentzündung, Verwirrtheit sowie Augeninfektionen, die zu Sehverlust führen können.  

Behandelt werden bei einer Affenpocken-Erkrankung in erster Linie die Symptome. Zudem wurde inzwischen in der EU ein Arzneimittel zur Behandlung zugelassen, das eigentlich bei sogenannten Orthopocken eingesetzt wird. Zudem hat man inzwischen herausgefunden, dass die allgemeine Pockenimpfung auch gegen Affenpocken effektiv ist. Das Vakzin ist demnach zu 85 Prozent wirksam. Da Pocken allerdings seit Jahrzehnten als ausgerottet gelten, wird schon länger nicht mehr gegen eben diese geimpft. Für bestimmte Risikogruppen wird eine Impfung in Deutschland allerdings empfohlen. Nach RKI-Schätzungen haben etwa 130.000 Menschen in Deutschland eine Indikation für eine Impfung gegen Affenpocken. Allerdings mangelt es derzeit noch an Impfstoffdosen.

Quelle: RKI, New Journal of Medicine, mit Informationen von Agenturen

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