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14. September 2011, 17:01 Uhr

Bohlen ist sein Schicksal

Abrechnung mit Dieter Bohlen? Thomas Anders' vermeintliches Aufregerbuch "100 Prozent Anders" tut beiden Modern-Talking-Stars nur Gutes. Ohne Bohlen kein Anders. Von Sophie Albers

Dieter Bohlen, Thomas Anders, Modern Talking, Autobiografie, 100 Prozent Anders, Koch Verlag

"Dieter und ich - wir sind unser beider Schicksal", sagt Thomas Anders über seinen Ex-Kollegen von Modern Talking© Roland Witschel/DPA

Trotz der großen Freude über Thomas Anders' lange und sehnsüchtig erwartetes Bohlen-Bashing sollten wir uns erstmal entspannen. Schließlich versteckt sich hinter all dem Hass und aller Häme genau genommen eine fulminante Neuauflage von Modern Talking - nur mit verkehrten Vorzeichen.

Der größte Karriereerfolg von Thomas "Der mit der Nora-Kette" Anders war es, Teil der unfassbar eindimensionalen 80er-Jahre-Combo Modern Talking zu sein. Die Band hat weltweit mehr als 120 Millionen Alben verkauft, war mit Hits wie "You’re My Heart, You're My Soul" und "Cheri Cheri Lady" Dauerbrenner auf jeder Party und zugleich Anlass zum Fremdschämen. Eben die Mischung, die Deutschland so sehr liebt.

Der größte Erfolg von Dieter Bohlen ist es, Modern Talking überlebt und das Fremdschämen zum Prinzip gemacht zu haben: als heimlich verehrtes Schandmaul und Hassbild der Nation, seitdem er sein Talent als scheinbar unerbittlicher, aber natürlich grundehrlicher Juror in Castingshows entdeckt hat.

Fakt ist dabei: Bohlen scheffelt mit seinem hässlichen Image Millionen. Anders ist nett geblieben. Bis jetzt.

Bohlen und die Ganzkörperkondome

Zwar hat Anders eigentlich immer Musik gemacht und als Solokünstler zuletzt in Russland große Erfolge gefeiert. Sein deutsches Projekt mit Ex-Nena-Keyboarder und Produzent Uwe Fahrenkrog-Petersen schaffte es kurz auf Platz elf der Albumcharts. Doch ist er im kollektiven deutschen Gedächtnis letztlich immer der samtäugige Typ mit der Nora-Kette geblieben, der von Bohlen abserviert wurde.

Eine Lesart für sein Buch wäre diese: Vielleicht, um nach all den Jahren aus dieser Nummer endlich herauszukommen gibt es nun - acht Jahre nach dem endgültigen Aus von Modern Talking - die Autobiografie "100 Prozent Anders - Mein Leben - und die Wahrheit über Modern Talking, Nora und Dieter Bohlen".

Die Medien stürzen sich selbstredend auf Letzteren. Und Anders liefert wahrlich lustige Zitate: In den Anfangszeiten sei Bohlen, "von dem lästigen Plappermaul, das er heute ist, in etwa so weit entfernt wie die englische Sängerin Susan Boyle von einer Karriere als Laufstegmodel". Oder: Er habe "das ständige Zusammensein mit Dieter als absolut anstrengend und nervenaufreibend" empfunden. Oder: "Insgeheim glaube ich fast, dass bei Dieter zwei Drähtchen im Kopf nicht richtig zusammengelötet sind." Und das bisherige Highlight der Vorabberichte, Bohlens Geiz betreffend: "Würde ihm eine Firma anbieten, ihn für die kommenden zehn Jahre mit Ganzkörperkondomen auszustatten und ihm dafür auch eine Gage bezahlen, würde Dieter vermutlich freiwillig in Ganzkörperkondomen herumlaufen."

Die Wortwahl macht klar, dass Bohlen Anders beim Beschimpfen kein bisschen geholfen hat.

Dieter ist sein Schicksal

Denn angesichts der Bespielung der öffentlichen Aufmerksamkeit (noch ist Anders auf dem "Bild"-Titel. Spätestens übermorgen heißt es: "Dieter Bohlen schlägt zurück"), der Tatsache, dass es auch Bohlens Stern derzeit ein bisschen an Leuchtkraft mangelt, und dass er ab Donnerstag wieder TV-casten darf, drängt sich nämlich noch eine ganz andere Vermutung auf: Vielleicht ist das alles kein Zufall.

Einen Hinweis gibt der Pressetext zum Buch, da heißt es: "Der Leser erfährt in dieser Autobiografie von den endlosen Reibereien, und heute scheint es unglaublich, dass die beiden immer wieder auf der Bühne das perfekte Duo gaben." Merke: Zum perfekten Duo gehören zwei. Wenn einer ein "Arschloch" ist, muss der andere ihn ein "Arschloch" sein lassen. Und wie wir Bohlen kennen und aus respektvoller Entfernung verachten, ist dieses Buch das Beste, was seinem Marktwert gerade passieren konnte.

Das hat auch Thomas Anders erkannt: "Ich glaube, Dieter und ich - wir sind unser beider Schicksal", sagte er soeben im Interview mit der Nachrichtenagentur DPA. "Und je schneller man dies annimmt, umso normaler geht man damit um. Deshalb habe ich auch wunderbar Frieden damit geschlossen, dass Dieter Bohlen zu meinem Leben gehört."

Es wird sich gelohnt haben.

Auch wir kommen nicht an Thomas Anders vorbei. Er ist heute Abend zu Gast bei sternTV

Von Sophie Albers
 
 
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