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Nora Balling gegen Thomas Anders: Rosenkrieg im Rheinland

Mit ihr ist nicht zu spaßen: Nora Balling hat eine einstweilige Verfügung gegen Ex-Mann Thomas Anders erstritten. Der darf jetzt nicht mehr aus dem Nähkästchen plaudern, tourt aber trotzdem mit seinem Buch durchs Land. Es droht der Rosenkrieg im Rheinland.

Von Hartmut Wagner, Koblenz

Nora Balling

Ohne Kette, dafür mit Anwalt: Nora Balling am Freitag vor dem Koblenzer Landgericht

Der frühere Modern-Talking-Sänger geigte seiner Ex-Frau Nora zwölf Jahre nach der Scheidung so richtig die Meinung. Er warf der 46-Jährigen in seiner Autobiografie unter anderem Verschwendungssucht und "fast schon krankhafte" Eifersucht vor. Jetzt verpasste Nora ihrem Ex einen Maulkorb. Das Landgericht Koblenz hat ihrem Antrag auf einstweilige Verfügung gegen Anders' Buch stattgegeben. Somit darf der Sänger eine Reihe von Behauptungen über Nora nicht mehr verbreiten. Tut er es dennoch, muss er pro Verstoß ein Ordnungsgeld von bis zu 100.000 Euro zahlen.

Nora Balling erscheint persönlich

Dunkle Sonnenbrille, teure Chanel-Tasche, dicke Goldringe: Nora Balling gibt sich divenhaft, als sie vor Prozessbeginn über den Gerichtsflur stöckelt. Sie ist auffallend mager, wirkt angespannt. Doch das Blitzlichtgewitter der Fotografen lässt sie über sich ergehen. Sonderbar: Sie ermöglicht selbst Fotos, die sie mit Anders' Buch zeigen. Ihr Anwalt sagt später: "Nora hat das Buch tief getroffen! Ihr geschiedener Mann hat die Ruhe, die sie will, in perfidester Weise gestört."

Balling, mit der Anders 14 Jahre lang verheiratet war, geht gegen mehr als 15 Passagen des Buches "100 Prozent Anders" vor. Nach dem Prozess poltert ihr Anwalt Bernd Schneider: "Die Stellen müssen raus aus dem Buch! Wie? Das ist nicht mein Problem! Schwärzen, rausreißen!" Und: "Herr Anders muss die Passagen vom Tisch kriegen, sonst geht es ihm ans Portemonnaie!" Der Rummel hat dem Buch nicht geschadet - wie zu erwarten war. Beim Internet-Buchhändler Amazon ist der Verkauf des Titels innerhalb weniger Tage deutlich nach oben geschossen.

In Gerichtssaal 136 herrscht eine skurrile Atmosphäre: Nora sitzt mit ihren Anwälten auf der einen Seite - die andere blieb leer. Grund: Weder Thomas Anders noch sein Anwalt sind erschienen. Der Anwalt hatte beantragt, den Prozess zu verlegen. Doch das Gericht lehnte dies ab. Begründung: Nora habe ein berechtigtes Interesse an einer schnellen Entscheidung.

Der Vorsitzende Richter, Landgerichtspräsident Hans-Josef Graefen, wollte das Urteil zu Prozessende nicht näher begründen. Aber: Er hatte bereits zuvor ausgeführt, dass Thomas Anders und seine Ex-Frau bei ihrer Scheidung eine "Scheidungsfolgenvereinbarung" getroffen hätten. Diese sei rechtswirksam. Anders sei es damals gewesen, der auf eine Klausel gedrängt habe, wonach keiner der geschiedenen Eheleute "persönliche Eigenschaften" des anderen publik machen darf, die "nicht allgemein bekannt" sind. Der Richter betonte: Diese Klausel umfasst alle von Nora angeprangerten Buchpassagen - bis auf die Stellen, an denen Anders seiner Ex-Frau übertriebene Eifersucht vorwirft. Diese seien nicht zu beanstanden. Denn über Noras Eifersucht habe die Presse schon oft berichtet.

Thomas Anders gibt zur gleichen Zeit eine Lesung

Pikant: Anders' Anwalt fordert den Prozess zu verschieben, weil der Sänger zu dieser Zeit in Dortmund aus seiner Autobiografie lesen wolle. Noras Anwalt ist empört: "Das ist so, wie wenn ich einen Dieb vor Gericht vertrete und die Verschiebung der Verhandlung beantrage, weil mein Mandant noch stehlen möchte. So geht's nicht!"

Anders tourt aktuell mit seinem Buch durch Deutschland. Die Lesung in Dortmund gab er tatsächlich - doch über Nora fiel kein Wort. Zu dem Urteil mochte er auch nichts sagen. Doch sein Anwalt will das Urteil anfechten, notfalls durch alle Instanzen gehen. Noch vor Prozessbeginn hatte er gegen alle Richter einen Befangenheitsantrag gestellt. Darüber wurde noch nicht entschieden. Der Ander'sche Rosenkrieg geht weiter. Bestimmt.

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